Sprinter wittern Chance auf Tagessieg bei Etappe

Sprinter wittern Chance auf Tagessieg bei Etappe

Wer es zur Tour de France schafft, hat gelitten. Pflaster kleben an etlichen Fahrern schon, bevor das Rennen überhaupt begonnen hat. Und alle, die gerade keine Wunden versorgen müssen, haben vernarbte Knie und Ellbogen, die sie daran erinnern, wie hart dieser Sport ist. Jeder Sturz hinterlässt tiefe Spuren auf der Haut – und im Kopf. Vor allem bei den Sprintern, die bei Tempo 65 wie die Wilden nur wenige Zentimeter voneinander entfernt um den Sieg rasen.

Dementsprechend glücklich ist der Deutsche Pascal Ackermann, dass er bei der Tour „endlich mal ohne Pflaster“ unterwegs ist: „Das hatte ich dieses Jahr noch bei keinem Rennen“, sagt der Radprofi, der auch in diesem Jahr mit Zuversicht seinen ersten Etappensieg beim wichtigsten Rennen des Jahres jagt: „Die Beine sind ganz gut. Das habe ich heute auch wieder gemerkt“, lautete sein Urteil nach der schweren sechsten Etappe am Donnerstag. „Jetzt muss einfach das Glück passen, dann können wir auch über einen Sieg sprechen.“

Sprint beginnt nicht kurz vor der Ziellinie

Etwas Dusel braucht es wohl in diesem Jahr schon, um am Ende einer flachen Etappe ganz vorn zu landen, obwohl mit Jasper Philipsen der Dominator der vergangenen Jahre nach einem Sturz schon ausgeschieden ist. Das liegt an Jonathan Milan und Tim Merlier, den derzeit Schnellsten unter den Schnellen, und an Biniam Girmay, der im vergangenen Jahr das Grüne Trikot gewann.

Milan, ein 24 Jahre alter Italiener vom Team Lidl-Trek, wird von einem kompletten Sprintzug in Frankreich unterstützt. Merlier, ein 32 Jahre alter Belgier, startet für das Team Soudal Quick-Step, das vor allem für Kapitän Remco Evenepoel zusammengestellt ist, weshalb Merlier in den Finals meist auf sich allein gestellt den Weg dorthin sucht, wo jeder sein möchte: am Hinterrad von Milan.

Ein Sprint beginnt nicht erst kurz vor der Ziellinie, sondern schon viele Kilometer davor. Sukzessive wird das Tempo erhöht von Teams, die gewinnen wollen. Dann beginnen die Positionskämpfe. Nach und nach fallen Anfahrer zurück, die ihre Arbeit geleistet haben. Und ganz zum Schluss geht es ums Hinterrad von Milan, wo zuletzt Merlier landete, weil sich kaum jemand besser durch das Chaos auf der Zielgeraden manövrieren kann als er. Bleibt da noch Raum für die Deutschen?

Phil Bauhaus klang nach seinem dritten Platz auf der dritten Etappe eher so, als wäre viel mehr nicht drin. „Die anderen zwei vor mir sind schon ein bisschen besser“, sagte er über Milan und Merlier, der kurz vor Schluss an seinem ärgsten Konkurrenten vorbeigezogen war und mit wenigen Zentimetern Vorsprung die dritte Etappe gewonnen hatte.

DSGVO Platzhalter

Doch Ackermann wittert seine Chance, ist zumindest bereit für den großen Kampf. Das passt zu einem, der länger als die meisten Radprofis auf eine Tour-Teilnahme warten musste. Ackermann hat Etappen bei den großen Rundfahrten in Italien und Spanien gewonnen. Doch in seinen besten Jahren nahm ihn sein Rennstall Bora-hansgrohe nie mit zur Tour.

Der inzwischen Einunddreißigjährige wechselte deshalb 2022 zum UAE Team Emirates, für das er zwei Jahre lang fuhr. Erstmals zur Tour ging es erst im vergangenen Jahr für das Team Israel-Premier Tech. Dreimal Dritter wurde er. Diesmal hat er mehr Helfer zur Verfügung. Doch bei den ersten beiden Chancen war der Deutsche jeweils in keiner guten Position. Ackermann bewies zwar einen starken Antritt, musste aber zweimal zu früh all in gehen.

Der Druck, eine Etappe zu gewinnen, wird nun größer auf alle Teams, die einen schnellen Mann dabeihaben. An diesem Wochenende sind noch mal zwei flachere Etappen. Danach gibt es noch eine am Mittwoch und eine in der dritten Woche. Wie hängt man dort die Besten ab? „Wenn Merlier oder Milan als Einzige beim Rennen stehen, ist es etwas ganz anderes, als wenn beide bei einem Rennen starten. Die belauern sich, jeder guckt auf den anderen“, sagt Ackermann: „Das ist unsere Chance vorbeizufahren.“

Gelingt ihm das, kann er in den eigenen vier Wänden Platz schaffen: „Jeder Fahrer, der bei uns eine Etappe gewinnt, darf das Rad mit nach Hause nehmen.“ Eine Hightechmaschine, die weit mehr als 10.000 Euro kostet, wäre ein schöner Bonus. Aber auch nicht mehr. Ackermann geht es um etwas anderes: Er will endlich seine erste Etappe bei der Tour de France gewinnen.

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