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Wer Angst vorm Arzt hat, der meidet die Praxis oft aus der Erwägung heraus: Wenn er mich untersucht, dann findet er auch etwas. Das ist zwar irrational, aber ein Fünkchen Wahrheit ist doch dran: Es gibt wohl keinen vollends gesunden Körper. Genauso wenig gibt es wohl ein intaktes Gebäude. Wer einen Altbau bewohnt und genau inspiziert, der findet jedes Mal einen Schaden oder eine Schwachstelle. Etwas zu reparieren gibt es immer. Sollte man darum aber auch, ohne offenkundigen Anlass, das Mauerwerk öffnen und Rohre, Leitungen oder die Betonqualität untersuchen, nur weil man vermutet, dass etwas kaputt sein könnte?
In seinem Privathaus würde das sicherlich niemand machen. Und doch wünschen sich viele Eltern, dass in den Schulen, die ihre Kinder besuchen, so verfahren wird. Denn ihnen ist mulmig zumute. In Frankfurt häufen sich nämlich die Fälle, dass Schulen geräumt werden müssen, weil die Zwischendecken nicht stabil genug sind.
Auszug von heute auf morgen
Aktuelles Beispiel ist die IGS Süd, die Hals über Kopf ihr Gebäude verlassen musste, weil der Altbau aus dem Jahr 1907 nicht mehr als sicher galt. Das Gebäude, das fast 120 Jahre lang als Schule genutzt wurde, hat eine derart schlechte Betonqualität, dass die Decken über den Klassenzimmern die für Schulen geltenden Grenzwerte nicht erfüllen. Aufgefallen ist das nur, weil anlässlich eines ohnehin anstehenden Umbaus die Decken probeweise geöffnet wurden. Der Beton erwies sich als so porös, dass die Schule gesperrt werden musste. Die IGS Süd musste raus, die Zwischendecken müssen erneuert werden.
Viele Eltern macht das nachdenklich. Sie fragen sich: Sollte man nicht vorsichtshalber alle Schulen inspizieren, die ein ähnliches Alter haben? Die Stadt versichert, dass dies ohnehin schon geschehe. Und Fachleute sagen: Die schlechte Bauqualität der IGS Süd sei ein individuelles Problem und gelte keineswegs pauschal für alle Gebäude der Gründerzeit, denn deren Bauweise unterlag großen Schwankungen. Die Haltbarkeit der Betondecken nehme auch nicht mit fortschreitender Nutzungsdauer ab, sofern sie trocken geblieben sind. Die Ermüdung des Materials sei ebenfalls zu vernachlässigen, weil Schulgebäude keiner großen Belastung ausgesetzt sind.
Insofern gilt also vorsichtige Entwarnung. Panik ist kein guter Ratgeber. Allerdings sollte die Stadt transparent darüber informieren, in welchem Rhythmus und in welcher Form die einzelnen Schulen kontrolliert werden, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und abzuwenden. Das stärkt das Vertrauen der Eltern.
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