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Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung fördert die Entwicklung von antibiotikaresistenten Bakterien. Solche Keime finden sich dann auch im Fleisch der Tiere und landen im Supermarkt, wie eine Stichproben-Analyse im Auftrag von Greenpeace ergeben hat. Dabei war die Hälfte der Geflügel- und gut ein Drittel der Schweinefleischprodukte mit mindestens einem Keim belastet, der resistent gegen ein oder mehrere Antibiotika war.
Um Nutztiere wie Kühe, Schweine und Hühner in der Massentierhaltung vor Krankheiten zu bewahren, werden diese oft vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Doch dieser präventive und häufige Einsatz der Antibiotika fördert bei den Krankheitserregern die Entwicklung von Resistenzen. So können in der Tierhaltung multiresistente Keime entstehen, gegen die die verfügbaren Medikamente unwirksam sind. Infektionskrankheiten sind dadurch immer schwerer oder gar nicht mehr behandelbar. In Deutschland sterben jährlich etwa 2400 Menschen an einer Infektion durch multiresistente Erreger, wie eine Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) 2018 ergab. Diese Keime bleiben aber nicht im Stall, sondern sind mitunter auch im Abwasser, in der Gülle und im Fleisch der Tiere zu finden.
Wie belastet ist Frischfleisch aus der Kühltheke?
Wie hoch die Belastung der Fleischprodukte ist, haben nun Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer Stichprobe getestet. Dafür kauften sie in vier Städten insgesamt 43 Frischfleisch-Packungen der Eigenmarken von großen Supermarktketten und ließen im Labor testen, welche antibiotikaresistenten Bakterien darin vorkommen. Unter den Proben waren je fünf Schweinefleisch- und zwei Geflügelfleischprodukte von Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl und Rewe sowie je drei Schweinefleisch- und eine Geflügelfleischprobe von Netto und Penny. Alle Proben stammten aus Kühltheken und -truhen zur Selbstbedienung, darunter beispielsweise Filets, Schnitzel, Gulasch und Bratwürste.
Das Ergebnis: „Von den 43 untersuchten Fleischproben waren 18 mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet“, berichtet Greenpeace. Bei Schweinfleisch betraf dies 39 Prozent der Proben (12 von 31), bei Hähnchenfleisch 50 Prozent (6 von 12). Insgesamt fand das Labor 20 verschiedene Bakterienstämme mit mindestens einem Resistenzgen gegen Antibiotika, darunter zwölf Stämme von Staphylococcus aureus (MRSA), sechs von Escherichia coli und zwei von Serratia fonticola. In den meisten belasteten Proben fand sich jeweils nur eine dieser Keimsorten, zwei Proben waren doppelt belastet.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL fand in seinem „Zoonosenmonitoring“ des Jahres 2023 zuletzt ebenfalls multiresistente Keime in Fleisch von Schweinen und Geflügel, aber etwas seltener als in der Stichprobe von Greenpeace. Frisches Schweinefleisch war laut BVL beispielsweise zu etwa 13 Prozent mit MRSA und zu fünf Prozent mit resistenten E.coli-Stämmen kontaminiert, frisches Hähnchenfleisch zu etwa fünf Prozent mit MRSA und zu 33 Prozent mit resistenten E.coli-Stämmen. Insgesamt stellte das BVL einen „abnehmenden Trend im Vorkommen“ von antibiotikaresistenten Keimen in Frischfleisch fest.
Trotz reduziertem Einsatz bleiben Antibiotika ein Problem
Laut dem Robert-Koch-Institut können die im Test gefundenen Erreger grundsätzlich über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden, wenngleich es auch andere Quellen für solche Keime gibt, vor allem Krankenhäuser. Wie stark die Tierhaltung zum Problem der nicht behandelbaren Infektionen durch antibiotikaresistente Keime bei Menschen beiträgt, sei aktuell unklar.
Nach Ansicht von Greenpeace bestätigen die Funde in der Stichprobe, dass Antibiotikaresistenzen ihren Ursprung nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im Tierstall haben. Zwar sei das Problem bekannt und es werde bereits gegengesteuert – heute werde weniger als ein Drittel der Antibiotika-Menge aus dem Jahr 2011 verwendet. „Auch wenn der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung im letzten Jahrzehnt deutlich zurückgegangen ist, so sind antibiotikaresistente Keime auf Schweine- und Geflügelfleisch weiterhin ein Problem“, so Greenpeace. Die Organisation fordert daher, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung gesetzlich strenger zu begrenzen. So sollen Antibiotika nicht mehr vorsorglich, sondern nur noch für kranke Tiere und spezielle Reserve-Antibiotika nur noch in der Humanmedizin genutzt werden. Von den Fleischherstellern und Supermärkten fordert Greenpeace zudem, kein Billigfleisch aus Massentierhaltung mehr zu produzieren oder zu bewerben. Das würde auch den Einsatz von Antibiotika weniger erforderlich machen.
Für Käufer bedeuten die Befunde vor allem, bei Lagerung und Verarbeitung des Fleisches weiterhin auf gute Küchenhygiene zu achten und das Fleisch immer gründlich durchzubraten oder zu -kochen, um die Keime abzutöten. Das gilt jedoch grundsätzlich für alle frischen Fleischwaren, nicht nur für solche von den untersuchten Supermärkten, um alle potenziell enthaltenen Krankheitserreger abzutöten – auch solche ohne Antibiotikaresistenz.
Quellen: Greenpeace e.V., Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL, Robert-Koch-Institut (RKI), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

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