Tausende Mobilfunk-Antennen ohne Netz: Das ist der Grund

Tausende Mobilfunk-Antennen ohne Netz: Das ist der Grund
1&1 hat im vergangenen Jahr viel gebaut und viel Geld in Netztechnik gesteckt. 2.056 Standorte waren Ende 2025 in Betrieb. Jetzt nennt Konzernchef Ralph Dommermuth neue Ausbauziele, weist Verkaufsspekulationen zurück. Gleichzeitig öffnet er beim Glasfaserkurs zumindest eine neue Tür.

Würfel mit dem 1&1 Logo
1&1 startet neuen Tarif mit 48 Monaten LaufzeitBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

1&1 hat nach Angaben von Ralph Dommermuth zum Jahresende 2025 mehr als 2.000 aktive Mobilfunkstandorte erreicht. Mit ihnen versorge 1&1 rund 27 Prozent der Haushalte. Damit liegt 1&1 nach eigener Rechnung über der Vorgabe der Bundesnetzagentur. Bis Ende 2025 musste der Anbieter mindestens 25 Prozent der Haushalte erreichen. Eine formelle Bestätigung der Behörde lag in der Fragerunde aber noch nicht vor. Wichtig dabei: Die Vorgaben sind recht theoretisch, denn es zählt, obwohl es um Haushaltsabdeckung geht, der theoretisch mögliche Empfang außerhalb von Gebäuden – und das auch noch in einer bestimmten Höhe. Rein rechnerisch ist es unter Idealbedingungen möglich, die Zahl der Haushalte zu erreichen, wie wir Ende vergangenen Jahres ausgerechnet haben.

Warum der Ausbau nicht automatisch überall sichtbar wird

Das nächste Ziel steht schon. Bis 2030 will 1&1 auf mehr als 50 Prozent Haushaltsversorgung kommen. Dommermuth zeigte sich dabei auffällig sicher. Diese Vorgabe werde man sehr gut schaffen. Das ist ambitioniert, aber nicht aus der Luft gegriffen. 2025 lag die Ausbaurate laut Dommermuth bei rund 300 neuen Standorten pro Quartal. Dieses Tempo soll 2026 halten.

1&1 baut derzeit vor allem in Städten. Für viele Kunden ändert sich der Footprint dadurch zunächst kaum. Außerhalb des eigenen Netzes funkt weiter Vodafone per National Roaming. Neue 1&1-Standorte verbessern daher oft eher die Qualität als die reine Verfügbarkeit.

Hinzu kommt ein Engpass beim Anschluss. Dommermuth sagte, über 4.000 weitere Standorte seien bereits im Bau. An rund 2.000 davon seien die Antennen sogar schon installiert. Es fehle aber noch die Glasfaseranbindung. Viel Technik steht demnach schon bereit. Sie muss nur noch ans Netz. Ob 1&1 künftig mehr neue Standorte öffentlich meldet, bleibt offen.

Fehlende Frequenzen: Das kann dauern

Beim Thema Low-Band-Frequenzen machte Dommermuth erneut klar, wo 1&1 das größte Defizit sieht. Der Anbieter verfügt in diesem Bereich weiterhin über keine eigenen Frequenzen, obwohl die Technik an vielen Standorten offenbar längst vorbereitet ist. Dommermuth sagte, an den Funkmasten seien die Low Band-Antennen bereits verbaut, man sei also „ready to go“. Ein dauerhaft günstigeres National Roaming sei für 1&1 aus seiner Sicht aber keine Lösung. „Wir wollen kein günstigeres National Roaming, wir wollen Frequenzen“, sagte er. Wann es dazu kommt, ließ er offen. Das Verfahren liege bei der Bundesnetzagentur, parallel laufe bereits eine Klage. Dommermuth rechnet deshalb damit, dass sich das Thema noch lange ziehen könnte.

Klare Absage an Verkaufsspekulationen

Deutlicher wurde der 1&1-Chef beim Thema Verkauf. Seit Monaten tauchen immer wieder Spekulationen auf, Telefónica könnte bei 1&1 einsteigen oder den Anbieter sogar übernehmen. Dommermuth wies das klar zurück. Einen Verkauf schließt er aus. Wörtlich sagte er: „Ich habe nicht vor, das Unternehmen zu verkaufen.“

Auch Gespräche mit Telefónica laufen nach seiner Darstellung nicht. „Ich habe keinen Dialog mit Telefónica“, sagte Dommermuth. Für Kooperationen zeigt sich 1&1 zwar offen. Das könne etwa beim Netzausbau oder bei weißen Flecken ein Thema sein. Ein Verkauf sei aber kein Thema. Seine Begründung fällt fast schon trotzig aus: „Die Party hat ja noch gar nicht begonnen.“

Dommermuth sieht das Unternehmen nach dem schwierigen Netzstart nun „aus dem Schlimmsten heraus“. Das heißt aber nicht, dass alle Probleme gelöst sind. Vor allem die Abhängigkeit vom Vodafone-Netz kostet Geld, wenn der Datenverbrauch der Bestandskunden stärker wächst als das Netzvolumen.

Glasfaser bleibt zentral, auch für Privatkunden könnte sich etwas ändern

Wichtig ist die Rolle von 1&1 Versatel. Das Unternehmen betreibt das Glasfasernetz für Geschäftskunden, Behörden, Rechenzentren und die Anbindung der Mobilfunkmasten. In Häusern, in denen 1&1 wegen eines Mobilfunkstandorts ohnehin schon Glasfaser liegen hat, könnte später theoretisch auch ein Privatkundenanschluss entstehen. Heute passiert das nicht, weil Versatel keine Privatkundenprodukte anbietet. Ganz ausgeschlossen ist das für die Zukunft aber nicht mehr. Dommermuth sagte, durch den Zusammenschluss mit 1&1 eröffne sich genau diese Möglichkeit.

Ein Selbstläufer ist das trotzdem nicht. In vielen dieser Gebäude arbeitet 1&1 mit Dark Fiber. Das reicht für die Antennenanbindung, aber nicht für einen schnellen Privatkundenanschluss. Dafür bräuchte es zusätzliche Technik im Haus. Dommermuth formulierte es vorsichtig. Man müsse prüfen, ab wann sich das lohnt und wie viele Wohneinheiten dahinterstehen. Theoretisch sei es möglich. Praktisch bleibt es vorerst eine Option und noch kein Ausbauplan.

Den Festnetzanschluss sieht 1&1 trotz rückläufiger Tendenz weiter als nötig an. Dommermuth hält wenig von der Vorstellung, Mobilfunk könne jeden Anschluss ersetzen. Seine Begründung: stabilere Bandbreiten, niedrigere Latenzen und weniger Engpässe im WLAN zu Hause. Das klingt nachvollziehbar. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Zahl klassischer Festnetzanschlüsse langfristig eher sinken dürfte.

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