Warum Robbie Williams nicht in Istanbul auftreten darf

Warum Robbie Williams nicht in Istanbul auftreten darf

Schon zum zweiten Mal innerhalb eines Monats hat der Gouverneur von Istanbul dem Druck israelfeindlicher Gruppen nachgegeben. Seine Behörde untersagte am Wochenende das für diesen Dienstag geplante Konzert des britischen Popsängers Robbie Williams. Ein Sprecher des Gouverneurs begründete die Absage gegenüber der F.A.Z. mit „Sicherheitsgründen“.

Dass Williams’ Auftritt mit dem Jahrestag des Hamas-Massakers auf Israel zusammengefallen wäre, hatten die Veranstalter bis dahin vermutlich nicht als Problem betrachtet. Doch in den vergangenen Tagen hatten islamistische Gruppen zu Protesten gegen das Konzert aufgerufen und Williams als „Zionisten“ bezeichnet. Damit bezogen sie sich offenbar auf die Sympathien für Israel, die der Sänger bei Konzerten in dem Land 2015 und 2023 geäußert hatte.

Offenbar zielen die Islamisten auch auf die türkisch-jüdischen Wurzeln von Willams’ Frau Ayda Field ab. Laut der Zeitung „Times of Israel“ hatte Williams während des Konzerts vor zwei Jahren erzählt, dass er seine Kinder im jüdischen Glauben erziehe.

Nicht das erste abgesagte Konzert

Der Sprecher des Istanbuler Gouverneursamts sagte der F.A.Z., es habe „erhebliche Reaktionen in sozialen Medien” auf Williams’ Äußerungen gegeben, „die als pro-Israel wahrgenommen wurden”. Er verwies auf das Datum des 7. Oktober und sprach von einer „angespannten Lage“ in der Türkei, auch wegen der von Israel gestoppten Schiffe propalästinensischer Aktivisten. Fünfzig türkische Aktivisten hatten sich an der Aktion beteiligt. Die meisten von ihnen hat Israel inzwischen abgeschoben.

Die Äußerungen des Gouverneursamts fielen zurückhaltender aus als vor einem Monat bei der Absage eines Konzerts des französisch-algerischen Sängers Enrico Macias. Damals wurden die geplanten Proteste gegen das Konzert als „Demonstrationen gegen das genozidale Vorgehen des terroristischen Staates Israel in Gaza“ beschrieben, die Besucher des Konzerts „in eine unfaire Lage bringen könnten“.

Robbie Williams schrieb auf Instagram, die Absage sei „jenseits unserer Kontrolle”. Er wolle auf keinen Fall die Sicherheit seiner Fans gefährden. Er habe auch wegen „der engen Verbindungen meiner Familie mit diesem wunderbaren Land” in der Türkei auftreten wollen.

Schlechter Zeitpunkt für Erdoğan

Für Präsident Recep Tayyip Erdoğan kommt der Wirbel um das Konzert wohl ungelegen. Im Bemühen um gute Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat er seine Pro-Hamas-Rhetorik in den vergangenen Monaten zurückgefahren. Kürzlich wurde er erstmals seit sechs Jahren im Weißen Haus empfangen. Ankara erhofft sich unter anderem eine Wiederaufnahme von amerikanischen Rüstungsexporten, die bislang durch Sanktionen blockiert sind.

Absage über die sozialen Medien
Absage über die sozialen MedienInstagram Robbie Williams

Im Zusammenhang mit Trumps Friedensplan für Gaza bemüht sich die Türkei, den eigenen Einfluss auf die Hamas geltend zu machen. Der türkische Geheimdienstchef İbrahim Kalın war gemeinsam mit Unterhändlern Qatars und Ägyptens an Gesprächen mit der Hamas beteiligt. Mit Zufriedenheit registrierte Ankara am Wochenende, dass Trump die Unterstützung der Türkei als „ sehr hilfreich“ gelobt hatte.

Erdoğan pflegt seit Jahren enge Beziehungen zur Hamas. Vertreter der Terrororganisation zeigen sich regelmäßig in Istanbul und betreiben dort ein Büro. Sein Lob für die Hamas als „Freiheitskämpfer“ hat der türkische Präsident aber zuletzt nicht mehr wiederholt. Das hielt seine Religionsbehörde Diyanet nicht davon ab, in der Predigt für den vergangenen Freitag ebendies zu tun. „Trotz aller Widrigkeiten führen eine Hand voll muslimischer Mudschaheddin in Gaza einen heldenhaften Kampf“, heißt es in dem Text, der in allen Moscheen der Türkei verlesen wurde.

In Bezug auf Israel fährt Erdoğan eine ambivalente Politik. In der Öffentlichkeit positioniert er sich als schärfster Kritiker von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Hinter den Kulissen hält seine Regierung dem Vernehmen nach aber die Kommunikationskanäle nach Israel offen. Manche islamistische Gruppen, und auch die säkulare Oppositionspartei CHP werfen dem Präsidenten in der Israelpolitik Heuchelei vor, was ihm angesichts seiner sinkenden Zustimmungswerte nicht egal sein kann. Und so nahmen auch am Wochenende wieder Minister und Vertreter der Regierungspartei an Pro-Palästina-Märschen teil – aber nicht mehr so prominent wie in der Vergangenheit.

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