Trumps Pläne, die Wissenschaftsfreiheit abzuschaffen

Trumps Pläne, die Wissenschaftsfreiheit abzuschaffen

Die Wissenschaftsfreiheit ist an US-Universitäten nicht etwa bedroht, weil „woke“ Studierende Kant und Goethe nicht mehr lesen wollen würden. Die Wissenschaftsfreiheit soll per Dekret des US-Präsidenten abgeschafft werden. Trump unterzeichnete jüngst eine Executive Order über die Vergabe von Fördergeldern aus Bundesmitteln, die im Falle ihrer Umsetzung eine weitreichende politische Kontrolle der wissenschaftlichen Forschung nach sich ziehen würde. Forschende aus den USA sprechen von einer Machtübernahme. Sie haben nicht unrecht.

Das Dekret sieht vor, dass nicht mehr Wissenschaftler über Forschungszuschüsse entscheiden, sondern politisch ernannte Personen. Auch die Förderung bereits bewilligter Projekte kann dann durch solche politischen Beauftragten wieder zurückgenommen werden. Bislang hing die Vergabe von Forschungsmitteln von einer unabhängigen Begutachtung durch Fachkollegen ab. Dieses sogenannte Peer-Review-Verfahren hätte laut Dekret nur noch beratenden, keinen bindenden Charakter mehr.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Bei bewilligten Projekten wären zudem die Overhead-Mittel, also die indirekten Kosten, die durch Infrastruktur und Verwaltung entstehen, möglichst gering zu halten. Statt fachlicher Kriterien soll für die Wissenschaftsförderung Trumps „Goldstandard“ ausschlaggebend sein, der die Bewilligung von Mitteln davon abhängig macht, ob sie die „politischen Prioritäten des Präsidenten“ vorantreibt, wie es im Dokument heißt. Verboten ist die Unterstützung von Projekten, die „antiamerikanische Werte“ verbreiten, wie nicht dokumentierte Migration, Diversität, Gleichberechtigung oder Inklusion. Das heißt konkret: Die Forschungsförderung der Critical Studies (etwa Gender Studies oder Postcolonial Studies) würde politisch untersagt werden.

Es ist angesichts des Ausmaßes der politischen Kontrolle über die Forschung hierzulande erstaunlich still um den neuesten Angriff Trumps auf die US-Universitäten. Dies mag daran liegen, dass die Auswirkungen erst zu spüren sind, wenn die Richtlinien umgesetzt werden. Blickt man aber auf die übermäßige Empörung über „Cancel Culture“-Gerüchte auf dem US-Campus zurück, dann fragt man sich doch, warum der Aufschrei nicht größer ist, wenn nun die Wissenschaftsfreiheit durch einen autoritären Cancelismus von oben abgeschafft werden soll.

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