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Moderne Wärmepumpen können Heizkosten deutlich senken – besonders in gut gedämmten Häusern. Trotzdem werden sie noch immer nicht so häufig eingebaut, wie politisch gewünscht, und seltener als Gasheizungen, zeigt eine aktuelle Erhebung. Woran liegt das und wie kann die Wärmewende weiter vorangetrieben werden?
Im Zuge des Klimaschutzes sollen Häuser in Deutschland nach und nach besser gedämmt werden, sodass sie weniger Wärme verlieren. Politiker hatten sich 2010 das Ziel gesetzt, jährlich zwei Prozent aller Eigenheime dahingehend energetisch zu sanieren. Zudem sollen nachhaltigere Heizungstechniken eingebaut werden, die auf fossile Brennstoffe verzichten und dadurch weniger Emissionen verursachen. Eine Option sind dabei Wärmepumpen, die als klimafreundliche Schlüsseltechnologie zur Wärmewende gelten.
Doch wie steht es inzwischen um die Heizungswende? Wie viele Wärmepumpen wurden bislang in Deutschland verbaut und welche Kosten und Hürden für die Wärmewende sind mit den derzeitigen Energiegesetzen verbunden? Das haben Forschende um Kathrin Kaestner vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung im Rahmen des Kopernikus-Projekts Ariadne untersucht, das in der Energiewende Orientierung und Entscheidungshilfen liefern soll. Dafür befragten die Wissenschaftler im Herbst 2024 rund 15.000 repräsentativ ausgewählte Haushalte in ganz Deutschland.
Wärmewende stagniert derzeit
Das Ergebnis: Im Jahr 2024 wurden nur 1,1 Prozent der Eigenheime energetisch saniert und nur 1,3 Prozent aller bereits bestehenden Gebäude mit einer neuen Heizung ausgestattet. Damit wurde das Zwei-Prozent-Ziel bei der Dämmungs-Sanierung erneut verfehlt. Erreicht wurde es bisher ohnehin noch nie. Im Jahr 2022 erhielten aber immerhin 4,6 Prozent aller Häuser eine neue Heizung – ausgelöst durch die Energiekrise infolge des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und das im Jahr 2021 verschärfte Gebäudeenergiegesetz, wie das Team erklärt.
„Der starke Rückgang seither schließt sowohl fossile Heizungen als auch Wärmepumpen mit ein“, erklärt Kaestner. „Das weist darauf hin, dass fehlende Informationen zu Förderprogrammen, aber auch politische Unsicherheiten rund um das Thema Klimapolitik, Gebäudeenergiegesetz und kommunale Wärmeplanung, die politisch gewollte Wärmewende bremsen.“ Demnach sind viele Hausbesitzer von der politischen Lage und der Preisentwicklung verunsichert und scheuen dadurch derzeit Investitionen in die Gebäudesanierung.
Doch obwohl insgesamt zu wenige Gebäude saniert und Heizungen ausgetauscht wurden, hat die Wärmepumpe im Vergleich zu fossilen Energieträgern immerhin aufgeholt. Während bis 2023 noch deutlich weniger Wärmepumpen als Heizungen auf Basis von Öl, Gas oder Pellets eingebaut wurden, lagen beide Techniken im Jahr 2024 erstmals nahezu gleichauf: 0,5 Prozent aller Haushalte erhielten eine Wärmepumpe und 0,7 Prozent eine neue fossile Kessel- oder Boilerheizung. Unterm Strich bleiben die Wärmepumpenbesitzer mit sechs Prozent aber immer noch eine klare Minderheit, die überwiegende Mehrheit der befragten deutschen Haushalte heizt weiter mit Gas oder Öl (43 und 13 Prozent) sowie mit Fernwärme (20 Prozent).
Heizkosten sparen mit einer Wärmepumpe
Die Analyse ergab auch, wie viel Geld sich beim Heizen sparen lässt: Im Schnitt aller Heizarten betrugen die Kosten 17,70 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Damit ist das Heizen im Schnitt 4,1 Prozent teurer pro Quadratmeter als noch im Vorjahr. Dabei schneidet die Wärmepumpe aber deutlich günstiger ab: Haushalte mit Wärmepumpe zahlten 2024 fürs Heizen durchschnittlich nur 13,80 Euro, Haushalte mit Gasheizung hingegen 16,90 Euro und mit Fernwärme sogar 20,60 Euro. „Hauptursache für die höheren Kosten bei der Fernwärme dürften die hohen Preise für die Fernwärme sein, die in den letzten Jahren stark gestiegen sind“, so das Team. Entsprechend wurden 2024 auch so gut wie keine neuen Fernwärmeheizungen mehr installiert (0,03 Prozent aller Gebäude).
„Die niedrigeren Heizkosten bei den Wärmepumpen sind mitunter darauf zurückzuführen, dass diese wirtschaftlich nur in Gebäuden mit höherer Energieeffizienz und verbesserter Wärmedämmung eingesetzt werden können“, sagt Christian Oberst vom Institut der deutschen Wirtschaft. In solchen modernen und gut gedämmten Häusern sind Wärmepumpen bereits die beliebteste Heizungstechnologie und verursachen wegen der besseren Dämmung und Energieeffizienz auch vergleichsweise geringe Kosten. Schon 2023 hatten 65 Prozent dieser Gebäude eine Wärmepumpe, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen. Seit 2024 ist ohnehin gesetzlich vorgeschrieben, dass 65 Prozent aller Neubauten mit erneuerbarer Heizenergie ausgestattet sein müssen.
Ungleichverteilung der Kosten
Die Unterschiede bei den Heizkosten treffen besonders ärmere Menschen, die tendenziell eher in älteren und unsanierten Häusern leben und sich trotz Förderung eine Sanierung oft nicht leisten können – oder sich in Mehrfamilienhäusern nicht einigen können, wie das Team vermutet. Einkommensschwache Haushalte zahlten daher 2024 durchschnittlich 20 Euro je Quadratmeter und Jahr, wohlhabendere Haushalte hingegen nur rund 16 Euro je Quadratmeter, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.
Den bestehenden CO2-Preis auf Heizenergie, der das Heizen vor allem mit fossilen Techniken noch teurer macht, lehnten Haushalte mit höheren Heizkosten entsprechend eher ab, proportional zu ihrem geringerem Einkommen. Umgekehrt stimmten Haushalte mit niedrigen Heizkosten und hohem Einkommen, beispielsweise Besitzer von emissionsarmen Wärmepumpen oder Fernwärmebezieher, dem CO2-Preis zu, weil sie durch ihn nur wenig belastet wurden. Damit zeigt sich ein sozioökonomisches Ungleichgewicht auch in der Wärmewende, so das Forschungsteam.
Politik muss bei der Wärmewende die Kosten im Blick behalten
Kaestner und ihr Team schließen aus den Ergebnissen, dass die energetische Modernisierung der Gebäude in Deutschland zwar punktuell voranschreitet, jedoch dringend beschleunigt werden muss, um die Klimaziele zu erreichen. Dafür fehlen vielen Hausbesitzern aber offenbar verlässliche Informationen sowie die finanziellen Möglichkeiten oder Anreize. „Damit klimapolitische Maßnahmen wie energetische Sanierungen und der Austausch alter Heizsysteme breite Unterstützung finden, müssen bestehende Hürden sowie die Kostenbelastungen stärker berücksichtigt werden. Nur so lässt sich langfristige gesellschaftliche Akzeptanz sichern“, so das Team.
Politiker planen im Zuge der Energiewende zudem, den seit 2021 bestehenden nationalen CO2-Preis für Gebäude ab 2027 in den europäischen Emissionshandel zu integrieren. Das wird den Betrieb von Öl- und Gasheizungen in Deutschland langfristig noch teurer machen. Auch im Zuge dessen empfehlen die Forschenden, die Barrieren für energetische Sanierungen und Heizungstausch bei weiteren Gesetzen und Fördermaßnahmen in Deutschland zu berücksichtigen.
Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Fachartikel: „Fokusreport Wärme und Wohnen 2024: Zentrale Ergebnisse aus dem Ariadne Wärme- & Wohnen-Panel“

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