US-Zentralbank: Fed senkt Leitzins um 0,25 Prozentpunkte

US-Zentralbank: Fed senkt Leitzins um 0,25 Prozentpunkte

Niemand hatte ernsthaft bezweifelt, dass die Federal Reserve den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte senken würde. Er liegt nun zwischen 3,75 und 4 Prozent und befindet sich nach Einschätzung des Fed-Chefs nicht mehr weit von jenem ominösen neutralen Zins entfernt, der die Wirtschaft weder stimuliert noch bremst. Ganz einmütig fiel die Entscheidung allerdings nicht aus: Stephen Miran, den Präsident Donald Trump erst kürzlich in die Fed entsandt hat, votierte für eine kräftigere Lockerung um 0,5 Prozentpunkte, während Jeffery Schmid, Präsident der Kansas City Fed, eine Zinssenkung ablehnte.

Deutlich kontroverser, so machte Jerome Powell klar, verlief die Debatte über den nächsten Schritt im Dezember. „In den Beratungen des Ausschusses bei dieser Sitzung gab es stark voneinander abweichende Auffassungen darüber, wie es im Dezember weitergehen soll“, sagte Powell auf der Pressekonferenz nach der Sitzung. „Eine weitere Senkung des Leitzinses bei der Dezembersitzung ist keineswegs ausgemacht. Ganz im Gegenteil.“ Damit goss der Fed-Chef kaltes Wasser über jene Finanzmarktakteure, die einen weiteren Zinsschritt als selbstverständlich eingepreist hatten.

Die Zentralbanker unterscheiden sich laut Powell sowohl in ihren Einschätzungen zur konjunkturellen Entwicklung als auch in ihren Risikopräferenzen. Erschwerend kommt hinzu, dass Regierungsstatistiker wegen des Shutdowns nicht arbeiten; die Währungshüter sind daher auf private Daten und offizielle Zahlen aus den Bundesstaaten angewiesen. Dieses Datendefizit trifft Notenbanker, die eine in mancher Hinsicht ungewöhnliche Wirtschaftslage beurteilen müssen.

Der Arbeitsmarkt ist in passabler Verfassung

Die Konsumausgaben erwiesen sich robuster als von den meisten Experten erwartet und stabilisierten so das Wachstum. Üblicherweise hilft dabei ein starker Arbeitsmarkt. Gemessen an der Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent ist dieser tatsächlich in passabler Verfassung. Gleichzeitig aber haben Arbeitssuchende, wie Powell darlegte, große Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden. In den aktuellen Daten zeigen sich bislang keine Massenentlassungen. Die Ankündigungen von Unternehmen wie Amazon und Intel, Tausende Stellen zu streichen, haben sich bisher nicht materialisiert. Zugleich wird jedoch auch nur verhalten eingestellt.

Dass die Arbeitslosenquote dennoch niedrig bleibt, hängt auch mit der Migrationspolitik zusammen: Die Regierung deportiert und schreckt Zuwanderer ab, zugleich sinkt die Erwerbsneigung. Den Unternehmen steht damit ein kleineres Arbeitskräfteangebot zur Verfügung. Erstens ist es schwer, sich daraus einen eindeutigen Reim zu machen, und zweitens noch schwerer, das passende geldpolitische Instrument zu finden: Wenn es nicht genügend Arbeitskräfte gibt, könnte es ins Leere laufen, mit Zinssenkungen die Arbeitskräftenachfrage stimulieren zu wollen. Darüber hätten die Zentralbanker laut Powell diskutiert. Er selbst neigt zu der Ansicht, dass Zinssenkungen dennoch positive Wirkungen entfalten.

Der KI-Boom beflügelt die Börse

Ein weiteres noch nicht ausgedeutetes Phänomen ist der Boom bei Künstlicher Intelligenz. Powell bezweifelt, dass die hohen Bewertungen von Unternehmen in diesem Sektor eine ähnliche Lage markieren wie Ende der 1990er Jahre, als die Internetblase platzte. Damals steckten hinter vielen Kursen vor allem Ideen; heute spiegelten sie erfolgreiche Unternehmen wider. Powell glaubt zudem nicht, dass die entsprechenden Investitionen besonders empfindlich auf Zinsentwicklungen reagieren.

Ohne den KI-Boom sähe es in den USA allerdings verhalten aus. Laut dem Harvard-Ökonomen Jason Furman wurde das Wachstum des US-BIP im ersten Halbjahr 2025 nahezu vollständig durch Investitionen in Rechenzentren und Informationstechnologie getragen. Ohne diese technologiebezogenen Kategorien hätte das BIP-Wachstum nach Furmans Berechnung in einem Beitrag auf X.com auf annualisierter Basis lediglich 0,1 Prozent betragen. Der KI-Boom beflügelt zudem die Börse – und damit das Konsumverhalten der Besserverdienenden, die so zur Stütze der Konjunktur werden.

Unklar bleibt, wie es mit der Inflation weitergeht. Mit 2,8 Prozent lag sie laut Powell über der Zielmarke und im September einen Hauch höher als im Vormonat. Nach seiner Darstellung verteuern Trumps Zölle Güter, während die Preisentwicklung bei Dienstleistungen nachgibt. Offen ist, ob es – lehrbuchgemäß – bei einem Einmaleffekt bleibt oder ob Zweitrundeneffekte entstehen. Mehr weiß man im Dezember – vorausgesetzt, die Regierungsstatistiker arbeiten dann wieder.

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