So schwach ist der Dollar

So schwach ist der Dollar

Donald Trump hat sein „big beautiful“ Steuergesetz am Dienstag mit der knappestmöglichen Mehrheit durch den Senat bekommen. Amerikanische Staatsanleihen trugen es mit Fassung. Sie ahnen schon seit Wochen, was auf sie zukommt: Jede Menge mehr Emissionen neuer Schuld­titel, um die Steuersenkungen und Ausgabenfreude der amerikanischen Regierung weiter zu finanzieren. 4,3 Prozent Zins sind für zehn Jahre fällig. Das ist ganz ordentlich, verglichen mit den 2,6 Prozent, die für Deutschland derzeit fällig werden.

Es ist aber nicht die Rote Karte, die bisher „nur“ einige Eurostaaten im Jahr 2011 und die Kurzzeitregierung Truss in London 2022 gezeigt bekamen. Trump kam mit dem gelben Karton davon, den ihm die Märkte nach seinen ausgeuferten Zollüberlegungen zeigten, als die Marke von fünf Prozent Zins für Staatsschulden mit 30 Jahren Laufzeit im Frühjahr kurzzeitig übertroffen wurde.

Seither herrscht weitgehend Ruhe an den Anleihemärkten. Die Absetzbewegungen aus den USA wegen der verunsichernden Wirtschafts- und Finanzpolitik lassen sich vor allem noch am Dollar ablesen. Der fallende Trend ist intakt und führte dazu, dass erstmals seit knapp vier Jahren nun wieder mehr als 1,18 Dollar für einen Euro gezahlt werden mussten. Ein Vorteil für all jene, die trotz Einreiseungewissheiten in die USA fahren wollen. Und auch ein Vorteil für all jene US-Unternehmen, die viel ins Ausland exportieren. Die Exporte will Trump bekanntlich steigern und die Importe senken, weswegen ihm ein fallender Dollar ganz recht ist – auch wenn ihm die Worte Trump und Schwäche in einem Satz meist nicht gut gefallen.

Selbst die Währungen in Kanada und Mexiko gewinnen

Dass es sich um eine Dollarschwäche und weniger um eine Eurostärke handelt, lässt sich gut am Dollarindex ablesen. Der wird gebildet in Relation zu einem Währungskorb aus den sechs nächstwichtigen frei handelbaren Währungen, insbesondere dem Euro. Der Euro gehört mit einem Plus von 13,6 Prozent seit Jahresbeginn zu den größten Profiteuren der Dollarschwäche. Noch stärker schnitten nur die schwedische Krone (plus 16,4 Prozent) und der Schweizer Franken (plus 14,5 Prozent) ab. Das britische Pfund gewann 9,5 Prozent zum Dollar, der Yen 9,2 Prozent und selbst der kanadische Dollar aus dem von Trump wirtschaftlich besonders unter Druck gesetzten Nachbarland im Norden legte 5,4 Prozent zu. Der mexikanische Peso gewann sogar 11,2 Prozent, der südafrikanische Rand 6,7 Prozent und der brasilianische Real 13,2 Prozent.

Aus Euroanlegersicht hat die Dollarschwäche erhebliche Auswirkungen. Sie lassen sich zum Beispiel am MSCI World gut veranschaulichen. Der von US-Aktien geprägte Index ist im Jahresverlauf zwar nicht wie der Dax um knapp zwanzig Prozent gestiegen, aber immerhin nach einer fiesen Schwäche bis April unterm Strich im ersten Halbjahr um 8,5 Prozent. Aus Euroanlegersicht bleibt aber wegen der Dollarschwäche ein Minus von 4,7 Prozent.

Wichtiger als der Blick auf die Währung sollte in der Aktienauswahl immer die Analyse der Gewinnerwartungen sein. Und hier herrscht für die US-Werte noch immer Optimismus, wenn auch, verglichen mit vor einem Jahr, in deutlich gedämpfter Form.

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