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Bei der blutigen Niederschlagung eines Protests in der westafghanischen Stadt Herat ist mindestens eine Person erschossen worden. Das bestätigte am Mittwochabend die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA). Bei dem Todesopfer handele es sich um einen Jungen. Berichte über einen zweiten Toten würden noch geprüft. Zahlreiche andere Menschen seien durch Schlagstöcke verletzt worden. Die Demonstration fand bereits am Dienstag statt.
Seit der Machtübernahme der Taliban vor fast fünf Jahren dringen nur wenige Informationen aus dem Land. Ausländische Journalisten bekommen nur selten Visa. Afghanische Medien werden durch Festnahmen, Drohungen und Zensur gefügig gemacht. Auf Videos, die im Internet kursieren, sind einige Hundert Teilnehmer des Protestmarsches zu sehen, offenbar fast ausschließlich Männer. Zudem hört man Schüsse. Angesichts der Repressionen im Land sind solche Demonstrationen äußerst selten.
Frauen werden nach Festnahmen von der Gesellschaft stigmatisiert
Ausgelöst wurden die Proteste durch mehrere Festnahmen. Nach Angaben der UNAMA wurden am vergangenen Wochenende mindestens 30 Frauen von der Sittenpolizei wegen angeblicher Verstöße gegen islamische Kleiderregeln in Gewahrsam genommen. Dutzende weitere Frauen seien verwarnt worden. Zwar seien die Festgenommenen am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt worden, aber „die Auswirkungen solcher willkürlichen Festnahmen auf die Frauen und ihre Familien sind enorm“, schreibt die UNAMA.
Dahinter steht der Verdacht, dass Frauen im Gefängnis unsittlich berührt oder sexuell missbraucht werden könnten. Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder über Vergewaltigungen in afghanischen Gefängnissen. Ungeachtet dessen, ob das im Einzelfall zutrifft, werden afghanische Frauen nach einem Gefängnisaufenthalt in der Gesellschaft und oft auch in ihren Familien stigmatisiert. In der afghanischen Gesellschaft wächst zudem die Wut, dass die Taliban sich immer stärker in private Lebensbereiche einmischen.
Herat gilt im Vergleich zu anderen Teilen des Landes, auch wegen seiner Nähe zum moderneren Iran, als weniger konservativ. Die Taliban werden hier stärker als in manch anderen Landesteilen als Fremdherrscher betrachtet. Die Razzien der Sittenpolizei und die Demonstration fanden im Stadtteil Dschibril statt, wo vor allem Angehörige der schiitischen Minderheit der Hazara leben. Sie fühlen sich durch die sunnitischen Taliban besonders unterdrückt. Als die F.A.Z. Dschibril im vergangenen Jahr besuchte, gab es dort noch Untergrundschulen und verbotene Sportstätten für Mädchen, die von der Nachbarschaft unterstützt wurden.
Seit der Verabschiedung des sogenannten Tugendgesetzes vor zwei Jahren hat das sogenannte Tugendministerium und die ihm unterstellte Sittenpolizei die Durchsetzung von Verhaltens- und Kleiderregeln zunehmend verstärkt.
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