„Tatort“ gestern am Sonntag: Explosive Abschiedsvorstellung eines genialen Schurken (Kritik)

„Tatort“ gestern am Sonntag: Explosive Abschiedsvorstellung eines genialen Schurken (Kritik)

An diesem Sonntag feuerte der „Tatort“ ein spektakulär diabolisches Feuerwerk ab, das voll und ganz auf seinen Star Lars Eidinger zugeschnitten ist. Ob sich auch sein dritter Auftritt als „stiller Gast“ lohnt, erfahrt ihr in Mareks Kritik zur Episode „Borowski und der gute Mensch“.

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Welche Kommissare ermittelten gestern im „Tatort: Borowski und der gute Mensch“?

Vor 14 Jahren traf der spröde Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) erstmals auf den Psychopathen Kai Korthals und der „Tatort“ war um eine seiner abgründigsten Figuren reicher. Autor Sascha Arango verzichtete darauf, die Identität des Serienmörders zu verschleiern und konzentrierte sich ganz und gar auf die perfiden Bosheiten des sogenannten stillen Gastes, der sich unbemerkt Zugang zu den intimsten Orten seiner Opfer verschaffte, zu denen schnell auch Borowskis damalige Kollegin Sarah Brandt zählen sollte.

Was folgte waren 90 Minuten Nervenkitzel, an deren Ende die Polizei als Verlierer vom Platz gehen musste. Dass dem Schurken die Flucht gelang, mag viele erschüttert haben, eröffnete dem Berliner Theater-Berserker Lars Eidinger allerdings die seltene Möglichkeit, als Antagonist zu Deutschlands beliebtester Krimi-Serie zurückzukehren.

Schon in der Fortsetzung verdichtete sich sein Auftritt zum Privatduell mit dem Kieler Kommissar, im dritten und letzten Teil aus dem Jahr 2021 stehen sich beide erneut gegenüber und verzichten auf jegliches Abtasten. Still ist Kai Korthals schon lange nicht mehr, was diesen „Tatort“ aus Schleswig-Holstein zu einem wilden Ritt macht, in dem sich sein Hauptdarsteller nach Herzenslust austoben darf.

Axel Milberg hat sich mittlerweile in die TV-Rente verabschiedet. Auf wen wir uns am Sonntagabend am meisten freuen, verrät euch das Video.

Worum geht es im „Tatort: Borowski und der gute Mensch“?

Sechs Jahre sind seit seiner zweiten Verhaftung vergangen, mittlerweile sitzt der als schuldunfähig klassifizierte Kai Korthals in der Psychiatrie ein. Während der Probe eines Theaterstücks kommt es in der Klinik zu einem Tumult, den der Frauenmörder geistesgegenwärtig zur wiederholten Flucht nutzt. Sein neuerliches Ziel ist die blinde Teresa, die ihn zuvor mit schriftlichen Liebesbekundungen überschüttet hat.

Doch während die Seelsorgerin das Gute in Kai Korthals erfühlt haben will, finden Klaus Borowski und seine Kollegin Mila Sahin die erste Frauenleiche. Wohl oder übel wird sich der Kieler Kommissar seinem größten Feind erneut stellen müssen.

Déjà vu an der Ostsee: Kai Korthals ist wieder einmal auf freiem Fuß. (© NDR / Thorsten Jander)

Mareks „Tatort“-Kritik: Vorhang frei für Lars Eidinger

Mit dem „Tatort: Borowski und das Haupt der Medusa“ endete die Ära von Kommissar Borowski im März diesen Jahres. In der aktuellen Sommerpause darf er sich aber noch einmal mit seinem größten Feind duellieren. „Borowski und der gute Mensch“ zählt zu seinen spektakulärsten Einsätzen und funktioniert auch als Wiederholung bestens.

Lars Eidinger darf die gesamte Klaviatur seiner Schauspielkunst bedienen, was diesen Kieler „Tatort“ zu einem explosiven, stellenweise völlig überzogenen aber immer mitreißenden Psychothriller macht, in dem die Regeln eines profanen Sonntagabend-Krimis genüsslich links liegen gelassen werden.

Schon in den ersten Szenen wird deutlich, dass übliche Grenzen keine Rolle spielen. Wenn Kai Korthals als Franz Moor aus Schillers Räubern rezitiert, sehen wir wohl kaum dem biederen Postboten von einst bei der Entdeckung eines unverhofften Talents zu, sondern bekommen einen Einblick in die Arbeit seines Darstellers auf den Bühnen der Berliner Schaubühne. Das ist aber keineswegs ein Unfall, sondern Methode in einem bisweilen grotesken Reißer, der bei Bedarf auch als schwarze Komödie gelesen werden kann.

Dass Lars Eidingers zwischen kindlichem Übermut und eiskaltem Gewaltexzess hin und her pendelnde Vorstellung in ihren besten Momenten an Joaquin Phoenix‘ meisterhafte Darstellung des Jokers als gepeinigte Seele auf der Suche nach Erlösung erinnert, kehrt zudem alle verbliebenen Logiklöcher geschmeidig unter den Teppich. Wer diesen „Tatort“ noch nicht kennen sollte oder ihn einfach noch einmal genießen möchte, ist an diesem Sonntag bei der ARD jedenfalls an der richtigen Adresse.

Die „Tatort“-Episode „Borowski und der gute Mensch“ wurde gestern am Sonntag, dem 7. Juni 2026 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt für sechs Monate in der Mediathek als Wiederholung im Stream verfügbar. Die Sommerpause dauert noch bis Mitte September diesen Jahres. 

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