Inhaltsverzeichnis
Ein Bericht sorgt für Begeisterung unter Fans physischer Medien. Der Markt soll über 10.000 Prozent gestiegen sein. Doch der Schein trügt gewaltig.
redaktionelle Arbeit unterstützt. Der Preis für dich bleibt dabei
unverändert. Diese Affiliate-Links sind durch ein Symbol
gekennzeichnet. Mehr erfahren.
Letztens musste ich mit Bedauern feststellen, dass eine bekannte Drogeriemarktkette, die auch für ihre Medienabteilung bekannt ist, in der Filiale bei mir vor Ort den kompletten Bestand an DVDs, Blu-rays und 4K UHDs entfernt hat. Ich konnte mir direkt denken, warum: Über die Jahre war ich fast immer die einzige Person, die nicht bloß an diesen Regalen vorbeilief, sondern auch nach Filmen gestöbert hatte.
Mit der Dominanz von Streamingdiensten, auf die quasi jederzeit und fast überall mit entsprechenden Endgeräten wie Smartphones zugegriffen werden kann, ist der Markt für physische Medien massiv eingebrochen, sowohl im Film-, Gaming- wie auch Audio-Sektor. Doch ein neuer Bericht von TechRadar sorgt aktuell für hohe Wellen in der Film-Community: Da heißt es ganz spektakulär, dass Blu-rays ein Wachstum von 10.000 Prozent verzeichnen würden. „Wahnsinn! Das Streaming ist tot, es lebe die Disc.“
Aber Obacht, ganz so beeindruckend ist es dann doch nicht, wenn man sich die Zahlen genauer durchliest. Das Magazin hatte mit Kath Summersgill von der Key Production Group gesprochen, einem britischen Hersteller physischer Medien für die Unterhaltungsindustrie. Spezialisiert ist das Unternehmen auf die Produktion etwa von Blu-rays, DVDs und Schallplatten. Von ihr stammen auch die 10.000 Prozent:
„Wir haben einen Anstieg der Blu-ray-Verkäufe um über 10.000 Prozent verzeichnet, insbesondere bei Blu-ray Audio. Das gilt für den Zeitraum der vergangenen acht bis zehn Jahre.“
Nicht nur handelt es sich dabei also lediglich um Zahlen, die rein für den britischen Markt relevant sind und einen großen Zeitraum abdecken, sondern auch nicht um Zahlen aus dem direkten Einzelhandel. Hier sind die Zahlen zwar durchaus erfreulich, aber sehr viel ernüchternder: So stieg der Blu-ray-Markt in Großbritannien um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders gefragt sind 4K UHDs mit einem Anstieg von 19,5 Prozent. Und: Auch wenn Blu-ray Audio ein gigantisches Wachstum verzeichnet, bleibt es ein Nischenprodukt.
Stattdessen betreten immer mehr Streamingdienste das Feld. So wie der Arthouse-Streamingdienst MUBI:
Discs wandeln sich vom Massenprodukt zum Sammlerobjekt
Insgesamt doch viel Lärm um nichts also, um es mit den Worten von William Shakespeare zu sagen, oder? Nicht ganz, denn in der Tat kann vor allem in den USA ein gewisser Trend beobachtet werden, der so langsam auch bei uns in Deutschland sichtbar wird.
Schaut man sich die Entwicklung auf dem deutschen Heimkinomarkt an, hat sich auf den ersten Blick nicht wirklich viel getan. Der Gesamtumsatz stieg laut der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) zwar auch 2025 um weitere 2 Prozent, der Anteil physischer Medien wie DVDs und Blu-rays sinkt aber weiterhin deutlich. Den Bärenanteil mit 81 Prozent machen noch immer Streamingdienste wie Netflix, Prime Video und Disney+ aus. Von einer Streaming-Müdigkeit kann also keine Rede sein, genauso wenig von einer echten Renaissance der Disc.
Während sich die DVD erstaunlich hartnäckig zeigt, schält sich ein Premium-Markt heraus: Auch in Deutschland hat sich 4K UHD als Format für leidenschaftliche Sammler*innen etabliert und verzeichnet ein Wachstum von satten 12 Prozent. Hier sind Fans auch bereit, sehr viel mehr für besondere Editionen auszugeben. Bestes Beispiel: Die vorbestellbare Limited Steelbook Edition von „Masters of the Universe“ dominiert die Blu-ray-Charts auf Amazon unangefochten.
© Giles Keyte
Was viele eventuell gar nicht wirklich mitbekommen haben, weil sie etwa nur noch auf Streamingdienste zurückgreifen: Sämtliche großen Hollywood-Studios haben sich mittlerweile vollständig aus dem deutschen Heimkinomarkt zurückgezogen. Sony Pictures, Walt Disney, Universal Pictures, Warner Brothers und Paramount Pictures: Ihre Filme werden hierzulande nahezu vollständig von Leonine Studios und Plaion Pictures auf Disc vertrieben. Diese beiden Unternehmen setzen stark auf die beliebten Sondereditionen, die das Herz der Fans höherschlagen lassen.
Fest steht: Für die Streamingdienste ändert sich rein gar nichts, sie werden so schnell nicht mehr das Feld räumen. Die Disc ist dagegen nicht mehr länger ein Massenprodukt, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem Sammlerobjekt für Heimkino- und Film-Enthusiast*innen; ähnlich wie die Schallplatte.
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Sozialen Medien kategorie besuchen.