Warum wird LAP mit roter Farbe beschmiert?

Warum wird LAP mit roter Farbe beschmiert?

Als hätte Berlin nicht schon genug Probleme, ist nun noch eins dazugekommen – ausgerechnet im Stadtbild. Unbekannte besudelten alle Filialen der Kaffeekette LAP mit roter Farbe. Das war schon vergangene Woche, doch die Farbe ist so hartnäckig, dass es vor manchen Filialen weiter aussieht wie nach einer Messerstecherei: blutrote Flecken auf dem Gehweg. Den Kunden der Kaffeekette, zu denen neben der Gen-Z-Avantgarde auch illustres Personal aus Bundesministerien zählt, stellt sich die Frage, was das soll.

Erklärende, wenn auch nicht jeden überzeugende Worte finden sich auf der Seite der Kampagne „LAPCoffeeScheisse“. Ob es sich bei den Machern auch um die Täter hinter den Farbattacken handelt, ist unklar; sie selbst bezeichnen solche Deutungen als „höchst spekulativ“, lassen aber deutliche Sympathien erkennen, etwa indem sie die Attacken als „künstlerische Aktivitäten“ beschreiben. Über die unter Linksradikalen beliebte Seite „Indymedia“ richteten sie zudem einen offenen Brief an den Gründer der Kaffeekette, in dem sie ihm vorwerfen, die Gentrifizierung voranzutreiben.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Dieser Vorwurf ist nicht neu, zu den Gegnern von LAP zählen neben Vollautomatenkaffeekritikern auch Kapitalismuskritiker, die monieren, dass die Kette mit Risikokapital und der Ausbeutung von Arbeitern schnelles Geld mache und Traditionscafés ruiniere. Denn – darin liegt eine gewisse Ironie – LAP verkauft den Cappuccino so billig (2,50 Euro), dass ihn sich auch Mindestlöhner mal gönnen können.

Unschönes Stadtbild: Rote Farbflecken wie nach einer Messerstecherei vor dem Kaffeeladen.
Unschönes Stadtbild: Rote Farbflecken wie nach einer Messerstecherei vor dem Kaffeeladen.Friederike Haupt

Ebenso ironisch ist, dass LAP zu jener Art Berliner Gastronomie zählt, die in den Augen ihrer Kunden durch Farbattacken eher aufgewertet wird. Umstritten, edgy zu sein, macht interessant. In der Filiale in der Rosenthaler Straße herrscht denn auch Hochbetrieb wie eh und je. Also Frage an die Macher der Kampagne „LAPCoffeeScheisse“, welchen Effekt sie sich von den Farbattacken versprechen? „Weltfrieden und eine gerechte Gesellschaft“, lautet wenige Stunden später die Antwort per Mail. Unklar, ob das lustig, höhnisch oder kryptisch gemeint ist. Auch die Frage, ob man aus ihrer Sicht politisch links sein und seinen Kaffee bei LAP kaufen könne, beantworten die Aktivisten orakelnd: „Die Welt ist voller Widersprüche.“ Ist das nicht auch das Schöne an ihr?

Darauf erst mal einen LAP-Cappuccino. Doch auch ein leichtes Unbehagen stellt sich ein. Wahr ist – noch mal vom Stadtbild her gedacht –, dass die Stadtzentren immer öder werden. Filiale an Filiale an Filiale. Letzte Frage an die Aktivisten: Wo kaufen Sie Ihren Kaffee? „Beim Nachbarschaftscafetogo-Kollektiv“. Gibt’s in der Nachbarschaft der F.A.S. nicht. Die Welt ist halt nicht nur voller Widersprüche, sondern auch voller Widerstände.

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