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„Warum ignoriert die Politik die Jugend so sehr?“
Wenn man jung ist, hat man manchmal den Eindruck, in einem Jahr kann sich soviel Erlebnis- und Erfahrungskapital ansammeln wie für andere nur in einem Jahrzehnt. Das eine grandiose Konzert, die eine unverhoffte Begegnung, die eine ungeplante Party – und plötzlich steht das ganze Leben Kopf, alles kann für immer anders sein. Und morgen vielleicht schon wieder. Denn in diesem Alter scheinen an jeder Ecke epochale Chancen und lebensverändernde Momente zu warten. Alles ist wichtig, alles ist entscheidend. Wenn nicht gerade Pandemie ist: Dann herrscht das große Nichts – verlorene Zeit, die einem niemand ersetzen kann.
Man könnte also getrost behaupten, dass Jugendliche in den vergangenen eineinhalb Jahren besonders intensiv unter den Begleitumständen von Corona gelitten haben, obwohl sie selbst in weitaus geringerem Maße von dem Virus bedroht waren als der Rest der Gesellschaft. Die meisten von ihnen haben das recht diszipliniert, tapfer und solidarisch ertragen.
Heftige Kritik und große Ignoranz
Der Dank dafür? Heftige Kritik, falls dann doch mal jemand zu feiern wagte. Lange Zeit große Ignoranz, als es um ihre Bildungsbedürfnisse oder Einsamkeit ging. Und bei den Diskussionen um (Impf-) Perspektiven aus der Corona-Krise spielten sie auch lange keine große Rolle. Doch der große Proteststurm gegen diese Vernachlässigung blieb aus. Warum eigentlich?
Wieso konnten die Jüngeren ihre Interessen während der Krise nicht stark genug artikulieren? Und was für Perspektiven für Veränderungen sehen die Nachwachsenden nach diesen Erfahrungen überhaupt in einer Gesellschaft, in der die Wähler über 50 schon bald die große Mehrheit stellen?
Diese Fragen haben wir mit Anna Peters, Bundessprecherin der Grünen Jugend, Pascal Reddig, stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union, und Philipp Türmer, stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos, in „Quarterly Talk“ erörtert, der neuen Videogesprächsreihe unseres Zukunftsmagazins „Frankfurter Allgemeine Quarterly“.
Anna Peters sagt: „Wir brauchen Politikerinnen und Politiker, die auf uns zugehen.“ – aber auch: „Ich halte nichts davon, Generationenkonflikte weiter hochzujazzen.“ Philipp Türmer sagt: „Ich glaube, in dieser Krise sind die Jugendlichen hinten runtergefallen.“ Das sei aber eher der Nebeneffekt einer falschen politischen Prioritätensetzung insgesamt gewesen. Pascal Reddig findet auch, dass viele Entscheidungen in der Pandemie zulasten der Jungen getroffen worden sind. Aber er glaubt an die Kraft von innen. In der Klimapolitik sei das ganz gut gelungen. „Es kann schon was bewegen, wenn junge Menschen sich für ein Thema einsetzen, auf die Straße gehen und ein ganzes Land vorantreiben können.“
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