Sprachen weltweit ähneln sich in der Grammatik

Sprachen weltweit ähneln sich in der Grammatik

Obwohl es weltweit verschiedenste Sprachen gibt, hat ihre Grammatik oft ähnliche Strukturen, wie eine neue Analyse von über 2.000 Sprachen ergeben hat. Demnach gibt es 60 grammatikalische Muster, die in allen Sprachen auftreten. Zu diesen Sprachuniversalien zählen beispielsweise Strukturen wie Wortreihenfolgen. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die menschliche Kommunikation trotz ihrer Vielfalt zumindest in Grundsätzen denselben Regeln folgt, um ein gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen.

Weltweit gibt es rund 7.000 Sprachen, die alle ihre eigenen Klänge, Rhythmen und Wörter haben. Sie folgen jedoch auch bestimmten Regeln und Mustern. Aber wie stark ähneln sich diese Muster und wie ähnlich sind sich insbesondere die grammatikalischen Eigenschaften der Sprachen? Das hat ein Team um Annemarie Verkerk von der Universität des Saarlandes untersucht. Dafür griffen sie auf eine Datenbank zurück, in der über hundert Sprachwissenschaftler die Merkmale von mehr als 2.400 Sprachen aus der ganzen Welt zusammengetragen und dokumentiert haben.

Grundlegende Gemeinsamkeiten der menschlichen Kommunikation

Das Team um Verkerk hat in dieser riesigen Stichprobe nach gemeinsamen Strukturen und Mustern gesucht. Konkret verglichen sie 191 grammatikalische Muster, die sogenannten Sprachuniversalien. „Wir haben mehrere sehr komplexe statistische Verfahren auf diese Datenbank angewendet, um herauszufinden, wo die vorher als Hypothese definierten Sprachuniversalien als Muster zu erkennen sind“, erklärt Verkerk. Als Beispiel für solche Universalien nennen die Forschenden die Wortreihenfolge, also etwa, wo Verben und Objekte in einem Satz stehen. Im Deutschen stehen Objekte beispielsweise meist nach dem Verb, im Japanischen ist es umgekehrt und das Verb steht sogar am Ende des Satzes. Damit einher geht auch die Reihenfolge von Adposition und Nomen: Wo es im Deutschen Präpositionen vor einem Substantiv gibt, folgen solche Wörter im Japanischen als Postpositionen nach einem Nomen. „Bei diesen Sprachuniversalien konnten wir mithilfe der Bayes’sche Statistik herausfinden, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie als grammatikalische Muster in den verschiedenen Sprachen zu erkennen sind“, erklärt die Linguistin.

Das Ergebnis: Etwa ein Drittel, konkret 60 der 191 grammatikalischen Muster fand das Team in allen untersuchten Sprachen. Diese Universalien sind demnach in allen Sprachen als wiederkehrende Muster zu finden. Das heißt, dass viele Sprachen auf einer ähnlichen Grammatik beruhen. Im Umkehrschluss bedeutet der Befund aber auch, dass sich die meisten aufgestellten Sprachtheorien als falsch erwiesen: „Viele vorgeschlagene Universalien sind Artefakte der Nichtunabhängigkeit von Merkmalen zwischen eng verwandten oder benachbarten Sprachen“, schreibt das Team.

Über diese Nachbarschaftseffekte hinaus gibt es aber eben auch bemerkenswerte globale Muster, wie die Analyse erstmals statistisch belastbar belegt. „Dies macht deutlich, dass die Evolution von Sprachen nicht zufällig verläuft“, sagt Verkerk. Sie und ihre Kollegen vermuten, dass es fest verankerte Strukturen gibt, nach denen Menschen ihre Kommunikation organisieren, weil diese sich als beste Lösung für den menschlichen Dialog und das gegenseitige Verständnis erwiesen haben. „Wir konnten zeigen, dass Sprachen aufgrund gemeinsamer kognitiver und kommunikativer Bedingungen zu einer begrenzten Anzahl bevorzugter grammatikalischer Lösungen tendieren“, sagt Seniorautor Russell Gray vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Zeitliche Entwicklung noch unklar

In Folgestudien will das Team den Wandel der einzelnen Sprachen im Laufe der Zeit noch weiter analysieren, um Gemeinsamkeiten und parallele Entwicklungen besser zu verstehen. „Wir sollten auch berücksichtigen, wie sich die Sprachen im Laufe der Evolution verändert haben und welche sozialen, ökologischen und demografischen Ereignisse und Situationen sich auf die Sprachentwicklung auswirkten“, so Verkerk. Dafür wollen sie ebenfalls auf große Datensätze zurückgreifen, um klare statistische Aussagen treffen zu können und nicht auf Nachbarschaftseffekte hereinzufallen.

Quelle: Annemarie Verkerk (Universität des Saarlandes) et al.; Nature Human Behaviour, doi: 10.1038/s41562-025-02325-z und doi: 10.1038/s41562-025-02355-7

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