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Wer war der beste Spieler der Saison? Das ist die Frage, die das französische Fußballmagazin „France Football“ Jahr für Jahr 100 Journalistinnen und Journalisten stellt. Aber vor allem ist das eine Spielerei, an der sich viel mehr beteiligen. Das Schöne an dieser Spielerei ist, dass man auch dieses Mal 100 Beteiligte hätte fragen und 100 unterschiedliche Antworten hätte erhalten können, weil es keine Formel gibt, mit der man den Besten der Besten und damit den Sieger des sogenannten Ballon d’Or findet.
War es der französische Stürmer Ousmane Dembélé (Paris Saint-Germain), der spektakulärste Spieler der spektakulärsten und erfolgreichsten Mannschaft? War es der spanische Stürmer Lamine Yamal (FC Barcelona), der mit dem Ball Bewegungen macht, die sonst keiner machen kann? Oder war es doch der portugiesische Mittelfeldspieler Vitinha (Paris Saint-Germain), der nicht so spektakulär spielt wie Dembélé, aber für den Erfolg der Mannschaft mindestens so wichtig war? Das wäre wirklich eine schöne Spielerei. Schade, dass sie nicht mehr nur das ist.
Das ist wohl der moderne Fußball
Im Théâtre du Châtelet in Paris ist am Montagabend am Ende einer Gala verkündet worden, dass Dembélé die Abstimmung vor Yamal und Vitinha gewonnen hat. Dadurch ist, sofern es stimmt, was das amerikanische Medienunternehmen „ESPN“ im Mai veröffentlicht hat, zumindest Yamal sehr viel Geld entgangen. Seit er damals seinen Vertrag mit dem FC Barcelona verlängert hat, soll er für den Gewinn des Ballon d’Or einen Bonus von einer Million Euro erhalten haben. Und wer weiß, wie viele Millionen dem FC Porto entgehen, der Vitinha schon 2022 an Paris Saint-Germain verkauft hat? Bei solchen Geschäften wird nicht selten vereinbart, dass der Käufer- dem Verkäuferklub einen Zusatzbetrag zahlen muss, wenn der Spieler nach seinem Wechsel zum Weltfußballer gewählt wird.
Man könnte einerseits sagen, es sei verschmerzbar, wenn ein Multimillionär wie Yamal auf die nächste Million verzichten müsse. Doch man sollte sich andererseits auch fragen, warum das Urteil von nur 100 Journalistinnen und Journalisten mit solchen Summen verknüpft wird. Das ist wohl der moderne Fußball: Selbst die schönste Spielerei wird vom großen Geld verdorben. Das ist allen, die die Gala am Montag angeschaut haben, immer wieder vor Augen geführt worden. Weil es zum ersten Mal einen sogenannten „Presenting Partner“ gegeben hat. Dreimal dürfen Sie raten, wer das war – einmal wird reichen.
Fast wäre Qatar der große Gewinner gewesen
Es ist alles andere als ein Zufall, dass die staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways sich in dem Jahr groß ins Bild setzen lässt, in dem Paris Saint-Germain wegen des Geldes des staatlichen Investmentfonds Qatar Sports Investments die Champions League gewonnen hat. So gab es neben dem Preis für den besten Spieler (Dembélé) auch den für den besten Torhüter (Gianluigi Donnarumma), den besten Trainer (Luis Enrique) und das beste Team. Und so wäre es die Pointe der Gala geworden, wenn am Ende wieder Qatar als der große Gewinner erschienen wäre. Aber da war noch eine Frau aus Spanien.
Aitana Bonmatí, Mittelfeldspielerin des FC Barcelona, ist am Montag schon zum dritten Mal in Serie zur besten Fußballspielerin der Welt gewählt worden. Als sie klein war, schaute sie zu Xavi und Andrés Iniesta auf, zu Männern, weil es für Mädchen wie sie im Fußball keine Frauen zum Aufschauen gab. In ihrer Dankesrede sagte sie, dass die Mädchen von heute anders als die Mädchen von damals daran glauben dürfen, als große Fußballspielerinnen in einem großen Fußballstadion zu spielen. Wenn nur ein paar Mädchen mit dem Fußball weitermachen oder sogar anfangen, weil sie Aitana Bonmatí bei der Gala gesehen haben, dann ist diese Veranstaltung vielleicht doch erhaltenswert.
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