#Was der Pakt zur Rettung der Wälder bedeutet

Was der Pakt zur Rettung der Wälder bedeutet

Schon am zweiten Tag des Klimagipfels von Glasgow gab es den ersten Höhepunkt: ein Abkommen zum Stopp der Entwaldung bis zum Jahr 2030. Der britische Premierminister Boris Johnson sprach von einem „Meilenstein“, der dazu beitragen könnte, das Verhandlungsklima in den kommenden zehn Tagen zu verbessern. Nach einem eher durchwachsenen Start in Glasgow und dem für die meisten Klimadelegierten mageren Ergebnis des vorangegangenen G-20-Gipfels in Rom wurde am Dienstagmorgen eine Vereinbarung von 110 Staaten vorgelegt, die endlich einen Wendepunkt in der globalen Waldpolitik bringen soll.

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Intakte Wälder, vor allem die riesigen Tropenwälder, sind ein entscheidender Bremser des Klimawandels. Wachsen sie oder bleiben zumindest unangetastet, nehmen sie Kohlendioxid auf und speichern es in großen Mengen im Holz und im Boden. Deshalb war der Waldschutz schon immer ein entscheidender Faktor in den Klimaverhandlungen. Ein Faktor mit vielen diplomatischen Höhen – allerdings vor allem auf dem Papier. Schon 2014 hatten in der UN-New-York-Deklaration zum Schutz der Wälder viele der waldreichsten Länder zugesagt, bis 2030 die Entwaldung zu beenden. Das wurde damals als Durchbruch im Kampf gegen die Entwaldung gefeiert. Seitdem hat sich die Abholzung im Amazonas-Regenwald allerdings um fast vierzig Prozent gesteigert.

Dass unter den Unterzeichnerstaaten des neuen Waldabkommens nun neben Indonesien und Russland ausgerechnet auch Brasilien ist, macht deshalb viele Beobachter skeptisch. Brasilien war schon zu Beginn der Konferenz „Greenwashing“ vorgeworfen worden, als das Land seine neuen nationalen Klimaziele vorgelegt hatte, in denen es zusagt, entgegen der nationalen Agrar- und Industriepolitik die Ausbeutung des Regenwalds zu bremsen. Um die Hälfte – verglichen mit 2005 – will Brasilien die Treibhausgasemissionen bis 2030 angeblich senken. Die Vereinten Nationen haben angekündigt, die nationalen Ziele zu überprüfen.

Mittel zur Renaturierung gerodeter Waldflächen

In den 110 Ländern, die das neue Waldabkommen unterzeichnet haben, liegen rund 85 Prozent der weltweiten Waldflächen. Das allein macht diese Ankündigung so bedeutend. Mehr als zwei Dutzend der waldreichen Länder haben außerdem angekündigt, auf den Export von Lebensmitteln wie Kakao oder Soja, für die Waldflächen gerodet werden, weitgehend zu verzichten. Das betrifft die großen Waldländer, die zu drei Vierteln mit Rohstoffen handeln, deren Gewinnung wie beim Palmöl unmittelbar den Bestand der heimischen Waldflächen bedroht.

Finanziert wird die Waldschutz-Initiative von zwölf Geberländern, darunter wie so oft im globalen Waldschutz Norwegen, Großbritannien und Deutschland, die zusammen zwölf Milliarden US-Dollar bis 2025 zugesagt haben. Darin sind auch Mittel zur Renaturierung gerodeter Waldflächen und zur Erhöhung der Transparenz von Lieferketten enthalten.

Zusätzlich haben sich private Investoren mit 7,2 Milliarden Euro beteiligt, darunter ein neuer, mit 1,5 Milliarden Dollar ausgestatteter Fonds zum Schutz des afrikanischen Regenwalds im Kongobecken. Mehr als 30 der weltweit kapitalstärksten Finanzinvestoren haben im Zuge des Abkommens außerdem die Zusage unterschrieben, auf Geldanlagen in Firmen zu verzichten, die an Waldrodungen beteiligt sind.

Indigene Volksgruppen als Partner

Einmalig ist auch die Initiative für die Indigenen weltweit, die als „Wächter“ der Urwälder in den vergangenen Jahren immer stärker in das diplomatische Geflecht der Vereinten Nationen aufgenommen worden waren, aber vergleichsweise wenig von den Geldern für den Klimaschutz profitieren konnten. In einer jüngst vorgestellten UN-Metastudie war gezeigt worden, dass die Regenwaldzerstörung dort, wo Indigene leben, nur halb so groß ist wie in anderen Regenwaldgebieten.

3 Monate F+ für nur 3 €

Zum Geburtstag von F+ lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET für nur 3 Euro im Monat.

JETZT F+ LESEN


Tausend solcher alteingesessenen Volksgruppen besiedeln an die fünfzig Prozent der bewirtschafteten Waldflächen, doch über echte Landrechte verfügen sie lediglich auf zehn Prozent der Fläche. Von den Fördermitteln für den Klimaschutz erhalten sie bisher bloß drei Prozent. In Glasgow wurde von 17 Staaten – mit Deutschland, Norwegen, den USA, Kanada und Großbritannien an der Spitze – gemeinsam mit einer Reihe philanthropischer Organisationen die Zusage von 1,7 Milliarden ausschließlich für indigene Völker bekannt.

Wie der Präsident der Ford-Stiftung, Darren Walker, sagte, sollen die Gelder den „Paternalismus“ im Umgang mit den Waldressourcen beenden und den Ureinwohnern helfen, die Kontrolle über die für den Klima- und Artenschutz wertvollsten Waldgebiete zu ermöglichen. Die indigenen Volksgruppen werden zum ersten Mal auch in dem Waldabkommen der COP26-Staaten ausdrücklich als Partner erwähnt.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert