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Rund 54 Minuten liegen zwischen den beiden Ausschnitten der Rede Donald Trumps, die in einer BBC-Dokumentation der Sendereihe „Panorama“ zusammengeschnitten wurden, jener 70-minütigen Rede, die Trump am 6. Januar in Washington gehalten hatte, bevor ein wütender Mob seiner Anhänger das Kapitol stürmte.
54 Minuten liegen zwischen dem Satz „We’re going to walk down to the Capitol“ (der tatsächlich mit den Worten „and we’re going to cheer on our brave senators and congressmen and women“ endete) und der Aussage „And we fight. We fight like hell. And if you don’t fight like hell, you’re not going to have a country anymore“.
Wer schaut schon die ganze Rede?
Und wer die Stelle aus der Doku mit der originalen Rede vergleicht, wie man das in unzähligen Clips im Internet tun kann, der kann sich leicht der Interpretation anschließen, die mittlerweile nicht nur Leute aus dem Lager des Präsidenten überzeugt: dass es sich bei dem Zusammenschnitt nicht nur um journalistische Schlamperei handelt, sondern um bewusste Manipulation; dass im Umkehrschluss der Eindruck, Trump habe den gewaltsamen Aufruhr angestiftet, ein falscher sei; und dass es deshalb ja wohl auf der Hand läge, dass die ganze Doku eine klare Anti-Trump-Agenda habe und damit nur ein weiterer Beleg sei für die linken Tendenzen bei der BBC.
Leider macht sich kaum einer der Kritiker, die nun journalistische Sorgfalt anmahnen, die Mühe, selbst auf die Verkürzungen hinzuweisen, die solche suggestiven Gegenüberstellungen beinhalten. Und erst recht nicht die Arbeit, die ganze Rede anzuschauen. Denn natürlich hat die Sendung davon ziemlich viel weggelassen – aber eben nicht nur den Teil mit den tapferen Senatoren oder die Stelle kurz darauf, in der Trump einen „friedlichen und patriotischen“ Marsch voraussagt. Sondern auch über eine Stunde voller Hetze, Lügen und Aufforderungen zum Widerstand.
Und auch eine Stelle kurz nach dem Kampfgebrüll, in der Trump noch einmal dazu aufruft, zum Kapitol zu laufen und „unseren Republikanern den Stolz und die Kühnheit zu geben, die sie brauchen, um unser Land zurückzuerobern“. Die Manipulation wäre also gar nicht nötig gewesen – das ist vielleicht die größte Dummheit, die man den Filmemachern vorwerfen muss. Wer aber glaubt, der Eindruck, Trumps Rede habe zur aggressiven Stimmung des Mobs beigetragen, läge nur an den perfiden Schnitten der Doku, sollte sich die ganze Rede noch mal anschauen. Die Worte „fight“ oder „fighting“ kommen darin insgesamt zwanzigmal vor.
Kein agitatorisches Machwerk
Hilfreich wäre natürlich auch, sich die Doku „Trump: A Second Chance“ in voller Länge anzuschauen. Leider hat sie die BBC offline genommen, aber zumindest eine gekürzte deutsche Version lief im November 2024 auch bei ZDFinfo und ist immer noch in der Mediathek zu sehen. Nach Auskunft des ZDF war in dieser 45-minütigen Fassung, die für den internationalen Markt angeboten wurde, die umstrittene Stelle von vornherein nicht enthalten
Aber wer den Rest sieht, kann den Film kaum für ein agitatorisches Machwerk halten. In seinem Bemühen, das Comeback von Trump zu erklären, gibt er seinen Unterstützern mindestens so viel Raum wie seinen Gegnern, Kommentatoren von allen Seiten des politischen Spektrums kommen zu Wort. Vielleicht gab es auch deshalb keine einzige Beschwerde, als der Film vor einem Jahr in der BBC lief.
Zum ganzen Bild würde es auch gehören, zu erklären, wieso es nun überhaupt plötzlich zur Kontroverse kam. Ausgelöst wurde sie durch ein Dossier des ehemaligen Journalisten Michael Prescott. Prescott wird gern als „unabhängiger Berater“ bezeichnet, aber das ist etwas naiv. Er ist Geschäftsführer einer britischen Lobbying-Firma, die unter anderem US-Unternehmen vertritt, deren Chefs enge Verbündete von Trump sind, wie Oracle und Paramount, die Firmen von Larry Ellison und seinem Sohn David.
In Auftrag gegeben wurde das Dossier wiederum von BBC-Vorstand Robbie Gibb, einst Kommunikationsdirektor der ehemaligen Premierministerin Theresa May, Vertrauter von Boris Johnson und Mitgründer des Krawallsenders GB News, den Trump als Alternative zur BBC empfiehlt. Viele halten Gibb für den Mann hinter einer Kampagne, die BBC von rechts zu unterwandern, Informanten innerhalb der BBC sprechen von einem „Putsch“. Mag sein, dass diese Vorwürfe übertrieben sind, aber am Ende kommt es gar nicht darauf an, ob die Intrige Erfolg hat. Es reicht ja, wenn sich Trumps Version der Geschichte durchsetzt.
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