Todesursache KI: Warum Dr. Windows stirbt und Linux-Fans deshalb traurig sein sollten

Todesursache KI: Warum Dr. Windows stirbt und Linux-Fans deshalb traurig sein sollten

Todesursache KI: Warum Dr. Windows stirbt und Linux-Fans deshalb traurig sein sollten

Diese Seite stirbt möglicherweise schon bald. Schuld ist der KI-Boom und seine Auswirkungen, insbesondere auf kleinere Webseiten. Das ist nur eine kleine Tragödie, aber sie ist Teil einer ganz großen. Das Internet, wie wir es heute kennen und lieben, funktioniert nicht mehr.

Ich habe es geahnt

An dieser Stelle könnte ich auf einen Artikel aus dem Februar 2023 verweisen und sagen: Lest ihn einfach noch einmal durch, ich hab’s Euch gleich gesagt: Kommentar: Das neue Bing hat Killerpotential: Es tötet das freie Internet.

Das neue Bing, aus dem in rasender Geschwindigkeit der Microsoft Copilot wurde, ist immer noch so klein und unbedeutend wie vor über zwei Jahren. Getötet hat es ebenfalls niemanden, aber es war der Vorbote eines Trends, der inzwischen mit voller Wucht eingeschlagen hat.

Das Geschäftsmodell ist kaputt

Ein Vierteljahrhundert lang funktionierte das Internet nach einem einfachen und unschlagbaren Modell: Man erschuf eine Webseite und die Suchmaschinen indizierten sie. War die Webseite gut und die Inhalte interessant, fanden viele Menschen über Suchmaschinen den Weg dorthin. Die Betreiber schalteten Werbung und finanzierten sich auf diese Weise. Das deckte Betriebskosten und sicherte so manches kleine Nebeneinkommen. Mehr noch: Das funktionierte so gut, dass einzelne Personen ihren Lebensunterhalt damit verdienten und ganze Unternehmen auf dieser Basis funktionierten.

Dann kam die KI-Suche. Man stellt eine Frage und die KI antwortet. Die Quellen sind zwar verlinkt, aber so unscheinbar, dass niemand auf die Idee kommt, sie anzuklicken. Warum sollte man das auch tun, wenn die Antwort so schön mundgerecht serviert vor einem steht?

Google hat keine andere Wahl

Die Kurzversion der Geschichte ist: Google „beklaut“ mit der KI-Suche die Webseiten in seinem Index, weil man diesen Seiten keine Besucher mehr zuleitet und im Gegenzug mit Werbeeinblendungen in den KI-Antworten selbst Geld verdient. Das ist allerdings zu kurz gedacht.

Wenn ich mir unsere Verluste anschaue – und ich kenne viele Berichte von Seitenbetreibern, denen es ähnlich geht –, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass die Rechnung für Google aufgeht. Sie sind nicht nur Suchmaschinen-Krösus, sondern betreiben mit AdSense auch das weltweit führende Werbenetzwerk. Schneidet Google also den Seiten die Besucherströme ab, dann schneiden sie sich damit vielfach ins eigene Fleisch. Damit Ihr dazu auch eine Zahl habt und Euch ein wenig vorstellen könnt, was da gerade abgeht: Meine AdSense-Einnahmen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 80 Prozent gesunken.

Allerdings hat Google keine Wahl. Schon jetzt nimmt ihnen ChatGPT signifikant Anteile weg. Ob Google will oder nicht, sie müssen in dieses Wettrennen einsteigen und versuchen, die Leute auf ihrer eigenen Plattform zu halten.

Unabsehbare Spätfolgen

Es ist schwer, die Spätfolgen dieses Trends abzuschätzen, ohne eine Dystopie zu beschwören. Viele kleine Webseiten werden sterben, die großen werden überleben. Welche Inhalte man überhaupt noch im Internet findet, hängt immer stärker davon ab, wer es sich überhaupt leisten kann, diese zu veröffentlichen. Ganz besonders gefährdet ist alles, was nicht mit viel Geld gestützt wird. Das erklärt den zweiten Halbsatz in der Überschrift.

Aber wenn es nur das wäre…

Wer diesen Markt kontrolliert, kann jede Entscheidung beeinflussen. Wer die KI-Suche dominiert, der entscheidet, was wir einkaufen, wen wir wählen und so weiter.

Selbstverständlich wird es weiterhin Leute geben, die hinterfragen, die sich ihre Lieblingswebseiten abspeichern und sie unterstützen, die den Quellen-Links folgen und versuchen, sich ein komplettes Bild zu machen. Das ist aber leider nur ein vernachlässigbar kleines Grüppchen.

Hand aufs Herz: Haben wir zu Zeiten der „klassischen Websuche“ nicht schon versucht, auf der Ergebnisseite die gewünschten Informationen zu finden, ohne einen Link anklicken zu müssen? Genau diese Bequemlichkeit wird die KI-Suche zum Standard werden lassen.

Persönliche Anmerkungen

Ok, ich gebe zu, ich habe in der Überschrift und in der Einleitung etwas dick aufgetragen. Das Ende von Dr. Windows steht nicht unmittelbar bevor. Ich habe mir fest vorgenommen, die 20 Jahre vollzumachen, das wäre im März 2027 so weit. Ob das klappt, wird man sehen. Es war mir allerdings wichtig, Aufmerksamkeit für die grundsätzliche Problematik zu erzeugen.

Ich habe diese Seite über Jahre hinweg mehr oder weniger hauptberuflich betrieben. Dass dies eines Tages nicht mehr funktioniert, war mir seit Jahren klar, daher bin ich so aufgestellt, dass ich nicht von Dr. Windows abhängig bin. Finanziell könnte ich ohne diese Seite leben, emotional wäre es schon deutlich schwieriger.

Allerdings möchte ich den Eindruck vermeiden, dass ich hier gegen eine neue Technologie hetze, weil sie mein Geschäftsmodell zerstört. Kein Geschäftsmodell funktioniert auf ewig. Dieses hier funktionierte lange und zeitweise fast unverschämt gut. Dr. Windows hat mir viel Arbeit bereitet, mir andererseits aber auch viele materielle Vorteile verschafft und mich an viele schöne Orte und zu vielen wunderbaren Menschen geführt. Wann immer der Tag kommt, an dem das hier endet: Ich habe keine anderen Gedanken als Dankbarkeit dafür, dass ich das alles haben durfte und noch haben darf.

Also macht Euch um mich und Dr. Windows keine Sorgen, wir sind nur ein kleiner Kollateralschaden. Was ChatGPT, Googles KI-Suche und alles, was nach dem gleichen Prinzip funktioniert, am Ende anrichten werden, davor dürft Ihr hingegen so richtig Angst haben.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant.
Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir – für Euch!

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