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Herr Feda, wenn Sie jemandem Frankfurt als Urlaubsziel empfehlen wollen, was sagen Sie sagen dann über die Stadt?
Dass Frankfurt ideal ist für eine Kurzreise, für zwei bis drei Tage. Wir bieten Kultur, Stadterlebnis, Shopping, Gastronomie, Kulinarik. Auch die Kompaktheit und kurzen Distanzen sind Argumente, das hat ein Kollege aus einer anderen deutschen Großstadt gerade erst wieder gelobt.
Was wären denn die drei Dinge, die man auf keinen Fall verpassen sollte?
Der Römerberg mit der Neuen Altstadt ist ein Muss. Das Museumsufer auch. Und der Palmengarten. Zusätzlich sollte man sich auch noch einen Trip in die Region, den Rheingau, den Taunus oder den Spessart, gönnen. Am besten bleibt man also direkt doch noch eine Woche.
Gibt es auch kulinarische Tipps?
Kulinarisch empfehle ich immer ganz gerne Grüne Soße, weil ich die selber mag. Als Franke, der gerne Fleisch isst, rate ich natürlich auch zu Frankfurter Würstchen.
Und wenn es jemand edler mag?
Da sind wir bestens aufgestellt: Wir haben unter anderem neun Sterne-Restaurants. Die Nummer eins ist für mich das Lafleur, das sage ich ganz offen. Das ist ein Flaggschiff. Aber auch das Yaldy ist einen Besuch wert. So wie ich überhaupt das Bahnhofsviertel, wo wir unser Büro haben, gerne empfehle, weil man hier ausgezeichnet essen und unter zig verschiedenen Nationalitäten wählen kann. Da fühle ich mich kulinarisch sehr wohl, es ist einen Besuch wert.

In Tourismus-Rankings steht Frankfurt oft weit oben, weil die Übernachtungszahlen statistisch eine große Rolle spielen. Ist das wirklich Tourismus oder vor allem Folge des Messestandorts?
Es klingt erst mal wie ein Widerspruch. Entweder ist man ein Messe- und Tagungsstandort, oder man ist Touristenziel. Aber das stimmt so nicht mehr. Wir waren kürzlich in Zürich, einer Stadt, die vor 30 Jahren stark als Bankenstadt wahrgenommen wurde. Die haben es geschafft, Kultur, See und Altstadt einzubeziehen zur Verbesserung ihres Images hin zu einer attraktiven Stadt. In Frankfurt ist es ähnlich: Wir sind Wirtschaftsstandort und Tourismusdestination. Vor 20 Jahren besagten die Statistiken noch: 15 Prozent Privatreisende, 85 Prozent Geschäftsreisende. Jetzt haben wir 40 Prozent Privatreisende und 60 Prozent Business-Gäste.
Liegt der sinkende Anteil an Geschäftsreisenden nicht auch an der geringeren Zahl an großen Messen?
Wir haben mehrere Weltleitmessen, Tausende Tagungen und Kongresse jährlich in der Stadt, da haben wir sogar zugelegt. Auch wenn der prozentuale Anteil der Geschäftsreisenden am Gesamtübernachtungsvolumen gesunken ist, so ist die Anzahl der Geschäftsreisenden in den vergangenen 20 Jahren um rund 90 Prozent gestiegen. Die Messe ist ein Glücksfall für die Stadt und bleibt einer der zwei wichtigsten touristischen Treiber. Da gehört der Flughafen natürlich dazu.
Welche Rolle spielt die Kultur?
Der Kulturstandort ist für das Wochenende ebenso wichtig. Da haben wir noch Entwicklungspotential bei der Vermarktung. Im Gegensatz zu Städten wie Hamburg, Berlin und München, die mit die höchsten touristischen Erwartungen wecken, können wir noch überraschen und auch noch viel bewegen.
Braucht Frankfurt eine Art Elbphilharmonie?
Die Kulturmeile mit dem Neubau des Schauspiels ist eine Riesenchance. Das müsste aus meiner Sicht nicht unbedingt eine Elbphilharmonie werden, aber das Gebäude braucht schon eine Strahlkraft.
Wie weit hängt der Tourismus noch der Zeit vor Corona hinterher?
Wir haben 2024 Rekordzahlen bei den Gäste- und Übernachtungszahlen gehabt.
Dank der Fußball-EM . . .
Die EM hatte natürlich einen Sondereffekt. Wir hängen aktuell bei den Übernachtungen im Vergleich zwei Prozent zurück. Aber mal abwarten. Im zweiten Halbjahr kommt Sibos, ein sehr großer Kongress des Finanzdienstleisters Swift, zu uns, einer der größten, den wir je bei uns gehabt haben. Ich bin zuversichtlich, dass wir gar nicht so weit zurückbleiben. An die elf Millionen Übernachtungen könnten wir wieder herankommen, auch ohne EM. Das wäre schon stark.
Messen und andere Großveranstaltungen sorgen für hohe Hotelpreise, ist das ein Problem?
Wir sind im Vergleich zu anderen Großstädten preiswert. Der Freizeittourismus kommt überwiegend am Wochenende, wenn Messe und Wirtschaft nicht vorrangig für Übernachtungen sorgen. Auch Veranstaltungen im Deutsche Bank Park haben ihre Effekte, mittlerweile finden da im Sommer viele Großveranstaltungen neben dem Fußball statt. Bei einem Konzert, zum Beispiel von Helene Fischer in 2023, war die durchschnittliche Auslastung in den Hotels bei 88 Prozent am Wochenende und damit deutlich höher als ohne das Konzert. Bei Bruce Springsteen dürfte das vor Kurzem ähnlich gewesen sein.
Kann die geplante Multifunktionsarena da weitere Chancen eröffnen?
Wir werden zukünftig mehr Kapazitäten benötigen für große Kongresse und Firmenevents. Deshalb wäre ich schon froh, wenn die Multifunktionsarena so schnell wie möglich kommt, nicht nur im Hinblick auf Sport, sondern als echte Multifunktionshalle auch für Musikveranstaltungen und als Ergänzung für Kongresse und Tagungen.
Tourismus und Kongress stehen im Namen Ihrer Gesellschaft, zudem organisieren Sie die großen Volksfeste der Stadt, wie wichtig sind die?
Das Geschäftsfeld Volksfeste ergänzt wunderbar unseren Auftrag. Wir vermarkten damit Frankfurt national und international und sind zugleich städtischer Dienstleister für große Veranstaltungen. Besonders das Museumsuferfest und der Frankfurter Weihnachtsmarkt tragen zu höheren Belegungszahlen bei. Wir bieten den Bürgerinnen und Bürgern damit eine Auszeit vom Alltag.
Die Feste sind auch Ihre Haupteinnahmequelle.
Das stimmt. Wir haben noch weitere Einnahmequellen durch das Hotel-Reservierungssystem oder Gästeführungen. Aber die Standmieten sind die Haupteinnahmequelle. Auf der anderen Seite kosten die Feste aber auch viel Geld für Infrastruktur, Logistik, Sicherheit, was wir im Auftrag der Stadt investieren, um die Volksfeste zu bewahren. Darum hat mich auch der Rückhalt in der Bevölkerung zum Erhalt der Dippemess gefreut.
Wenn Sie international auf Tourismusmessen werben, werden die Volksfeste keine Rolle spielen. Wie wird Frankfurt dort wahrgenommen?
Volksfeste spielen durchaus eine Rolle, insbesondere der Weihnachtsmarkt und das Museumsuferfest. Wir haben ungefähr 44 Einsätze im Jahr bei Messen, Workshops oder Roadshows. Meine Mitarbeitenden fahren zum Beispiel nach Brasilien, in die Arabischen Emirate oder nach Asien. Da muss Frankfurt jeweils anders vermarktet werden. Wir müssen uns da den unterschiedlichen Interessen und Zielgruppen anpassen.
In China ist noch immer das Thema Shopping sehr wichtig. Da genießt Frankfurt einen guten Ruf, aufgrund des Flughafens sind wir in China bekannter als Berlin. In England sind die Themen Gastronomie und Kultur wichtig. Der arabische Markt hat zum Thema Kultur weniger Affinität. Da geht es mehr um Gesundheit, Shopping und Luxus im Hotelsegment.
Bietet Frankfurt da genug?
Ja. Es entstehen gerade weitere neue Luxusunterkünfte, wie zum Beispiel The Florentin, das Taj Grandhotel Hessischer Hof und das Kennedy 89. Und das Kimpton ist bereits am Start. Wir haben 15 Luxushotels. Das sind mehr als 6500 Betten in diesem Segment. Damit sind wir gut aufgestellt.
In einem beliebten Dreiklang werden gerne London, Paris, New York als die erste Liga der Metropolen genannt. Wie sähe denn die Liga aus, in die Frankfurt gehört?
Wir sind eine Weltstadt, können uns aber mit den Übernachtungszahlen der Weltmetropolen nicht vergleichen. Europaweit werden wir immer auf den Plätzen zwischen 10 und 15 gelistet. Städte wie Wien, Prag, auch München und Hamburg, Berlin sind vor uns. Uns ordne ich auf Höhe mit Amsterdam und Budapest ein und Mailand oder Madrid – da sehe ich Frankfurt.
Fehlen Frankfurt im Vergleich zu den großen Metropolen Insta-Spots als Währung für junge Menschen?
Nein, Frankfurt hat die Skyline, aber auch weitere Möglichkeiten, die Stadt als solche zu inszenieren. Wir haben immer mehr Rooftop-Bars, die attraktive Spots sind. Auch deshalb machen wir am 23. August den ersten Frankfurter Rooftop Day, Zürich macht so was schon länger. In Deutschland kann das nur eine Stadt, und das ist Frankfurt. Wir haben 35 Rooftops schon dabei, vom kleinen Belvederchen in der Neuen Altstadt über den unbekannten Balkon des Oberbürgermeisters bis hin zu Hochhäusern.
Die TCF wirkt wie eine Gute-Laune-Agentur. Ist das der entscheidende Unterschied zu früheren Bemühungen in Behörden wie dem Verkehrsamt?
Vieles hat sich massiv geändert. Bis 1995 waren wir noch das Verkehrsamt. Das Bewusstsein war noch weniger ausgeprägt, dass eine Stadt wie Frankfurt ein attraktives Städtereiseziel sein kann. 2006 war der Wendepunkt für ganz Deutschland. Die Fußball-Weltmeisterschaft hat die Wahrnehmung von Deutschland komplett gedreht. Der Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ hallt bis heute nach. Wir haben seit 2007 in unseren Aktionsplänen den Fokus stärker auf Individualreisen gelegt, um die geringe Auslastung der Hotels an Wochenenden zu steigern. Das ist uns gelungen. Es ist aber ein andauernder Prozess, und ich verweise noch mal auf Zürich, das auch schon länger erfolgreich daran arbeitet.
Zürich hat aber sein Drogenproblem im Griff. Welche Rolle spielt das Thema für den Tourismus?
Wir sind mittendrin im Bahnhofsviertel. Die Kaiserstraße ist die Eingangsschneise in die Innenstadt. Bis 2019 hat sich das Bahnhofsviertel touristisch gut entwickelt. Und ich merke auch jetzt, dass sich nach Corona wieder etwas bessert. Das geht nicht von heute auf morgen, aber ich bin sicher, dass auch der Umbau des Hauptbahnhofs einen wichtigen Beitrag leisten wird. Das geplante Suchthilfezentrum ist sicherlich ein polarisierendes Thema, aber gleichzeitig ein Baustein, um den Problemen entgegenzuwirken.
Wo soll ein Frankfurter hinfahren, um mal zu lernen, wie Frankfurt mal werden könnte? Gibt es irgendwo in der Welt eine Stadt, die Ihrer Vision von Frankfurt nahekommt? Ist es dann Zürich?
Nein. Zürich habe ich nur öfter erwähnt, weil es ein Finanzstandort ist und die Stadt das Image umdrehen konnte. Aber es gibt dort keine Skyline. Da ist Frankfurt schon einmalig und unvergleichbar. Man wirft uns dennoch immer mal wieder vor, dass wir die Stadt ohne Claim seien.
So wie „München – Weltstadt mit Herz“ wollen Sie nicht sein?
Oder „Hamburg – Tor zur Welt“! Bringt uns das weiter? Wir wollen uns gar nicht so vergleichen, sondern eigenständig sein. Und deshalb positionieren wir uns als ganz besondere Stadt im Spannungsfeld zwischen Business und Tourismus. Und ich bin sicher, dass der Imagewandel Frankfurts von der nüchternen Bankenstadt zur Erlebnismetropole für sich spricht.
Sprechen Sie doch mal den einen oder anderen Hoteldirektor in der Stadt an. Da kamen einige nach Frankfurt, fühlten sich anfangs fast ein bisschen strafversetzt und erzählten mir, dass sie hier nur kurze Zeit sind und dann schnell wieder in andere Stadt wechseln. Erstaunlich viele Hoteldirektoren sind letztlich länger in Frankfurt geblieben, und wenn ich sie heute damit ein wenig aufziehe, dann geben sie etwas zerknirscht zu, dass sie sich in dieser Stadt sehr wohlfühlen. Das ist für mich ein gutes Zeichen für die Attraktivität von Frankfurt.
Zur Person
Thomas Feda leitet seit 2007 die Tourismus und Congress Frankfurt GmbH. Der 58 Jahre alte Franke, der zuvor für die Frankfurter CDU tätig war, ist mit seinem Team zuständig dafür, die Stadt national und international als Ziel für Geschäftsreisen, Kongresse, Messen und Städtereisen zu vermarkten. Die Gesellschaft bietet ein Buchungsportal für Hotels und Stadtführungen und betreibt die Touristeninformation. Darüber hinaus organisiert das städtische Unternehmen die Volksfeste der Stadt wie das Mainfest, das in der nächsten Woche beginnt, den Wäldchestag, das Museumsuferfest und den Weihnachtsmarkt, aber auch Sonderveranstaltungen wie die Fanmeile zur EM oder demnächst die Rooftop-Nacht.
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