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Nur ein paar alte Knochen – und zum Glück kein neuer Fall: Diese Nachricht, die Mitte April aus dem südhessischen Gernsheim an das Landratsamt des Kreises Groß-Gerau gemeldet wurde, hat die Verantwortlichen schon sehr gefreut. Denn so bleibt nach zwei Jahren, in denen man sich mit allen erdenklichen Mitteln und Methoden gegen die Ausbreitung der kurz ASP genannten Afrikanischen Schweinepest gewehrt hat, zumindest die Hoffnung, dass in der Riedregion entlang des Rheins irgendwann doch wieder Normalität einziehen könnte. Vor allem in Wald und Feld, aber auch bei den wenigen noch verbliebenen Schweinezüchtern des Landkreises, die aktuell mit 55 Tieren in 14 Betrieben gerade mal ein Prozent des bis zum Sommer 2024 üblichen Mastviehbestandes in ihren Ställen stehen haben.
„Letzter ASP-Fall liegt ein Jahr zurück“
Angesichts solcher Zahlen wollte der Erste Kreisbeigeordnete, Adil Oyan (Die Grünen), am Mittwoch nicht allzu viel Optimismus versprühen, obwohl alle Beteiligten beim Kampf gegen die sich zeitweise auch in den Nachbarkreisen ausbreitende Tierseuche gut zusammengearbeitet und entsprechend viel erreicht hätten. Seit dem Auftreten der ersten Fälle im Juni 2024 seien fast 3500 tödlich erkrankte oder erlegte Tiere untersucht worden; und 644 Mal seien die Befunde positiv gewesen.
In den vergangenen zwölf Monaten kamen im Kreis Groß-Gerau lediglich vier ASP-Nachweise hinzu – dies ausnahmslos von schon länger irgendwo herumliegenden Wildschweinkadavern. Im Landratsamt hofft man nun darauf, von der zuständigen Europäischen Union möglichst bald offiziell zurückgestuft zu werden. Als „Pufferzone“ oder „Schutzzone 1“ würden für Jäger, Züchter, Händler und Landwirte künftig nicht mehr ganz so strenge Vorschriften gelten. Der letzte „richtige ASP-Fall“ aus Gernsheim liegt inzwischen fast ein Jahr zurück.

Vor allem das Aufstellen von durchgängigen Schutzzäunen, mit denen die Wanderbewegungen von Rotten unterbunden werden konnten, und der Abschuss des Schwarzwildes hätten dazu beigetragen, dass man die Lage in den Griff bekommen habe, lautet die Bilanz des Veterinäramts. Dabei dürfte die von Kreis und Land jeweils zur Hälfte übernommene und vergleichsweise hohe Prämie von derzeit 200 Euro pro getötetem Tier nach Ansicht von Klaus Velbecker von Hessen-Forst für Jäger durchaus ein zusätzlicher Ansporn sein.
Trotz allem verfolge man genau, wie sich die Fallzahlen in Nachbarkreisen wie Darmstadt-Dieburg und Bergstraße entwickelten, so Jennifer Rudka vom Veterinäramt. Denn es brauche nicht viel, damit die hochansteckende und fast immer tödlich verlaufende Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine befallen könne, wieder zurückkomme. Wie die Schweinepest vor zwei Jahren nach Hessen und in den Kreis Groß-Gerau gelangte, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Vermutlich seien es verunreinigte Speisereste gewesen, die das massenhafte und monatelange Tiersterben ausgelöst hätten, erklärte Veterinärärztin Katrin Stein. Als „Hauptverdächtige“ gelte eine womöglich aus Südosteuropa mitgebrachte Salami.
Drei Millionen Euro hat der Landkreis bisher ausgegeben, um die Seuche einzudämmen. Neben den Kosten für Zaunwartung und Abschussprämien schlugen laut Auflistung unter anderem regelmäßige Drohnenflüge und die Kadaver-Suche mit Hunden zu Buche. So sei eine Fläche von fast 300.000 Hektar überwacht worden.
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