Stadt Offenbach schafft Amt für Digitalisierung

Stadt Offenbach schafft Amt für Digitalisierung

Digitalisierung ist nicht nur eine Frage von Kabeln und Computern, sondern auch eine der Organisation. Das gilt natürlich ebenso in Offenbach, wo nun ein eigenständiges Digitalamt aufgebaut werden soll. Darüber haben Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) und Peter Walther, Chef der Stadtwerke Offenbach, informiert. Denn das neue Amt soll sich nicht nur um die Verwaltung kümmern, sondern alle städtischen Institutionen und Gesellschaften erfassen: „Eine Stadt, eine IT“, sagte Schwenke. Dem Bürger sei es egal, ob eine Aufgabe von der Verwaltung, den Stadtwerken oder der städtischen Wohnungsbaugesellschaft erledigt werde. Hauptsache, es gibt künftig eine einheitliche Anlaufstelle.

Aufgebaut werden soll das neue Amt laut Oberbürgermeister, ohne zusätzliche Stellen zu schaffen. Da stoße Offenbach sowohl finanziell als auch bei der Suche nach den raren Fachkräften an Grenzen. Also soll das Team in der „Stadt mit den niedrigsten Personalkosten pro Bürger“ aus dem Bestand geformt werden.  Zumal die Verwaltung in diesem Thema nicht von null beginnen muss: Es gibt schon eine Stabsstelle Digitalisierung, die Schwenke vor fünf Jahren einrichten ließ, und die IT-Abteilung des Hauptamts. Letzteres soll so umstrukturiert werden, dass es zum Amt für Digitalisierung, IT, Datenmanagement und Organisation wird.

Elektronischer Stadtplan für alle Behörden

Dort sollen alle Aufgaben der Digitalisierung zusammengeführt werden. Das reicht von der Sicherheit der städtischen Netzwerke bis hin zum Aufbau gemeinsam nutzbarer Datenbestände. Walther nennt Karten und Pläne als ein Beispiel. So pflegen verschiedene Behörden eigene Kartenwerke in ihren Systemen: „Es wäre schön, wenn alle die gleichen Daten haben und Änderungen sehen können“, wenn also zum Beispiel die Baubehörden sofort wissen könnten, wenn vom Stadtservice der Stadtwerke ein neuer Baum gepflanzt werde. Also sei zu klären, wie die bestehenden und funktionierenden Systeme Datensätze an andere übergeben könnten. In einem weiteren Schritt lasse sich zum Beispiel abstimmen, dass Erdarbeiten von Stadtwerken und dem Netzbetreiber ENO in einem Schwung erledigt werden. Walther sieht auch Beispiele, wo Software standardisiert werden könne, etwa für das Bürger-Helpdesk.

Schon jetzt bietet Offenbach 122 Dienstleistungen digital an, weitere 107 sind aktuell in Arbeit. Das reicht vom Abfallkalender bis hin zum Mieterportal, von vergleichsweise simpel zu bearbeitenden Bescheinigungen bis hin zu aufwendigeren Aufgaben wie etwa dem Mängelmelder. In dem können zum Beispiel wilde Müllablagerungen angezeigt werden, die dann innerhalb von zwei Tagen beseitigt werden.

Aber da gibt es auch das Potential zu Verbesserungen, das gehoben werden soll. Zum Beispiel bei der Suche nach den Verursachern: Bisher rücken Mitarbeiter des Ordnungsamts in der Hoffnung aus, im Müll Hinweise wie zum Beispiel Briefe oder Ähnliches zu finden. Das aber lasse sich mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) beschleunigen, die zum Beispiel das Foto des Abfalls analysiert und vorschlägt, ob eine weitere Suche angebracht ist oder der Müll direkt entsorgt werden soll. Im Ergebnis fahren laut Walther „die Mitarbeiter weniger sinnlos durch die Stadt“. Am Ende aber, sagt Schwenke, werde auch künftig ein Mensch die Entscheidung fällen.

KI soll an vielen weiteren Punkten helfen. Zum Beispiel können Anträge auf Wohngeld auf ihre Vollständigkeit geprüft und Schreiben übersetzt werden. Grundsätzlich gehe es darum, so schildert es der Oberbürgermeister, die Mitarbeiter von Routineaufgaben zu entlasten, sodass ihnen mehr Raum für  kompliziertere Aufgaben und Anliegen bleibe. Laut Schwenke werden die Neuerungen mit den Beschäftigten abgestimmt, aber das Ziel der Digitalisierung stehe in der Stadt nicht zur Debatte.

Die Nutzung der KI birgt weitere Potentiale: Sie könnte zum Beispiel die Daten zur Passantenfrequenz in der Innenstadt, die in Offenbach wie auch anderen Großstädten mit Sensoren gemessen wird, so interpretieren, dass später einmal autonom fahrende Busse nach Bedarf geleitet werden könnten. Oder es ließe sich ein „Traum“ des Oberbürgermeisters erfüllen: „Die Mülltonne wird dann abgeholt, wenn sie voll ist“ – woran auch die fälligen Gebühren bemessen werden.

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