#Vereint in Kabbeleien

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Vereint in Kabbeleien

Amerika, gegründet mit dem Versprechen, „god’s own country“ zu sein, kann man sich amerikanischer kaum vorstellen als in der Kleinstadt Duffy, Georgia, im Bible Belt. Wer in Duffy lebt, geht sonntags zur Kirche, arbeitet beim Rasenmäherhandel „Leckie Lawn Care“ oder im lokalen Supermarkt und greift beherzt zum Gewehr, wenn monströs große Eichhörnchen auf dem Dachboden rumoren. Reich ist hier keiner. Um über die Runden zu kommen, schneiden Hausfrauen Coupons aus. Beim Sender TLC wird das Milieu in Serien wie „Couponing Ex­treme“ vorgeführt.

Die Familiendramaserie „Heels“ von Michael Waldron dagegen schaut auf Duffy und sein Personal, als würde der „American Dream“ an diesem fast verwunschenen Ort ein allzu menschliches Ereignis werden. Man spricht in den acht einstündigen Folgen dieser Starzplay-Serie, die sich enorm Zeit nimmt und lange Einstellungen und längere Dialoge gönnt, wenn es um Bruderzwist und väterliche Misshandlung geht, wie selbstverständlich von Jakob und Esau, der sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkaufte, bevor er um den Segen des Vaters Isaak gebracht wurde. Das Weltbild ist traditionsverhaftet und evangelikal, aber es kann sich dabei auch um doppelte Böden der Kleinstadtbühne handeln. Abgang durch die Gasse wäre möglich, man könnte es aus Duffy hinausschaffen, wenn man wollte, die meisten aber bleiben. In mehr oder weniger hellem Scheinwerferlicht.

Selbstbestimmtes Leben

Zerstreuung verspricht allein Jack Spade (Stephen Amell, „Arrow“), der ein altes Fabrikgebäude in die „Duffy Wrestling League“ umgebaut hat und dort Teilzeit-Wrestling-Zirkusvorstellungen veranstaltet. Die „DWL“ hat ihre Stars, kürt einen „World Champion“ wie die großen Veranstalter, und ihre Kämpfe sind mangels Unterhaltungsalternativen ein noch emotionaleres Spektakel als anderswo in den Staaten. Vor allem aber weiß man in Duffy, dass die Wrestling-Kontrahenten Jack und Ace Spade (Alexander Ludwig, „Vikings“) auch im echten Leben bittere Konkurrenz verbindet. Jack, als „Heel“ in der Bösewichtrolle, schreibt die Scripts der Kämpfe, choreografiert das Ballett in Superheldenkostümen. Ace, ein „Face“, also Publikumsliebling, will groß rauskommen und nicht mehr nach der Pfeife des großen Bruders tanzen. Als „Wild Bill“ (Chris Bauer), Wrestling-Scout und ehemaliger Kampfpartner des Spade-Vaters, Ace nach Florida locken will, schreibt Jack das Drehbuch um. Aus „Kayfabe“ (der Übereinkunft zwischen Kämpfern, Veranstaltern und Publikum, so zu tun, als ginge es um Kopf und Kragen) wird im Ring Ernst. Die Schmerzen scheinen echt, ansonsten aber passiert nicht besonders viel in „Heels“. Nur Jacks Frau Staci (Alison Luff) hat genug davon, dass ihr Mann sämtliches Geld in Nebelmaschinen und Pyrotechnik steckt. Aces Freundin Crystal (Kelli Berglund) emanzipiert sich zur Kämpferin, alte Rivalitäten, Niederschmetterndes, Hoffnung und Ausblicke passieren und münden im Megaauftritt beim Jahrmarkt der „Georgia State Fair“.

Michael Waldron, Schöpfer der Marvel-Hitserie „Loki“, der gerade „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ entwickelt, also ein ausgewiesener Fachmann für Superhelden- und Schurkencomicverfilmungen, setzt mit Regisseur Peter Segal und Kameramann Larry Blanford in „Heels“ auf altmodisches, fast behäbiges Erzählen. Die Wrestling-Serie aus den Tiefen amerikanischer Geschichte(n) konzentriert sich auf das Drama zweier Brüder und ihre überschaubaren Schwierigkeiten, aus vorbestimmten Rollen selbstbestimmtes Leben zu machen. Das Personal ist auch nicht allzu kompliziert gestrickt, aber konsequent und unterhaltsam. Wer gut und wer böse ist, will ausgemacht werden. Verwirrende Abgründe gibt es nicht, stattdessen müssen Werte verteidigt werden: Familie ist es wert, dass man um sie kämpft. Durch die künstliche Welt des Wrestlings kommt man zu sich selbst. Oder nach Duffy, Georgia, wo im Finale alles nach einer Folgestaffel aussieht, die man sich sofort ansehen würde.

Heels ist ab heute bei Starzplay zu sehen.

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