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Die in Europa weit verbreitete Wasserpflanze Groenlandia densa galt im Bodensee lange Zeit als verschwunden und aufgrund schlechter Wasserqualität ausgestorben. Doch Anfang dieses Jahres hat eine Forschungstaucherin das „Fischkraut“ an einer flachen Stelle des Sees durch Zufall wiederentdeckt. Ein halbes Jahr später gedieh dort bereits ein ganzer Unterwasserrasen von Groenlandia densa. Woher diese Population kam, ist noch unklar. Doch ihre rasante Rückkehr weist darauf hin, dass sich Wasserqualität und Zustand des Sees deutlich verbessert haben. Ob sie sich künftig wieder über den ganzen See ausbreiten wird, bleibt abzuwarten.
Die Wasserpflanze Groenlandia densa, landläufig auch „Fischkraut“ oder „Dichtlaichkraut“ genannt, kommt in fließenden Gewässern und Seen vor und ist in Europa weit verbreitet. Bis vor etwa 60 Jahren war die Pflanze auch im Bodensee reichlich zu finden, wie aus historischen Aufzeichnungen hervorgeht. Doch in den vergangenen Jahrzehnten verschwand das Fischkraut peu à peu aus dem Bodensee und galt seit 1993 sogar als verschollen. Seither hat niemand mehr ein Exemplar dieser Wasserpflanze dort gesehen. Wissenschaftler vermuten, dass Groenlandia densa mit den schlechter werdenden Umweltbedingungen im Bodensee nicht zurechtkam. Wahrscheinlich haben ihr die Wasserverschmutzung insgesamt und insbesondere die Ammonium- und Phosphorbelastung des Sees den Garaus gemacht.
Das Fischkraut ist zurückgekehrt
Nun aber hat die Forschungstaucherin Almut Hanselmann von der Universität Konstanz die verloren geglaubte Wasserpflanze bei einem Routinetauchgang im Bodensee wiederentdeckt. Die Forscherin untersucht regelmäßig den Pflanzenbestand an verschiedenen Standorten im See, eigentlich mit Blick auf die klimatischen Veränderungen. Im Januar 2025 fand sie bei einem Tauchgang in der Nähe von Immenstaad jedoch überraschend einen ungewöhnlich grünen Seegrund und das mitten im Winter.

Die Biologin untersuchte daraufhin den dichten Rasen aus Wasserpflanzen genauer, der in vier Metern Tiefe dort wuchs, und stellte fest: Es handelt sich um Exemplare von Groenlandia densa. Diese Pflanze ist wintergrün und übersteht auch die kalte Jahreszeit, wenn viele andere Wasserpflanzen verkümmern. Sie im Winter am Seegrund zu finden, ist daher eigentlich keine Überraschung. Daten aus den vergangenen Jahrzehnten belegen jedoch, dass an genau dieser Fundstelle schon lange kein Fischkraut mehr wuchs. Das Team um Hanselmann schließt daraus, dass Groenlandia densa erst kürzlich ihren Weg zurück in den See gefunden hat.
Woher Groenlandia densa in den Bodensee zurückgekehrt ist, ist noch unklar. „Eine Ausbreitung über die Zuflüsse könnte die Wiederbesiedelung im Bodensee vorangetrieben oder beschleunigt haben“, erklärt Hanselmann. Die Pflanze könnte zum Beispiel aus den Zuflüssen Argen, Rotach oder Schussen bis nach Immenstaad gelangt sein. Eine andere Möglichkeit ist, dass sie nie wirklich weg, sondern nur in einer Art Dornröschenschlaf war. Denn die Samen von Groenlandia densa können theoretisch lange Zeit in den Sedimentschichten des Sees überdauert und „schlummernd“ auf bessere Zeiten gewartet haben. „In dem Moment, wenn wieder die richtigen Bedingungen herrschen, können die Samen austreiben, die über Jahrzehnte und teils über Jahrhunderte im Sediment lagerten“, schildert Hanselmann. Bei Groenlandia densa könnte genau dies der Fall gewesen sein.
Ist die Rückkehr von Dauer?
Aber wird die wiederaufgetauchte Pflanze bleiben und sich künftig auch an anderen Stellen des Sees wieder ansiedeln? Um das herauszufinden, wird das Forschungsteam die Population von Groenlandia densa in den kommenden Jahren im Auge behalten. Für eine dauerhafte Rückkehr im ganzen See spricht, dass sich die Wasserqualität des Bodensees in den letzten 40 Jahren verbessert und der Seegrund insgesamt wieder begrünt hat, wie langjährige Exkursions- und Probendaten zeigen. Sowohl die Ammonium- als auch die Phosphorbelastung des Sees hat abgenommen. Dadurch könnten sich nun auch ursprüngliche Arten wie Groenlandia densa wieder ansiedeln, hoffen die Biologen. Tatsächlich zeigten weitere Tauchgänge an der Fundstelle im Juni 2025, nur rund sechs Monate nach dem ersten Fund, dass die „alte neue“ Wasserpflanze sich in der Zwischenzeit dort weiter ausgebreitet hatte und bereits wieder in üppiger Zahl vorkam.
Für die Umwelt im und am Bodensee ist das eine gute Nachricht: „Das Wiederauftauchen der Pflanze Groenlandia densa ist ein gutes Zeichen für die Rückkehr des Sees in seinen natürlichen Zustand“, erklärt Hanselmann. „Wasserpflanzen bedeuten immer eine Aufwertung des Ökosystems.“ Denn die Pflanzen produzieren Sauerstoff für den See und befestigen mit ihren Wurzeln seine Sedimente. Zudem dienen Wasserpflanzen wie das Fischkraut als Nahrung, Lebensraum und Schutzraum für zahlreiche Tierarten unter Wasser, von Mikroorganismen über Schnecken bis hin zu Fischen. Dadurch fördern die Pflanzen die Biodiversität im See, welche sich zuletzt tatsächlich messbar verbessert hat. „Die Rückkehr der Artenvielfalt ist ein Nachweis für die positiven Veränderungen im Bodensee – und ein deutliches Indiz dafür, dass die Renaturierungsmaßnahmen sich auszahlen“, so Hanselmann.
Quelle: Universität Konstanz
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