#Was bringt die vierte Impfdosis?

Was bringt die vierte Impfdosis?

Lohnt sich die zweite Auffrischung, der Doppelbooster, oder wird die Pandemie nur verlängert, weil wertvolle Impfdosen verschwendet werden? Nachdem Israel und einige andere Länder erste Erfahrungen bei über Sechzigjährigen und Hochrisikopatienten gesammelt haben, bahnt sich eine weitere Impfdebatte an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jüngst deutlich gemacht: Erst im letzten Quartal 2022 sei genug Impfstoff vorhanden, um die globale Impfquote – 40 Prozent Doppelimpfung in allen Ländern – zu erreichen.

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

„Kein Land kann sich aus der Pandemie herausboostern“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. WHO-Impfexperten warnten zudem vor einer „Überladung“ des Immunsystems – allerdings bisher ohne Datenbasis.

Was den Immunschutz für die vierfach Geimpften betrifft, gibt es nach anfänglichen Zweifeln inzwischen Fürsprecher. Anthony Fauci, der amerikanische Präsidentenberater, wollte in einem Fernsehinterview den Nutzen des Doppelboosters im Zuge der Omikron-Welle nicht ausschließen: „Möglich, dass wir ihn benötigen.“ Die nationale Impfkommission Israels hat sogar für alle Erwachsenen über 18 Jahren eine vierte Dosis mit dem Biontech-Pfizer-Impfstoff empfohlen.

Wegweisende Untersuchung vom Sheba Medical Center

Erste Daten und Ankündigungen zum Nutzen einer vierten Impfung gibt es aus Israel, Dänemark, Ungarn und Chile. Die Aussagekraft dieser Untersuchungen ist allerdings nicht gesichert, weil selbst die in Israel systematisch erhobenen Zahlen bei den über Sechzigjährigen und vulnerablen Patienten bisher nicht begutachtet und nur auszugsweise veröffentlicht worden sind.

Als wegweisend gilt die Untersuchung am Sheba Medical Center mit insgesamt 400.000 in den vergangenen vier Monaten doppelt geboosterten Probanden. Ihr Immunschutz wurde mit 600.000 einfach Geboosterten in der gleichen Altersgruppe verglichen. Fazit: Die vierte Dosis verdoppelt in den ersten Wochen nach der Injektion den Schutz gegen Infektion und verdreifacht den Schutz vor einem schweren Covid-19-Verlauf.

Da allerdings viele der Doppelt-Geboosterten ihre erste Auffrischung schon bis zu fünf Monate vorher erhalten hatten, ist der Zusatznutzen bisher überschaubar. Gemessen an den Antikörpermengen erhalten die meisten wieder kurzfristig den Immunschutz, den sie kurz nach der dritten Dosis hatten – der allmählich schwindende Immunschutz werde gewissermaßen um vier Monate „verjüngt“, hieß es im Ministerium.

Gewaltige Omikron-Welle

Wie schnell dieser Effekt nachlässt, ist noch unklar. Da Israel nach den Lockerungen der vergangenen Wochen derzeit eine gewaltige Omi­kron-Ansteckungswelle erlebt, hat die Regierung mit der Zweitbooster-Initiative reagiert. Vor allem immer mehr Erwachsene, die sich offensichtlich zu sicher fühlen mit ihrer unvollständigen Impfung, erkranken schwer und müssen beatmet werden.

Die Immunologen sind sich keineswegs sicher, wie viel eine vierte Dosis der bisherigen Impfstoffe am Ende bewirkt. Biontech hat am Dienstag den Start einer klinischen Studie mit einem neuen, der Omi­kron-Variante angepassten Impfstoff angekündigt.

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Klar ist: Schon eine dritte Dosis vermindert die Wahrscheinlichkeit einer Infektion (und weitere Ansteckungen) und senkt noch viel deutlicher das Risiko einer schweren Erkrankung: Neun von zehn Einfach-Geboosterten sind nach zwei, acht von zehn Infizierten nach drei Monaten noch vor Covid-19 geschützt. Zurückzuführen ist das vor allem auf die T-Zellen, die auch nach sechs Monaten noch gut funktionieren – selbst bei Omikron-Viren, wie soeben im Fachblatt „Cell“ belegt wurde.

Eine „Super-Immunität“ nach der dritten „Dosis“ wollen Forscher zudem bei Corona-Infizierten gefunden haben. Im Journal „Science Immunology“ zeigen sie an mehr als hundert Zweifachgeimpften, die sich vor oder nach der Impfung angesteckt haben,bei Menge, Breite und Effektivität der Antikörper eine besonders gute Immunität. Ob sie besser ausfällt oder länger andauert als jene, die durch eine dritte oder gar vierte Impfdosis erzielt wird, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

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