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„Ja, wo spielt er denn?“ Noch wird Max Schönhaus von den meisten Dreieicher Tennisfans nicht auf Anhieb erkannt. Bei seinen ersten Auftritten für seinen neuen Klub Rot Weiß Sprendlingen zeigte der 17 Jahre alte Westfale aus Soest am vergangenen Wochenende allerdings Tennis mit Wiedererkennungswert. Er gewann nicht alle seine Spiele für den aufstrebenden Klub aus dem Dreieicher Stadtteil, aber er machte mit seinem Kampfgeist und seinen spektakulären Schlägen deutlich, warum er zu den größten deutschen Talenten der vergangenen Jahre gezählt wird.
Im vergangenen Jahr geriet Schönhaus das erste Mal in die Schlagzeilen, als er im Doppel das Junioren-Turnier von Wimbledon gewann. In diesem Sommer bestätigte er seine Leistung im Einzel. In Roland Garros erreichte er das Endspiel, in Wimbledon scheiterte er nur ganz knapp im Halbfinale. Dass ein für deutsche Verhältnisse absolutes Ausnahme-Talent für den Zweitliga-Aufsteiger aus Dreieich spielt, der lediglich eine beschauliche Anlage mit acht Plätzen sein eigen nennt, sagt alles über das Engagement des Klubs und die Bodenständigkeit des Spielers und seines Umfeldes aus. Das Team Schönhaus erliegt nicht der Versuchung, möglichst schnell in der großen Tennis-Welt anzukommen, sondern den Aufstieg des Talentes nachhaltig und behütet zu vollziehen.
„Waren überrascht, als er zusagte“
Deshalb entschied sich Schönhaus gemeinsam mit seinem Trainer Björn Simon das Angebot aus der Nachbarschaft anzunehmen. Nachbarschaft, weil Schönhaus regelmäßig in Frankfurt und Offenbach trainiert, wo sein Trainer bis vor kurzem Anstellungen beim SC 1880 und beim Hessischen Tennisverband hatte. Seit dem ersten Juli arbeitet Simon beim Deutschen Tennis-Bund (DTB) als Bundestrainer für „Wissensmanagement und Entwicklung“. Der Kontakt zu den Sprendlingern kam über den Trainingskollegen Bengt Reinhard zustande, der schon in der vergangenen Saison für Rot Weiß spielte und nur Gutes berichtete. „Wir waren auch überrascht, als er zusagte“, sagt der Sprendlinger Vorsitzende Kai Moritzen.
Schönhaus willigte am Wochenende sogar ein, zusätzlich zu den beiden vereinbarten Zweitliga-Heimspielen am Freitag gegen Ludwigshafen (5:4) und am Sonntag Reutlingen (3:6) noch am Samstag im Doppel in der Hessenliga-Mannschaft anzutreten. „Nach Wimbledon habe ich noch nicht viel auf Sand gespielt, da hilft mir jedes Spiel bei der Umstellung.“ Zweite Mannschaft, nein danke? Von wegen, Statusdenken ist ihm fremd. Der Sprendlinger Teamkapitän Peter Janda lobt Schönhaus für dessen Einstellung: „Das hätten nicht viele gemacht.“
Max Schönhaus verblüfft im Gespräch mit einer für einen 17-Jährigen ungewöhnlichen Klarheit und Strukturiertheit. Er spricht, als wäre ihm ein Sportprofi-Gen eingepflanzt worden. Seit er mit neun Jahren den Fußball aufgab und nur noch Tennis spielt, verfolgt er konsequent seinen Weg, der ihm früh durch herausragende Trainer aufgezeigt wurde. Martina Struff, die Mutter des Weltklassespielers Jan-Lennard Struff, beeinflusste ihn maßgeblich. Schönhaus achtet schon lange selbstverantwortlich auf Ernährung, Stretching, arbeitet bereits mit einem Mentaltrainer, widmet sich intensiv der Videoanalyse. Ein Musterknabe. Wenn man ihn fragt, wann er das letzte Mal in einem Klub war, folgt die Antwort: „Das letzte Mal? Tatsächlich war ich noch nie in meinem Leben in einem Klub.“ Seine spärliche Freizeit verbringt er gerne mit seinen Eltern, seinen Geschwistern und deren Kindern. Max ist gerne Onkel, wenn er mal ein Wochenende zu Hause in Soest verbringt. Über 30 Wochen im Jahr reist der 17-Jährige durch Deutschland und Europa.
Das Ziel sind die Top Ten
Im Moment pendelt er noch zwischen Junioren- und Erwachsenenturniere, Schönhaus weiß, dass schon viele am Schritt zu den Senioren gescheitert sind, auch Junioren mit Wimbledon-Meriten. Welchen Fehler will er unbedingt vermeiden? „Ich glaube, viele meinten, es schon mit einem Junioren-Titel geschafft zu haben und machten einfach nur so weiter. Ich weiß, dass Erfolge schön sind, aber nicht wirklich etwas bedeuten. Es kommt auf den Prozess an. Es muss immer weiter gehen.“ Deshalb machen ihm auch Niederlagen wie die schmerzhafte im Wimbledon-Halbfinale nicht lange etwas aus.
Max Schönhaus, der nach der Mittleren Reife die Schule verließ und sich seitdem ganz auf Tennis konzentriert, möchte einmal unter die Top Ten der Weltrangliste kommen. Ob er es schafft, kann man im Moment unmöglich sagen. Das Leistungsniveau ist sehr dicht. Auch in der zweiten Bundesliga wird gutes Tennis gespielt, wo hoffnungsvolle Nachwuchsspieler auf Profis treffen, die in der Weltrangliste auf den Plätzen zwischen 150 und 600 liegen. Schönhaus ist kein Boris Becker, der mit 17 Wimbledon gewann, er hatte an den ersten beiden Tagen mit Umstellungsschwierigkeiten von Rasen auf Sand zu kämpfen. Am Sonntag jedoch deutete er seine besonderen Fähigkeiten an, er gewann sein Einzel überzeugend und im Doppel schickte er mit seinem Partner Jonas Forejtek die Gegner 6:0, 6:0 vom Platz.
„So eine Dominanz habe ich auf diesem Niveau noch nie erlebt“, sagt Janda, der Schönhaus für seinen Offensivgeist, seinen Aufschlag, seine Schnelligkeit und seine Vorhand lobt. Die Rückhand war die große Schwäche des Westfalen, seit er sich entschlossen hat, sie von zweihändig auf einhändig umzustellen, macht er Fortschritte. Dennoch sagt er: „Wenn ich mir einen Schlag im Tennis kaufen könnte, wäre es Federers Rückhand, dafür würde ich viel, viel Geld ausgeben.“
Die Sponsoren Nike und Head liefern Schönhaus die finanzielle Grundlage, dass er sich sein Trainerteam leisten und zu den Turnieren reisen kann, für Federers Rückhand würde es jedoch nicht reichen. Hat er sich ein Zeit-Limit gesetzt, um seine Ziele im Tennis zu erreichen? „Nein, ich versuche es jetzt erst einmal als Profi und sehe, wie es weitergeht. Jan-Lennard Struff ist auch erst mit 24 Vollprofi geworden.“ Und wenn er an seinem Ziel scheitert? „Ich bin der Meinung, man soll in allen Lebenslagen das Beste aus sich herausholen, nicht nur im Tennis. Ich glaube an die Entwicklung, nicht nur an die Ergebnisse. Und wenn ich die Ergebnisse nicht schaffe, dann war es für mich auch keine Zeitverschwendung. Was man im Tennis lernt, kann man auch im Leben gut gebrauchen.“
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