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„Sind Schmarotzer die besseren Menschen?“

Er ist und bleibt der ewige Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet“, heißt es in Hitlers „Mein Kampf“ über die Juden als Vorgriff auf ihre Vernichtung. Dieses Menschheitsverbrechen ist eng mit der langen Geschichte des Parasiten verbunden. Ein uralter Begriff, der von naturwissenschaftlichen und sozialen Ressentiments gleichermaßen geprägt ist und noch immer zur Stigmatisierung von Menschen herhalten muss.
Das könnte sich nun ändern, weil biologische Parasiten zunehmend als ökologisch unverzichtbar und schützenswert erkannt werden. Angenommen, die Ehrenrettung des Bioparasiten gelingt, stirbt dann auch das universelle Feindbild vom „Sozialparasiten“ aus? Oder brauchen politische und soziale Kämpfe die Allzweckmetapher vom Schmarotzer?
Der Ursprung des Parasitenbegriffs liegt im antiken Griechenland, wo der parásitos bei Tempelfesten am Tisch der Priester speiste: ein Mitesser. „Das war nicht negativ besetzt, aber im religiösen Kontext schon aufgeladen“, sagt Andreas Musolff, der an der University of East Anglia unter anderem zum Wandel im Parasitenbild forscht.
Im alten Rom aber mutierte der jetzt latinisierte parasitus von einer Art Berufsbezeichnung zur kriecherischen Komödienfigur. Dies gilt als erster Parasitenbegriff – Charakterschwächen inbegriffen. „Der führte kleine Schweinereien für seine Herren aus“, erklärt Musolff. „Nervig und grotesk, aber keiner wäre auf die Idee gekommen, dass diese humoristischen Figuren ausgerottet werden sollen. Ein Tritt in den Hintern oder ein Rüffel haben gereicht.“
Der Parasit als kriecherische Komödienfigur
Erst mit dem Aufstieg der heutigen Lebenswissenschaften vom 18. Jahrhundert an wandelte sich die Auseinandersetzung mit dem Parasiten zur Existenzfrage. Denn nun schien die gottgewollte Ordnung der Dinge bedroht. Nach vorherrschender Ansicht war das Leben hierarchisch angelegt und strebte nach Fortschritt, also mehr Komplexität.
Parasiten mit ihrem oft extrem vereinfachten Körperbau galten als Rückschritt in der Entwicklung und Gefahr für das Gefüge der Natur. Die Konsequenz war klar: Die „degenerierten“ Schmarotzer, die von den Früchten fremder Arbeit lebten, waren mit allen Mitteln zu bekämpfen.
Dabei ist die Reduktion nur Anpassung: Eingeweidewürmer etwa brauchen keine Beine, keinen Panzer oder echten Kopf, weil sie weder laufen noch sich verteidigen oder tiefe Gedanken denken müssen. Vom Faulenzen kann trotzdem keine Rede sein, das Schmarotzen ist stressig.
Tatsächlich bleiben wohl die allermeisten Parasiten auf der Strecke, weil sie selbst gefressen werden, keinen passenden Wirt finden oder von dessen Körperabwehr zerlegt werden. Wie alle Lebewesen kämpfen Parasiten ums Überleben und die Fortpflanzung. Sie allein aber werden dabei mit allzu menschlichen Moralvorstellungen gemessen, oft als verschlagen und hinterlistig gebrandmarkt.
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