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Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den berühmtesten Bauwerken des Altertums, doch auch sie haben noch Überraschungen zu bieten. Jetzt haben Archäologen bei einer Untersuchung der Menkaure-Pyramide – der kleinsten der drei Pyramiden – neue Hohlräume entdeckt. Hinter der Granitverkleidung der Ostfassade zeigten Radar-, Ultraschall- und Leitfähigkeitsmessungen zwei Anomalien, die auf luftgefüllte Hohlräume hindeuten. Aus der Lage schließt das Team, dass es sich um einen einstigen zweiten Eingang zur Pyramide handeln könnte.
Die Pyramiden von Gizeh sind das letzte noch erhaltene Weltwunder der Antike und weltberühmt. Die drei Monumentalbauten wurden vor mehr als 4.500 Jahren für die ägyptischen Pharaonen Cheops, Chephren und Menkaure (Mykerinos) errichtet. Die gewaltigen Grabmäler sollten den königlichen Toten als Übergangshilfe ins Jenseits dienen. In ihrem Inneren liegt ein verzweigtes Netz aus Gängen, Kammern sowie Sackgassen, die die Grab- und Schatzkammern vor Grabräubern schützen sollten. Doch was sich im Inneren der drei berühmten Pyramiden verbirgt, ist bis heute nur in Teilen bekannt. Mithilfe neuer Technologien haben Archäologen in jüngster Zeit jedoch mehrere zuvor unerkannte Strukturen entdeckt, darunter einen großen Gang und eine Kammer in der Cheops-Pyramide und einen Gang in der Chephren-Pyramide.

Polierte Fläche an der Ostfassade
Jetzt gibt es auch Neues zur dritten Pyramide von Gizeh, der Pyramide des Pharaos Menkaure, auch Mykerinos genannt. Er war wahrscheinlich ein Sohn des Pharaos Chephren und regierte Ägypten von 2530 bis 2510 vor Christus. Sein Grabmal ist mit 65 Meter Höhe die kleinste der drei Gizeh-Pyramiden. Dafür hat sie eine Besonderheit: Die Stufenpyramide aus Kalksteinblöcken ist im unteren Teil mit Granitplatten verkleidet – die anderen Pyramiden hatten eine Kalksteinfassade. „Ursprünglich bildeten diese Platten 16 bis 18 horizontale Reihen, heute sind nur noch sieben davon erhalten“, berichten Khalid Helal von der Universität Kairo und seine Kollegen.
Die Granitblöcke der Fassadenverkleidung sind meist nur grob behauen und uneben. Doch am derzeit einzigen Eingang der Menkaure-Pyramide an der Nordseite sowie an einer ansonsten unauffälligen Stelle an der Ostfassade sind diese Blöcke auffallend geglättet: „Diese Flächen stechen durch ihre polierten, akkurat eingepassten Blöcke heraus“, berichten die Archäologen. An der Ostfassade ist dieser Bereich rund vier Meter hoch und sechs Meter breit und liegt im unteren Teil der Pyramide. Schon länger vermuten Forschende daher, dass sich vielleicht auch auf der Ostseite der Menkaure-Pyramide ein noch unentdeckter Eingang verbergen könnte.
Zwei Anomalien hinter der Granitverkleidung
Um diesem möglichen Pyramideneingang auf die Spur zu kommen, haben Helal und sein Team die Ostfassade der Menkaure-Pyramide mit drei verschiedenen Technologien durchleuchtet. „Unser Ziel war es, mögliche Hohlräume hinter den auffälligen Stellen zu detektieren“, berichten sie. Zum Einsatz kamen dafür Georadar, Ultraschall und elektrische Widerstandstomografie (EST). „Die Widerstandstomografie misst den elektrischen Widerstand und die Leitfähigkeit von Materialien und kann so Grenzen zwischen Stein und Luft detektieren“, erklären die Archäologen. Mit dieser Technik untersuchten sie einen großen Teil der Ostfassade, um zunächst potenziell auffällige Stellen zu identifizieren. Diese wurden dann mit Georadar und Ultraschall näher analysiert, die beide etwas tiefer eindringen und nähere Informationen über die Struktur liefern.
Das Ergebnis: „Unsere Aufnahmen enthüllten zwei Anomalien direkt hinter den polierten Granitblöcken“, berichten Helal und seine Kollegen. „Sie repräsentieren wahrscheinlich luftgefüllte Hohlräume im Kalksteinbauwerk, die direkt unter der Granitverkleidung der Ostfassade beginnen.“ Der größere Hohlraum ist rund einen Meter hoch und 1,50 Meter breit, der zweite mit 90 mal 70 Zentimeter etwas kleiner. „Es war schwer festzustellen, wie weit diese Anomalien in das Innere der Pyramide hineinreichen“, schreiben die Archäologen. „Denn die Eindringtiefe unserer Methoden reichte dafür nicht aus.“ Ihrer Ansicht nach ist es jedoch durchaus möglich, dass diese Hohlräume zu einem Gang gehören, der ins Pyramideninnere hineinführt.
Möglicher zweiter Eingang
Damit könnte es sich bei den neu entdeckten Hohlräumen um die Reste eines weiteren Eingangs in die Menkaure-Pyramide handeln. „Unsere Entdeckungen bringen uns einen großen Schritt weiter, dies zu bestätigen“, sagt Koautor Christian Große von der Technischen Universität München. „Nach dem bedeutenden Fund einer unbekannten Kammer in der Cheops-Pyramide im Jahr 2023 ist es erneut gelungen, eine wichtige Entdeckung in Gizeh zu machen.“ Nach Ansicht der Archäologen könnte es sich lohnen, dieser neuen Spur genauer nachzugehen und die Ostfassade der Menkaure-Pyramide und ihr Innenleben noch genauer zu untersuchen. „Die Interpretation der entdeckten Anomalien sollte zudem unter Ägyptologen weiter diskutiert werden“, so Helal und sein Team.
Quelle: Technische Universität München; Fachartikel: NDT&E International, doi: 10.1016/j.ndteint.2025.103331
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