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#Übernachten auf der Obstwiese

Übernachten auf der Obstwiese

„Normalerweise heißt es: Ich reise nach Paris oder Berlin“, sagt Julian Trautwein. „Bei uns heißt es: Ich möchte raus aus Berlin, ich möchte raus aus Hamburg.“ Raus, das ist auch der Name des Reise-Start-ups, das Trautwein mit seinen beiden Schulfreunden Johann Ahlers und Christoph Eilers gegründet hat: Die drei vermieten Cabins im Umland von Berlin, ein bis maximal zwei Autostunden außerhalb der Innenstadt gelegen, für einen Wochenendtrip oder auch länger. Für alle, die eben mal raus wollen aus der Stadt, dem Alltag, dem Stress. Und das trifft offensichtlich einen Nerv: Die beiden ersten Unterkünfte sind bis Jahresende ziemlich ausgebucht, an den Wochenenden sogar bis März nächsten Jahres. Cabin Nummer drei ist seit Kurzem „live“, wie es in der Start-up-Sprache heißt, weitere Standorte sind in Planung, wie im Umland von Hamburg. Mittelfristig sollen auch andere deutsche Regionen dazukommen.

Für ihre Minimal-Unterkünfte haben sich die drei Raus-Gründer an mehreren Trends orientiert. Wie bei den seit Jahren populären Tiny Houses organisieren sie eine voll funktionstüchtige Unterkunft auf kleinstem Raum. Ein Doppelbett, ein Tisch mit Bank und Hockern, eine ernstzunehmende Küchenzeile, ein Holzofen, ein Bad mit Dusche und Toilette: Die Gäste dürften zumindest ein langes Wochenende lang kaum etwas vermissen. Zugleich übernachten sie wie beim Camping mitten in Feld, Wald, Wiese, abseits von Siedlungen oder Dörfern. „Aber mit dem Komfort und dem Style eines Boutiquehotels“, sagt Julian Trautwein. Die Cabins sind zwar auf einen Anhänger gebaut und können wie ein Wohnwagen von Ort zu Ort gezogen werden. Mit Schrägdach, dunkler Holzfassade und großen Fenstern sehen sie jedoch wie ein richtiges Haus aus, sie werden eigens für Raus in den Niederlanden maßgefertigt.

Innen orientieren sich die Cabins an zeitgenössischem Schick.


Innen orientieren sich die Cabins an zeitgenössischem Schick.
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Bild: Hersteller

Innen regiert der zeitgenössische Schick: Die Einbauten und Oberflächen bestehen aus Sperrholz, die Möbel stammen von der finnischen Designmarke Artek, die Leuchten von den dänischen Unternehmen Louis Poulsen und Frandsen. Das Keramik-Geschirr ist handgemacht vom kleinen Berliner Label Goodclay. Eine sorgfältig kuratierte Auswahl, wie sie verwöhnte Großstädterinnen und Großstädter gerne haben und auf dem Land nur selten finden.

Übernachten auf der Pferdekoppel

Als die drei Schulfreunde Ahlers, Eilers und Trautwein die Geschäftsidee der Cabins entwickelten, wollten sie selbst gerade raus – raus aus ihren bisherigen Jobs. Einer war coronabedingt in Kurzarbeit, einer stand gefühlt kurz vor dem Burnout, einer hatte schon gekündigt. „Uns wurde klar, so richtig gesund ist unser Leben nicht“, sagt Julian Trautwein. Beruflich kommen sie aus ganz unterschiedlichen Richtungen, Johann Ahlers arbeitete in der politischen Kommunikation, Christoph Eilers war im Finanzbusiness tätig und Trautwein im Marketing. Er war mehrere Jahre bei der Tourismusplattform Airbnb. „Ich habe mich viel mit einzigartigen Übernachtungsorten beschäftigt.“ Bei Raus stehen die Cabins an einer Pferdekoppel mit Ausblick bis zum Waldrand, auf einer Obstwiese in Seenähe oder demnächst mitten auf eine Schafweide, morgendliches Blöken ist dann im Preis inbegriffen.

Wollten selbst raus: die drei Start-Up-Gründer


Wollten selbst raus: die drei Start-Up-Gründer
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Bild: Hersteller

„Wir mögen das Stadtleben“, sagt Julian Trautwein. „Aber in der Stadt steht man immer unter Strom.“ Draußen in der Natur könne man abschalten, das sei wichtig als Ausgleich. Natur heißt bei Raus auch Natur: Die Cabins werden „off grid“ betrieben, das heißt ohne Anschluss an das Wasser- und Stromnetz. Frischwasser kommt aus dem Tank, Strom aus dem Solarpaneel, und für die Bedürfnisse gibt es eine Komposttoilette. Weil die Cabins auf Anhängern aufgestellt werden, muss der Boden nicht versiegelt werden.

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Die Stellplätze pachtet das Start-up von Landwirten oder Waldbesitzern, mittlerweile bekommen sie täglich Angebote für neue Flächen. Für die Grundeigentümer ist die Verpachtung eine Einnahmequelle ohne zusätzliche Arbeit. Wer will, kann den Gästen aber weitere Angebote machen, etwa Kutschfahrten, geführte Pilztouren oder Lebensmittel aus eigener Erzeugung. „Wir wollen um die Cabins herum ein ganzes Ökosystem schaffen“, sagt Trautwein. „Ein Ökosystem aus lokalen Produkten und Services, das den Gästen die Natur näher bringt.“

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