„Sogar Lady Gaga war mal hier“

„Sogar Lady Gaga war mal hier“

Wer Peter König nicht kennt, würde ihn in die Schublade „Designer“ sortieren. Zur dicken, schwarz umrandeten Brille trägt er einen langen, weißen Kinnbart, Tattoos an Hals und Unterarm, eine schwarze, weite Plisseehose und auch ansonsten nur Schwarz. Nur wenn es runter in den Kühlraum geht, schlingt er sich ein modisches helles Tuch um den Hals. In den Kühlraum muss er ab und zu, denn Peter König ist kein Künstler, jedenfalls kein herkömmlicher, auch wenn er ein Faible für Design hat. Vielmehr ist er gelernter Koch und Brauer und in vierter Generation Inhaber und Geschäftsführer einer der letzten fünf Altbier-Hausbrauereien in der Düsseldorfer Altstadt: der Brauerei „Im Füchschen“ mit angeschlossener Gastronomie.

Bekannt ist Königs Bier weit über Düsseldorf hinaus, obgleich der Vertriebsradius nicht eben groß ist. Nach Süden ist Schluss am „Altbieräquator“ bei Dormagen, dahinter, im Kölner Einzugsgebiet, wird das satt dunkelbraune obergärige Alt nicht verkauft. Nach Norden hin liefert König sein Bier bis ins Münsterland, aber kaum über Nordrhein-Westfalen hinaus. Auch anderswo in Deutschland findet man Füchschen Alt selten, aber Kultstatus hat das Bier dennoch – und zwar so sehr, dass sogar ein Kneipier auf Mallorca es ausschenkt, wie König stolz berichtet. Auch Künstler wie Gustav Gründgens, Joseph Beuys und Udo Jürgens sollen angeblich einst im „Füchschen“ eingekehrt sein. „Sogar Lady Gaga war mal hier“, verrät König.

„Eine etwas unrühmliche Geschichte“

Wie lange genau es das Füchschen Alt gibt, ist nicht ganz klar. Schon im Jahr 1640 soll auf der Ratinger Straße in Düsseldorf an der Stelle der heutigen Brauerei Altbier ausgeschenkt worden sein. Offiziell trägt das „Füchschen“ seit dem Jahr 1848 diesen Namen. In der Hand der Familie König ist die Brauerei seit 1908, als Theodor und Louise König, Peter Königs Urgroßeltern, das Unternehmen kauften. Bis 1994 führte seine Großmutter Johanna König den Betrieb. Als Kind habe er viel in der Brauerei herumgehangen, zu der auch eine Kneipe mit Restaurant gehört. „Da habe ich nach der Schule öfter mal Gläser unter den Zapfhahn geschoben. Aber abends musste ich dann immer irgendwann gehen, denn das ging ja nicht – ein Kind hinter der Theke“, erzählt er. Einmal habe er einen Schulaufsatz geschrieben mit dem Titel „Karneval tanzen bei uns die Weiber auf dem Tisch“. Der Schuldirektor habe den „gern gelesen“, erinnert er sich. Jahrzehnte später, im Jahr 2011, wurde Peter König dann selbst Karnevalsprinz im Düsseldorfer Rosenmontagszug.

Die Gaststätte der Düsseldorfer Brauerei „Im Füchschen“ –  mit dem  sogenannten Beichtstuhl als Attraktion.
Die Gaststätte der Düsseldorfer Brauerei „Im Füchschen“ – mit dem sogenannten Beichtstuhl als Attraktion.Frank Röth

Mit seiner Oma sei er „sehr eng“ gewesen, sagt Peter König, „sie war streng zur Familie und nett zu den Mitarbeitern. Zu ihrem Geburtstag hat mal die ganze Belegschaft für sie gesungen“, erzählt er. „Damals hab ich mir gedacht: Wenn sie das eines Tages für dich tun, dann hast du als Chef einiges richtig gemacht.“ Nachdem seine Großmutter altersbedingt die Geschäfte abgegeben hatte, leitete zunächst Peter Königs Vater das Unternehmen – allerdings nur für rund ein Jahr. Dann sei herausgekommen, dass sein Vater „das Finanzamt und die Oma betuppt hat“. Soll heißen: „Er hat mit Fasspfand betrogen.“ Als die Mauscheleien herauskamen, habe er seinen Vater vor die Tür gesetzt, sagt Peter König. „Eine etwas unrühmliche Geschichte.“

Ein wenig Provokation darf sein

In Königs eigener Geschichte ist auch nicht alles rühmlich. 2019 musste sich der heute 58-Jährige, der mit einem Mann verheiratet ist, mit Sexismus-Vorwürfen wegen eines Werbeplakats auseinandersetzen. Seit 2012 entwirft der Hamburger Illustrator Kai Klimiont für die Brauerei immer wieder Werbebotschaften mit einem niedlichen, stark vermenschlichten Fuchs und einem meist zweideutigen Spruch. 2019 war das Werbemotiv den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Düsseldorf eine Spur zu weit gegangen. Auf dem fraglichen Plakat hatte eine Fuchsdame mit gespreizten Beinen auf einem Grillrost geschaukelt, darunter der Text: „Medium rare oder richtig durch nehmen? Ein Füchschen stößt keiner von der Grillkante.“ Das wurde in Düsseldorf zum Skandal, sorgte aber nebenher dafür, dass die Brauerei noch mehr Bekanntheit erhielt.

Flotte Werbemotive mit vermenschlichten Füchsen gibt es noch immer, doch heute „achten wir darauf, dass wir nicht zu sexistisch sind“, sagt König. „Vor 15 Jahren haben die Leute sich totgelacht, heute stoßen sie sich daran.“ An der Grenze bewegen sich die Botschaften aber weiterhin. Auf dem neuesten Radler-Etikett fährt eine Fuchsdame mit ausladendem Dekolleté und im engen Sommerkleid Fahrrad. Am Lenker hängt ein mit Zitrusfrüchten gefüllter Fahrradkorb. Der Spruch: „Pralles Körbchen“.

Bekanntheit und ein bisschen „frech“ zu sein, das hält Peter König für nötig in diesen Zeiten. Denn der Bierkonsum der Deutschen sinkt seit Jahren. Nach Angaben des Verbands der Privaten Brauereien lag der Bierabsatz hierzulande 2024 bei rund 82,6 Millionen Hektolitern, während es 2018, vor der Corona-Pandemie, noch rund 94 Millionen Hektoliter waren. Auch für die Füchschen-Brauerei geht es seit Corona bergab. Vor der Pandemie habe die Brauerei rund 42.000 Hektoliter Bier im Jahr ausgestoßen. Jetzt seien es rund 33.500 Hektoliter.

Profitabel sei das Unternehmen aber nach wie vor, sagt Peter König. „Weil wir versuchen, mit Veränderungen standzuhalten.“ Die Menschen tränken immer weniger Alkohol. Fast jedes zehnte in Deutschland hergestellte Bier sei mittlerweile alkoholfrei. „Der Trend geht dahin, und wir können das auch bedienen.“

Entnahme einer  Maischeprobe in der Brauerei
Entnahme einer Maischeprobe in der BrauereiFrank Röth

Im Gegensatz zu den längst von großen Konzernen aufgekauften Altbier-Platzhirschen Frankenheim und Diebels, die kein alkoholfreies Alt herstellen, gibt es das im „Füchschen“ schon seit mehr als acht Jahren. König hat vor Kurzem noch einmal nachgelegt und zusätzlich ein kastanienrotes, alkoholfreies Altbier-Radler herausgebracht. Es enthält Yuzu-Limo, aus einer asiatischen Kreuzung von Mandarine und Zitrone sowie Zitronengras als Gewürz. „Das schlägt gerade ein wie eine Bombe“, sagt König.

Entlastung durch Technik

Modern sein möchte er auch, wenn es um die Art des Arbeitens in seiner Brauerei geht. Dafür sorgt schon die erst 29 Jahre alte Lena Backes, die erste weibliche Braumeisterin einer Düsseldorfer Hausbrauerei. Würzen, Proben nehmen – all das machen sie und ihr Team noch von Hand, ansonsten aber ist vieles hoch automatisiert. Besonders stolz ist König auf seinen Roboter, der in der Fassabfüllung zum Einsatz kommt. Mehr als 50.000 Euro hat er gerade in das übermannsgroße, pechschwarze Metallgerät mit dem langen Hebearm investiert, weil der Vorgänger zu alt geworden war. „Ich möchte, dass die Mitarbeiter entlastet werden, dass sie sich nicht so bücken und nicht so schwer heben müssen“, sagt König. Solche Roboter gebe es sonst nur in Großbrauereien. Mit dem Fachkräftemangel jedenfalls habe er keine übermäßigen Probleme.

Und haben seine Fachkräfte nun schon einmal zu seinem Geburtstag gesungen, wie damals für die Oma? „Nein, ich habe am 2. Januar Geburtstag, da sind die noch zu fertig von Silvester“, scherzt er. Und bemerkt nebenher, dass er stolz ist auf etwas, das Gewerkschafter wohl eher für eine zweifelhafte Errungenschaft halten würden: „Ich habe es geschafft, noch keinen Betriebsrat zu haben. Also glaube ich, so schlecht kann es hier nicht sein.“

Das Unternehmen

Die Brauerei und Wirtschaft „Im Füchschen“ Peter König e. K. hatte nach eigenen Angaben zuletzt einen jährlichen Bierausstoß von rund 33.500 Hektolitern. Vor der Pandemie lag er bei 42.000 Hektolitern im Jahr. Umsatzzahlen veröffentlicht das Familienunternehmen nicht. Zuletzt hat es sein Sortiment diversifiziert. So bietet das „Füchschen“ mitt­­lerweile auch alkoholfreies Altbier, alkoholfreies Radler und sogar Pils an. Klassisches Altbier macht jedoch laut Inhaber Peter König weiterhin rund 90 Prozent des Umsatzes aus.

Der Unternehmer

Peter König ist 58 Jahre alt. Seine berufliche  Laufbahn begann der gelernte Koch in einem Heilbronner Hotel, später arbeitete  er zwei Jahre lang als stellvertretender Verpflegungswart bei der Bundeswehr in Overath. Im Anschluss machte er eine Brauerlehre und übernahm im Jahr 1995  den elterlichen Betrieb in Düsseldorf. Peter König ist verheiratet mit Stephan Torge-König, einem Flugbegleiter,  und hat keine Kinder. Wer  das „Füchschen“ später einmal übernehmen soll, ist nach seinen Angaben noch offen.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert