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Auf einem Karstplateau an der Grenze von Slowenien und Italien haben Forschende Hinweise auf großflächige Steinzeit-Bauten gefunden, die einst als Jagdfallen dienten. Die prähistorischen Jagdanlagen wurden wahrscheinlich schon in der Steinzeit dort errichtet, um Herden von Wildtieren in die Enge zu treiben. Es könnte sich um die westlichsten Jagdfallen dieser Art und Zeit handeln. Wie sahen sie aus und wie funktionierten sie?
Im prähistorischen Europa waren die Menschen noch versierte Jäger. Sie ernährten sich unter anderem von selbst erlegten Tieren und entwickelten dafür ausgefeilte Jagdwaffen und Jagdtechniken. Aus Knochenfunden und Felsmalereien bekannt ist, dass sie dabei auch im Team jagten und zusammen Herden von Bisons, Pferden, Elchen oder Rentieren vor sich hertrieben. Dabei machten sie sich den natürlichen Verlauf von Felsen und Klippen zunutze. Ob und ab wann sie dafür aber auch gezielt Fallen bauten, war bislang unklar.
Aufschluss darüber gibt nun ein neuer Fund von Archäologen. Dimitrij Mlekuž Vrhovnik von der Universität Ljubljana und Tomaž Fabec vom Institut zum Schutz des kulturellen Erbes Sloweniens haben mithilfe von Laserscanning die Karstlandschaft in Slowenien und Italien – im Hinterland der Adria am Golf von Triest – aus der Luft vermessen und dort nach unnatürlichen, menschengemachten Strukturen gesucht, die einst für die Jagd errichtet worden sein könnten.

Monumentale Jagdanlagen
Dabei stießen sie auf die Überreste von vier monumentalen Anlagen, von denen die größte sich über mehrere Kilometer erstreckte. Die Bauten bestanden aus massiven Trockenmauern aus örtlichem Kalkstein, die etwa 1,50 bis zwei Meter breit, aber nur etwa 50 Zentimeter hoch waren. Diese niedrigen Wände waren hunderte Meter lang und verliefen über die Pässe und Sättel der Hügelkette. Dabei liefen die Mauern trichterförmig aufeinander zu und endeten an einer natürlichen Klippe oder künstlichen Grube, wie die beiden Forscher berichten. Am Ende der Strukturen befand sich demnach etwa eine steinerne Umzäunung, ein Felsvorsprung einer Doline oder eine Felswand, die eine etwa 25 Quadratmeter große Grube oder vertiefte Fläche umrahmten.
Diese Mauern haben prähistorische Menschen wahrscheinlich genutzt, um Beutetiere in eine Richtung zu leiten, sie in die Enge zu treiben und an der Kante oder Grube entweder einzufangen oder zu erlegen, wie die Archäologen erklären. So konnten die Jäger einzelne Tiere oder ganze Herden von ihrem natürlichen Pfad umleiten. Darunter waren wahrscheinlich heimische Hirsche, Rehe, Wildschweine oder andere Huftiere.
Ähnliche Bauten gab es in der Jungsteinzeit auch in Südwestasien, im Nahen Osten, Arabien und Nordafrika, wie das Team mit Blick auf frühere Studien berichtet. Die in der kargen Wüstenlandschaft stehenden Überreste der Steinmauern sind dort oft noch gut auf Luftaufnahmen und Satellitenbildern erkennbar. Das belegt, dass die Nutzung solcher Anlagen einst weit verbreitet war. Die nun an der Adria entdeckten Jagdfallen könnten zu den westlichsten aller prähistorischen Jagdanalagen dieser Art gehören. Bisher waren solche Jagdanlagen nur aus Trockengebieten bekannt, wo Gazellen, Saiga und andere Wildtiere gejagt wurden. Die nun in Südeuropa entdeckten Mauern sind hingegen inzwischen überwuchert und standen ursprünglich in einer eher feuchten Landschaft, die phasenweise überflutet und durch Erosion stark verändert wurde.
Mauern aus der Steinzeit
Doch wann genau wurden diese Jagdfallen gebaut? Um das herauszufinden, gruben die Forschenden die Anlagen teilweise aus. Dabei fanden sie Holzkohlefragmente, eine Feuersteinklinge und gebrannten Ton. Diese Relikte stammen aus neueren Epochen, von der späten Bronzezeit bis in die römische Zeit, wie Radiokarbondatierungen ergaben. Vrhovnik und Fabec vermuten jedoch anhand der Sedimente und Fundstellen, dass diese Materialien erst dort abgelagert wurden, lange nachdem die Jagdfallen nicht mehr benutzt wurden und bereits erodiert und von der Natur zurückerobert waren. Die Fallen selbst wurden wahrscheinlich schon deutlich früher errichtet und verwendet – in der Jungsteinzeit oder in der Mittelsteinzeit, ähnlich wie die Steinbauten in den trockenen Weltregionen, vermuten die Archäologen.
Die Größe der Anlagen und ihre Platzierung in der Landschaft deuten darauf hin, dass es auch im prähistorischen Europa groß angelegte gemeinschaftliche Jagdstrategien gab. Denn damals hätte eine einzelne Person rund 5.000 Stunden gebraucht, um die komplexen Mauern an den strategisch günstigen Orten zu bauen. Das legt nahe, dass die steinzeitlichen Jäger sich bei dem schweißtreibenden Bau gut koordinierten und im Team arbeiteten, um später damit auch gemeinschaftlich zu jagen und sich so ihr Überleben zu sichern, so die Forschenden.
Quelle: Dimitrij Mlekuž Vrhovnik (Universität Ljubljana) et al.; Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2511908122
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