
Der Journalist Josef Rohrer nimmt seine Leserschaft mit an den Tatort eines über 5.000 Jahre alten Mordes in den Alpen. Das Opfer ist der 1991 von Wanderern in über 3.000 Metern Höhe entdeckte „Mann aus dem Eis“, besser bekannt als „Ötzi“.
Rohrer hat sich mit drei ausgewiesenen Experten für ein Wochenende in einer Hütte nahe dem Tatort einquartiert: dem Fallanalytiker Alexander Horn, dem Rechtsmediziner Oliver Peschel sowie dem Alpin-Archäologen Andreas Putzler. Gemeinsam rekonstruieren sie die letzten Tage von Ötzi, der mit unzureichender Ausrüstung und einer Handverletzung eine gefährliche Reise antrat und schließlich hinterrücks erschossen wurde. Die Eismumie und die Fundstücke erzählen von einer spannenden Epoche. Schicke Leder-Beinlinge und ein Mantel aus Ziegen- und Schafsleder-Streifen, ein wertvolles Kupferbeil, eine Reiseapotheke und andere Gegenstände aus Ötzis Rucksack geben uns Einblicke in Wissen und Fertigkeiten dieser Zeit.
Der Journalist leitet die Fallanalyse mit geschickten Fragen. Um Ötzis Wunden zu erklären und das Mord-Motiv zu finden, stellen die Spezialisten ein Handgemenge und den tödlichen Schuss nach. Die True-Crime-Atmosphäre wirkt etwas aufgesetzt, Geplauder und die Resultate sind miteinander vermischt. Farbig illustriert gibt das Buch aber einen topaktuellen Überblick über den Forschungsstand und die Interdisziplinarität moderner Archäologie. Bettina Wurche
Josef Rohrer
Eine Spurensicherung von Alexander Horn, Oliver Peschel und Andreas Putzer
folio, 176 S., € 24,–
ISBN 978-3-85256-904-8
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