Technologie: China will autark sein

Technologie: China will autark sein

Es ist eine kuriose Wendung, mit der Nvidia offenbar nicht gerechnet hat. Erst ächzte der US-Konzern unter den Sanktionen der USA gegen China und konnte seine speziell für die Volksrepublik entwickelten KI-Chips nicht in China verkaufen. Als die US-Regierung dann eine Kehrtwende machte und die Chips wieder zuließ, wollte Peking sie auf einmal nicht mehr. Dabei ist das Ziel von Staatspräsident Xi Jinping klar: Er will technologische Unabhängigkeit vom Westen. Er will nicht von Motoren und Maschinen aus Deutschland, Schiffen aus Südkorea, Flugzeuggetrieben aus Frankreich, Chipmaschinen aus den Niederlanden und Software und Chips aus den USA abhängig sein. Er will, dass chinesische Unternehmen diese Technologien beherrschen.

Es ist eine Lehre aus der Geschichte. China erkannte Mitte des 19. Jahrhunderts, dass es technologisch abgehängt und deshalb abhängig war. Es folgte ein „Jahrhundert der Demütigung“, das sich tief ins chinesische Bewusstsein gegraben hat. Dabei geht es China heute nicht um völlige Autarkie, die auch für das Reich der Mitte noch weit weg ist. Die Frage ist, wer den besten Trumpf in der Hand hält. Lange waren das die Amerikaner mit ihren Halbleitern. Doch Peking nimmt in Kauf, dass die Konzerne einige Jahre mit zweitrangigen Chips arbeiten müssen, solange es chinesische sind. Stattdessen haben sich die Seltenen Erden und andere strategische Rohstoffe als mindestens ähnlich wirksame Trümpfe erwiesen.

Für westliche Konzerne ist es ein Dilemma: Mit ihren Aktivitäten in China haben sie häufig neue Konkurrenten herangezüchtet. Verzichten sie auf den chinesischen Markt, überlassen sie das Feld ebendiesen Wettbewerbern. Dann ist es eine Frage der Zeit, dass diese Konzerne ihnen im Rest der Welt das Leben schwer machen. Für den Westen gibt es eine faule und eine anstrengende Antwort: Die faule Antwort sind die Tech-Sanktionen. Sie sind der Versuch, den Kontrahenten auszubremsen, ohne sich selbst verbessern zu müssen. Die anstrengende, aber richtige Antwort kann nur eigene Exzellenz sein. Wenn chinesische Wettbewerber so schnell aufholen können, dann war es um die eigene Leistungsfähigkeit weniger gut bestellt als gedacht. Chinas Technologiekonzerne ausbremsen zu wollen, wird dagegen nicht lang gut gehen: Das zeigen die Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz oder der Chipindustrie überdeutlich.

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