#Ein Hauch von Eddy Merckx
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„Ein Hauch von Eddy Merckx“
Covid? Vorbei und vergessen. Stattdessen belgischer Ballermann am Mont Ventoux. Am Abend des Tages, an dem die Tour de France ihre Fahrer zweimal über den Mont Ventoux geschickt hatte, standen im Zielort Malaucène drei so bedauernswerte wie ratlose Gendarmen auf dem Dorfplatz. Was tun mit dem ganzen Partyvolk? Sie ließen es gewähren.
Ein paar Meter entfernt war drei Stunden zuvor Wout van Aert als Erster über die Ziellinie gefahren. Der belgische Meister hatte die Monsteretappe der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt gewonnen, eine sogar für Tour-Verhältnisse außergewöhnliche Zumutung, die über 190 Kilometer und 4600 Höhenmeter führte.
Stolze Bergkönige abgehängt
Die Freudenfeier auf dem Dorfplatz stand im Zeichen von Schwarz-Gelb-Rot, den belgischen Nationalfarben. Die radsportverrückte Nation hat Malaucène und die Region rund um den Mont Ventoux schon vor Jahrzehnten adoptiert. Wer hier im Frühling oder Sommer mit seiner Rennmaschine vorbeischaut, fühlt sich bisweilen wie in einer belgischen Radprovinz, manche Unterkünfte wie die Résidence „Les Cyclistes“ haben belgische TV-Sender voreingestellt.
Nun hatte van Aert diese ungeheure Etappe also als Solist gewonnen, hatte die ganzen stolzen Bergkönige aus vielerlei Nationen einen nach dem anderen abgehängt. Kein Klettermaxe, der ihm folgen konnte. Grund zum Jubel also für seine Landsleute, von denen viele oben an den Hängen des Ventoux gecampt und schon hineingefeiert hatten in den Tag der Entscheidung, an dem ihnen van Aert, 26 Jahre alt, einen Herzenstraum erfüllte.
Gleich zweimal hinaufgekämpft: Wout van Aert bei der Fahrt auf den Mont Ventoux
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Bild: dpa
Er war der erste Belgier seit Eddy Merckx 1970, der eine Tour-Etappe gewann, die auf oder über den Gipfel des Mont Ventoux führte. Einen anderen Rennfahrer mit Merckx zu vergleichen, dem Größten in der Geschichte dieses Sports, verbietet sich. Doch am Mittwoch war am Fuße des Ventoux viel davon zu hören. Ist van Aert nicht einer wie er? Einer wie der große Eddy? So unfassbar vielseitig? So angriffslustig? Auf jedem Terrain ein Meister? War er nicht am Tag vor der Ventoux-Etappe noch Zweiter im Massensprint gewesen? War er nicht Cross-Weltmeister? Ist er nicht ein brillanter Zeitfahrer, ein abenteuerlich guter Abfahrer? Ist er nicht ein Alleskönner wie der große Meister?
All diese Fragen lassen sich mit Ja beantworten. Aber natürlich ist van Aert kein Merckx. Dessen Erfolge sind atemraubend: Fünf Mal gewann er die Tour de France und den Giro d’Italia. Er gewann 525 Straßenrennen und 98 auf der Bahn. Er gewann Weltmeisterschaften, Klassiker und Sechstagerennen, er gewann Sprints, Bergetappen und Einzelzeitfahren. Bei seiner ersten Tour de France gewann er die Gesamtwertung, holte sich sieben Etappen, gewann die Bergwertung und das Grüne Trikot des Punktbesten. Mehr geht nicht. Weil er das meiste gewann und alles gewinnen wollte, nannten sie ihn den Kannibalen.
Von einer solchen Erfolgsbilanz ist van Aert weit entfernt, und doch erinnert er die belgischen Fans an Eddy, den Großen. Van Aert, so hoffen sie, wird im Team Jumbo-Visma nach dieser Tour nicht mehr als Edelhelfer eingesetzt, diesmal fuhr er zunächst für Primoz Roglic und nach dessen verletzungsbedingtem Ausscheiden für den Dänen Jonas Vingegaard, den Dritten der Gesamtwertung.
Am Mont Ventoux gewährte ihm seine Teamführung einmal freie Fahrt, und das Ergebnis war für die Fans eines zum Träumen. Was könnte er alles gewinnen, sagen sie über ihren neuen Liebling, wenn er jeden Tag auf eigene Rechnung fahren dürfte. Sprint-, Berg- und Ausreißeretappen. Einfach alles. Und so schwebte an diesem belgischen Feiertag über dem Dorfplatz von Malaucène über einer Wolke aus Alkohol auch ein Hauch von Eddy Merckx.
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