Telekom beerdigt Kabel-Internet

Telekom beerdigt Kabel-Internet
Dass die Telekom nicht viel von ihren Wettbewerbern hält, ist allgemein bekannt. Doch in den sozialen Medien geht sie nun noch einen Schritt weiter: Sie beerdigt das Internet per Kabel, ihren aktuell größten Widersacher.

Ein Flatterband mit der Aufschrift
Achtung Kabel – dem Kabelnetz soll es an den Kragen gehenBildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Es ist nicht das erste Mal, dass die Telekom ordentlich austeilt. Schon im Herbst hatte sie gegen das Internet per Kabel in einem Social-Media-Posting ausgeteilt. Damals war der Diss subtiler, dieses Mal ist er viel direkter. Denn die Telekom stellt in ihrem Posting im Video eine Beerdigung nach. Auf einer städtischen Glasfaserbaustelle wird symbolisch der Kabelanschluss beerdigt. Eine Anschlussbuchse wird dabei in die Baugrube geworfen, mit Rosen bedeckt und dann unter Erde vergraben. „RIP Kabel-Internet“ heißt es in einer Einblendung.

Nicht der erste Kabel-Internet-Diss

Im Herbst war es ein einfaches, gepostetes Bild: Es soll eine Unterhaltung zwischen einem Kind und seiner Mutter zeigen. Das Kind fragt: „Mama, können wir schnelles Internet haben?“, und die Mutter antwortet: „Wir haben schnelles Internet zu Hause.“ Als Nächstes zeigt das Posting den Schriftzug „Das Internet zu Hause:“ und darunter abgebildet eine Anschlussbuchse für einen TV-Kabelanschluss.

Die Nachricht, die die Telekom verbreiten will: Ein Glasfaseranschluss ist die einzige Möglichkeit, schnelles Internet zu bekommen. Doch die meisten Kunden interessieren sich nicht dafür, ob ihr Internet per Kabel, Glasfaser oder DSL in die Wohnung kommt. Das Wichtigste für die Kunden: Es muss funktionieren – sowohl bei der Anschlussschaltung als auch später im Betrieb.

Kabelnetze sind Rotes Tuch für die Telekom

Das Kabelnetz ist für die Telekom schon seit Langem ein rotes Tuch. Der Grund: Auch per Kabel ist Internet mit hohen Datenraten möglich – allerdings nicht im Upstream. Im Gegensatz zur Glasfaserleitung ist aber keine neue Leitung notwendig, und in der Regel ist Kabel-Internet auch günstiger. Die Telekom aber will ihre neuen Glasfaserleitungen vermarkten. Hier ist die Nachfragequote oft schlecht, die Kosten aber hoch. Dabei gilt Glasfaser zumindest mittel- und langfristig als alternativlos in Sachen Internetanschluss.

Entsprechend versucht die Telekom auf mehreren Ebenen, gegen das Kabel zu wettern. So hat sich zum Beispiel im Herbst Telekom-Deutschland-Chef Rodrigo Diehl sehr deutlich zum Thema Kabel-Internet geäußert. Bei der Jahrestagung des Branchenverbandes Buglas griff er vor allem Vodafone an, ohne den Anbieter namentlich zu nennen. Der „größte Anbieter“ treibe die Kupfer-Glas-Debatte aus taktischen Gründen voran, ohne selbst konsequent auf Glasfaser bis in die Wohnungen zu setzen – und behaupte zugleich, gar kein Kupfer zu haben. „Man muss ein HFC-Kabel nur aufmachen, um zu sehen, was da drin ist. Da steckt Kupfer“, so Diehl. „Koax ist keine zukunftssichere Technologie“, hieß es weiter. Dabei hatte Diehl noch 2024 das Koax-Netz verteidigt, da aber in seiner Rolle als österreichischer Magenta-Chef mit einem hohen Kabelanteil.

Ins gleiche Horn stößt eine vom Buglas in Auftrag gegebene Studie bei Marketingprofessor Jens Böcker, der zahlreiche Studien im Auftrag von Telekommunikationsverbänden erstellt hat. Dass es in diesem Fall der Buglas ist, scheint nicht zufällig: Die Telekom ist Mitglied im Buglas, der einst ein reiner Wettbewerbsverband war. Böcker sagt langfristig das Ende der Kabelnetze voraus.

Bildquellen

  • Glasfaser: So funktioniert die Einrichtung bei der Telekom: Deutsche Telekom
  • Achtung Kabel – dem Kabelnetz soll es an den Kragen gehen: Thorsten Neuhetzki / inside digital

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