Vor der Sommerpause legt die EZB eine Zinspause ein

Vor der Sommerpause legt die EZB eine Zinspause ein

Alles andere hätte die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt. In ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag legte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Zinspause ein.

Somit verharrt der Einlagensatz, den die Banken für ihre Einlagen in der Notenbank bekommen und der Auswirkungen auf die Sparzinsen hat, bei  2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken gegen Sicherheiten Geld von der Notenbank leihen können, beträgt 2,4 Prozent. Und der Spitzenrefinanzierungssatz für Übernachtausleihungen der Banken liegt bei 2,65 Prozent. Fast alle geldpolitischen Beobachter hatten mit einer Zinspause im Juli gerechnet.

In einer ersten Mitteilung der Notenbank hieß es, dass die Aussichten für die Energiepreise zwar sehr volatil seien. Sie liegen aber derzeit in der Nähe des Basisszenarios der von Fachleuten des Eurosystems erstellten Projektionen vom Juni.

Trotz weiterer Anspannung angemessen

„Die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus ist trotz der erneuten Anspannung der Konfliktlage im Nahen Osten angemessen“, sagte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Trotz gestiegener Energiepreise sei das Basisszenario der EZB mit einer Inflation von rund drei Prozent im laufenden Jahr und einem Rückgang im Jahr 2027 weiterhin realistisch. Aktuelle Zinsänderungen seien daher nicht naheliegend.

Die EZB hatte die Leitzinsen auf ihrer Sitzung im Juni nach einer einjährigen Zinspause um jeweils einen Viertelprozentpunkt angehoben. Damals begründete EZB-Präsidentin Christine Lagarde den Schritt mit der Inflation. „Wir haben Inflation, die zu hoch ist für unsere Bürger“, sagte sie im Juni. Die Inflation in der Eurozone ist im Juni zwar auf 2,8 Prozent von 3,2 Prozent im Mai gesunken, liegt aber immer noch über der Zielmarke der EZB von zwei Prozent.

„Der Preisdruck im Euroraum ist zurückgegangen und hat sich dem Inflationsziel der europäischen Notenbank angenähert. Zugleich belasten der erneut aufflackernde Irankrieg und der Zollstreit die Wirtschaft. Deshalb ist es richtig, den geldpolitischen Kurs unverändert zu lassen“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Er erachtet es für sinnvoll, dass die EZB die Wirkung der bisherigen geldpolitischen Entscheidungen abwartet, statt direkt nachzusteuern. Er verweist auch auf sich stabilisierende Finanzierungsbedingungen.

Was passiert im September?

Die Augen der Marktteilnehmer richten sich nun auf die geldpolitische Sitzung im September. Hier wird mehrheitlich noch mit einer weiteren Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte gerechnet. „Das Inflationsbild signalisiert laut Walk derzeit auch nicht, dass die EZB auf der Sitzung im September den Leitzins anheben sollte“, sagte Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management. Für ihn sei lediglich eine Arbeitslosenquote von nur 6,2 Prozent – der niedrigste Stand seit Einführung des Euro im Januar 1999, ein Argument für eine Zinserhöhung. Ein enger Arbeitsmarkt gekoppelt mit einer erhöhten Inflation könne Zweitrundeneffekte und damit eine Lohn-Preis-Spirale auslösen.

Herkenhoff vom Bankenverband plädiert für eine Fortsetzung des „besonnenen Kurses“ der EZB. „Nur stabile Preise schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und verlässliche Finanzierungsbedingungen im Euroraum.“

In der Mitteilung der EZB gab es erwartungsgemäß keinen Hinweis auf das weitere Vorgehen: „Die Zinsbeschlüsse des EZB-Rats werden auf seiner Beurteilung der Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken, vor dem Hintergrund aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten, sowie der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission basieren. Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.“

Bei den Sparern ist die Juni-Zinsanhebung der EZB aber noch nicht vollumfänglich angekommen. Denn laut einer Erhebung des Vergleichs- und Maklerportals Verivox hat eine deutliche Mehrheit der 823 ausgewerteten Banken und Sparkassen die letzte Leitzinserhöhung bislang nicht an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben. Seit dem EZB-Entscheid im Juni hätten lediglich 17 Prozent aller Geldhäuser ihre Tagesgeldzinsen erhöht – im Schnitt um 0,18 Prozentpunkte.

Während die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen infolge dieser Zurückhaltung nur geringfügig auf 1,38 Prozent gestiegen sind, liegen laut Verivox die Festgeldzinsen über alle Laufzeiten hinweg oberhalb des EZB-Einlagenzinssatzes. Das gab es zuletzt kurz nach dem Ende der Nullzins-Ära im zweiten Halbjahr 2022.

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