#Was die Documenta so bedeutend macht

„Was die Documenta so bedeutend macht“

In Kassel eröffnet an diesem Wochenende die Documenta. Das ist eine Ausstellung, auf der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt ihre Arbeiten zeigen. Die Documenta gilt als die wichtigste Kunstausstellung der Welt. Jedenfalls tut sie das in Deutschland, in Europa und auch in Nordamerika. Vielleicht findet man in vielen afrikanischen Ländern die Dakar-Biennale noch wichtiger und in Korea und China die Gwangju-Biennale. Aber es ist schon erstaunlich, dass eine Kunstaustellung in einer eher kleinen Stadt in Nordhessen so berühmt werden kann, dass die Leute aus New York oder Tokio kommen, um sich in Kassel Kunst anzuschauen.

Begonnen hatte alles im Jahr 1955. Damals war der Zweite Weltkrieg gerade erst zehn Jahre vorbei, und viele Häuser in Kassel waren noch zerstört. Ein Kunsthistoriker namens Arnold Bode beschloss damals, in dem noch zerstörten Museum Fridericianum in Kassel eine große Kunstausstellung zu machen. Er wollte vor allem die Kunst zeigen, die, als Adolf Hitler und die Nationalsozialisten regierten, nicht gezeigt werden durfte – die sogenannte moderne Kunst – all die wilden Bilder, die Hitler nicht gefielen. Es kamen Tausende von Menschen, um die Kunst zu sehen, die sie solange nicht sehen durften – zum Beispiel die Werke von Picasso.


Bild: F.A.Z.

Für viele Menschen war die Documenta ein guter Ort, um Kunst aus der ganzen Welt kennenzulernen. 1968 war dort die bunte Pop Art aus Amerika zu sehen. Oft gab es aber auch Streit. Der Künstler Joseph Beuys zum Beispiel pflanzte 7000 Eichen und sagte, das sei für ihn ein Kunstwerk. Für andere war das nur ein Wald. Im Jahr 2002 hieß der Chef der Documenta Okwui Enwezor; er zeigte, welche Kunst gerade in Afrika und in Lateinamerika gemacht wurde. Von diesen Kontinenten war immer noch viel zu wenig in den großen europäischen Museen zu sehen.

Manchmal passieren merkwürdige Dinge auf der Documenta. Einmal, im Jahr 2012, ließ der französische Künstler Pierre Huyghe in dem großen Park der Documenta, den Karlsauen, einen weißen Hund herumlaufen, dem er ein Bein rosa eingefärbt hatte. Der Hund sah aus wie ein Fabelwesen von einem anderen Planeten – und zeigte, dass sogar ein lebendes Tier zu einem Kunstwerk werden kann. Auf der Documenta werden von den Künstlern wichtige Fragen gestellt. Fragen wie: Was ist Natur? Was ist schön? Wie können Menschen zusammenleben?

In diesem Jahr wird die Documenta von einer Gruppe aus Indonesien organisiert. Sie nennen sich Ruangrupa. Sie wollen aus den Museen in Kassel, wo normalerweise ein Bild neben das andere gehängt wird, Lumbungs machen. So heißen in Indonesien, wo Ruangrupa herkommt, Scheunen, in denen die Bauern alles lagern, was sie von ihrer Ernte nicht für sich selbst brauchen. In dieser Scheune trifft man sich mit Freunden, man feiert, man kocht zusammen und hat Spaß. Den Lumbung-Spaß soll man auch in Kassel haben. Normalerweise muss man in Museen ja still sein, man darf nicht herumrennen oder sich in eine Ecke legen und schlafen. Das ist jetzt anders.

Im Fridericianum schlafen 38 Künstler und benutzen das Museum als Haus, sie bauen dort Möbel und machen Kunst, man kann ihnen dabei zuschauen und manchmal sogar mitmachen. Und in der Documenta-Halle darf man sogar sein Skateboard mitbringen und in einer Halfpipe zwischen den Kunstwerken damit herumfahren. Das gab es auch noch nicht, dass man mitten im Museum Skateboard fahren darf. Dabei ist es ja auch eine Kunst, wenn man gut Skateboard fahren kann – und Ruangrupa findet, dass jede Kunst ins Museum gehört. So wird es nicht langweilig im Museum. Auch das ist ein Grund dafür, warum immer noch so viele Leute nach Kassel fahren und sich die Documenta anschauen wollen – und warum sie immer noch als bedeutend gilt.

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