#Ugur Sahin und Albert Bourla: Die Corona-Bezwinger

Ugur Sahin und Albert Bourla: Die Corona-Bezwinger

Manchmal übertreibt Donald Trump eben doch nicht. Im September sagte der amerikanische Präsident, die derzeit laufenden Tests von Impfstoffen gegen das Corona-Virus würden „schockierend gute Ergebnisse“ liefern. Am Montag kam nun die Nachricht über einen in deutschen Laboren entstandenen Impfstoff, und die Fachwelt ist tatsächlich verblüfft: In klinischen Tests hat die Substanz eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent gezeigt. Das liegt weit über der Schwelle von 50 Prozent, die von Gesundheitsbehörden als notwendig für eine Zulassung erachtet wird.

Ilka Kopplin

Das von Ugur Sahin geführte Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech hat die Impfung erfunden und entwickelt sie im Verbund mit dem amerikanischen Pharmagiganten Pfizer. Sahin und sein Pfizer-Kollege Albert Bourla haben der Welt jetzt die bislang wohl besten Nachrichten über einen möglichen Corona-Impfstoff verschafft, und entsprechend groß war der Jubel.

Die Aktienkurse schnellten nach oben, Trump sprach von „großartigen Neuigkeiten“, sein designierter Nachfolger Joe Biden gar von „exzellenten Neuigkeiten“. Pfizer-Vorstandschef Bourla sagte, es sei ein „großartiger Tag für die Wissenschaft und die Menschheit“.

Nüchtern, zurückhaltend, auf das Wesentliche bedacht

Angesichts der verheerenden Auswirkungen des Virus auf die öffentliche Gesundheit und die Wirtschaft wertete er den Forschungserfolg als „den bedeutendsten medizinischen Fortschritt der vergangenen hundert Jahre“. Nun könne die Menschheit „Licht am Ende des Tunnels“ sehen, sagte er dem amerikanischen Fernsehsender CNBC. „Niemand ist darüber mehr erleichtert als ich.“

Bourla war die Begeisterung in der Stimme anzuhören. Er sagte, er habe selbst erst am frühen Sonntagnachmittag von den positiven Studienergebnissen gehört.

Angesichts all dieser Euphorie fiel ausgerechnet die Reaktion von Ugur Sahin, in dessen Unternehmen der Corona-Hoffnungsträger seinen Ausgangspunkt nahm, recht unaufgeregt aus. „Die erste Zwischenanalyse unserer globalen Phase-3-Studie weist darauf hin, dass ein Impfstoff COVID-19 verhindern kann“, sagte er am Montag trocken.

Es passt zu seinem Naturell: Nüchtern, zurückhaltend, und auf das Wesentliche bedacht. Er ist kein Freund pathetischer und überschwänglicher Worte oder großer Gesten. Für ihn zählt die Wissenschaft. Üblicherweise radeln er und seine  Frau Özlem Türeci zur Arbeit an der Goldgrube, die bezeichnende Adresse von Biontech. Sahin und Türeci haben das Unternehmen im Jahr 2008 zusammen mit dem Krebsspezialisten Christoph Huber gegründet.

Arbeiten an der Goldgrube

Das dynamische Ehepaar – Sahins Frau ist Biontech-Medizinvorstand – dürfte derzeit an der Goldgrube noch mehr Zeit verbringen als vorher schon. Schließlich hat sich in den vergangenen Monaten vieles verändert: Seitdem das Unternehmen Anfang des Jahres angekündigt hat, in den eigenen Laboren in Mainz an einem Vakzin gegen das Coronavirus zu arbeiten, ging es Schlag auf Schlag. Im März kündigte man an, für die weitere Entwicklung mit dem chinesischen Unternehmen Fosun einen ersten Partner gefunden zu haben, wenig später folgte die Ankündigung, auch mit Pfizer zusammenzuarbeiten.

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