Inhaltsverzeichnis

Die gegenseitigen Dankesbekundungen zu Beginn des Treffens Wladimir Putins mit dem amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff in Sankt Petersburg waren vielsagend. Der russische Präsident äußerte nur diplomatische Floskeln: Er dankte für das Interesse Donald Trumps an „den Problemen einer Lösung der Krise in der Ukraine“ und für den „Beitrag“ der First Lady Melania Trump zur Lösung humanitärer Fragen.
Witkoff dagegen überschlug sich im Namen seines Präsidenten geradezu mit Dank für konkrete Wohltaten: die Freilassung eines 75 Jahre alten Amerikaners zeige, welche Bedeutung Putin menschlichen Fragen beimesse (dass der Amerikaner vier Jahre widerrechtlich in Russland in Haft saß, erwähnte Witkoff nicht); und die Entscheidung Putins, den Export von Diesel zu erlauben, ermögliche es, „das Leben und die Arbeitsbedingungen unserer Farmer und Lastwagenfahrer zu verbessern“.
Putin gibt sich als Wohltäter der Amerikaner
Putin verzog keine Miene, als er so zum Wohltäter erklärt wurde, und bot den Not leidenden Amerikanern gleich noch weitere russische Hilfe an. Man könne auch Dünger in großen Mengen liefern.
Der russische Präsident hat seit jeher einen ausgeprägten Sinn dafür, politische Begegnungen so zu inszenieren, dass sie ein symbolisches Machtgefälle zu seinen Gunsten zeigen. Der öffentliche Teil des Treffens mit Witkoff verlief ganz in diesem Sinne. Dass Donald Trump und seine Leute sich auf solche Spielchen einlassen, die das tatsächliche Verhältnis wirtschaftlicher und militärischer Stärke zwischen Russland und den USA auf den Kopf stellen, ist fatal.
Denn die Folgen sind nicht symbolisch, sondern real. Putin und seine Umgebung sind überzeugt, dass sie im Krieg gegen die Ukraine und in ihrem Kampf gegen den gesamten Westen erstens den längeren Atem haben und zweitens in der Lage sind, Amerikaner und Europäer gegeneinander auszuspielen. Alles, was die amerikanische Führung in den vergangenen Wochen getan hat, bestätigt sie in diesem Glauben.
Eine Waffenruhe oder gar ein Frieden in der Ukraine sind damit in noch größere Ferne gerückt. Der Kreml dürfte sich vielmehr zu einer weiteren Eskalation ermutigt sehen. Die „Wiederherstellung der Gerechtigkeit für die Russen“ finde „vor allem auf dem Schlachtfeld“ statt, hat Putins Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag gesagt.
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.