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Die aus Afrika eingeschleppte Nilgans ist seit einigen Jahren auch in Deutschland zu Hause. Nun ist die invasive Art hierzulande sogar erstmals weiter verbreitet als die heimische Graugans. Innerhalb von sechs Jahren hat sich ihr Bestand fast verdoppelt, wie aktuelle Zahlen belegen. Zwar darf die Nilgans bereits bundesweit gejagt werden. Es ist allerdings umstritten, ob es sinnvoll ist, die Bestände der gebietsfremden Art durch Jagd zu regulieren.
Die Nilgans (Alopochen aegyptiaca) kommt ursprünglich aus Afrika, fühlt sich jedoch angesichts des Klimawandels seit einigen Jahren auch zunehmend in nördlicheren Gebieten wohl. Die durch den Menschen eingeschleppte gebietsfremde Gänseart siedelt sich daher immer stärker auch in Europa an. Das könnte zu Konflikten mit der heimischen Fauna führen. Denn die invasive Nilgans konkurriert mit anderen Vögeln um Nahrung und Brutplätze. Sie verdrängt dadurch möglicherweise andere Wasservogelarten. Auch in der Landwirtschaft und an Badeseen sorgt die Nilgans für Ärger, weil sie Nutzpflanzen frisst und mit ihrem Kot die Wiesen und Seen verdreckt.

Nilgans auf dem Vormarsch
Nun zeigen neue Zahlen aus dem Jahr 2023: Die Nilgans ist in Deutschland inzwischen weiter verbreitet als die Graugans (Anser anser). Die invasive Nilgans kommt in 54 Prozent der Jagdreviere vor, die heimische Graugans „nur“ in 51 Prozent, wie eine Auswertung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ergab. Knapp 24.000 Jagdreviere deutschlandweit hatten sich an der Erfassung beteiligt; das entspricht etwa einem Drittel der land- und forstwirtschaftlichen Fläche Deutschlands. Demnach hat der Bestand der Nilgans innerhalb von sechs Jahren um knapp die Hälfte zugenommen, der Bestand der Graugans stieg hingegen nur um etwa ein Viertel. Das liege vor allem daran, dass die Nilgans immer mehr Brutreviere erkämpft und inzwischen in 26 Prozent der Reviere brütet, wie der Verband erklärt. Die Graugans brütet hingegen „nur“ in 20 Prozent der Gebiete.
Am häufigsten ist die gebietsfremde Nilgans derzeit im Nordwesten Deutschlands zu finden, vor allem in Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Von dort aus breitet sie sich zunehmend nach Osten und Süden aus. Die heimische Graugans kommt schwerpunktmäßig in der Norddeutschen Tiefebene vor, am häufigsten ebenfalls in Bremen und Hamburg. Die geringste Verbreitung hat die Wasservogelart seit jeher in Baden-Württemberg, Saarland und Thüringen.
Jagd zur Regulation von Beständen?
Im Jahr 2017 hat die EU die Nilgans offiziell in die Liste der gebietsfremden invasiven Arten aufgenommen. Damit einher geht für Deutschland laut DJV die Verpflichtung, ihren Bestand zu kontrollieren und gegebenenfalls einzudämmen, um ökologische und wirtschaftliche Schäden zu verhindern. Derzeit ist die Jagd auf Nilgänse bereits in allen Bundesländern erlaubt, allerdings mit unterschiedlichen Schonzeiten und Regelungen für Jungtiere. Dasselbe gilt übrigens für die Jagd auf heimische Graugänse, nur in Berlin und Thüringen ist diese komplett verboten.

Der Jagdverband fordert nun, die Nilgänse bundesweit „nach einheitlichen Standards“ jagen zu dürfen. Das sei auch aus ethischer Sicht sinnvoller als mögliche spätere Tötungsalternativen. „Vor zehn Jahren hatten wir ein riesiges Gänseproblem in den Niederlanden, verursacht durch ein komplettes Jagdverbot. Die Gänsebestände und damit die Schäden sind explodiert. Zehntausende Tiere wurden schließlich zusammengetrieben und mit Gas getötet. Das ist ethisch fragwürdig, da das Fleisch anfänglich vernichtet wurde und die Tiere einen qualvollen Erstickungstod erleiden mussten“, sagt DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke. Ein Großteil der Deutschen befürwortet einer aktuellen Umfrage zufolge die Bejagung der Nilgans: Acht von zehn Menschen gaben an, dass Jagd ethisch vertretbar sei, wenn Bestände von Tierarten reguliert werden.
Nach Auskunft der Naturschutzorganisation NABU hat die Jagd jedoch kaum einen spürbaren Effekt auf die Ausbreitung von Neozoen wie der Nilgans. Zudem sei es bislang nicht eindeutig erwiesen, dass diese Gänseart ökologische Schäden verursacht: Es gebe keine hinreichenden Belege, dass andere Vogelarten durch die Ausbreitung der Nilgans verdrängt werden. Daher sei es nicht nötig oder gerechtfertigt, den Bestand durch Jagd zu reduzieren. Tatsächlich sind die Bestände der heimischen Graugans in den vergangenen Jahren nicht zurückgegangen, sondern ebenfalls gestiegen – nur eben nicht im selben Tempo wie die der Nilgans.
Quellen: Deutscher Jagdverband, NABU

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