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#Was die Nasa mit Dimorphos und Dart vorhat

„Was die Nasa mit Dimorphos und Dart vorhat“

In der Nacht zum Dienstag wird eine 330 Millionen Dollar teure Raumsonde an dem Asteroiden Dimorphos zerschellen. Ihr Kurzname „Dart“ erinnert nicht zufällig an die kleinen Pfeile, mit denen man auf Zielscheiben wirft. Der Crash ist volle Absicht. Die NASA hat die Sonde mit der Masse eines Kleinwagens eigens dazu ins All gestartet, um sie mit 23.800 Kilometern pro Stunde auf Dimorphos prallen zu lassen. Eine zuvor ausgesetzte Minisonde aus Italien wird alles filmen.

Ulf von Rauchhaupt

Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Was soll das? Nun, man möchte ausprobieren, ob so eine Kollision ausreicht, Dimorphos‘ Bahn zu verändern. Denn der Brocken ist 163 Meter lang. Asteroiden dieses Kalibers sind im Hinblick auf eine mögliche Kollision mit der Erde die gefährlichsten überhaupt: Sie sind groß genug, um an ihrer Einschlagstelle ein überregionales Desaster zu verursachen. Zugleich sind sie so klein, dass wir viel zu wenige von ihnen kennen.

Gegenwärtig weiß man von fast 30.000 Himmelskörpern – zumeist Asteroiden –, die bei ihrem Umlauf um die Sonne der Erdbahn nahe kommen oder sie sogar kreuzen. Zwei Drittel davon sind kleiner als 140 Meter und damit vergleichsweise unkritisch. Wenn sie auf die Erde fallen, verglühen sie in der Atmosphäre. Nur die größten unter ihnen erreichen tiefere Luftschichten. Sie sind dann allerdings auch nicht immer völlig harmlos. Ein Zwanzig-Meter-Brocken, der 2013 in Russland herunterkam, zerlegte sich erst in so geringer Höhe, dass er damit eine Druckwelle auslöste. Sie ließ in einer ganzen Region die Fenster zersplittern und verletzte mehr als tausend Menschen.


Bild: F.A.Z.

Vor den ganz großen Boliden müssen wir gegenwärtig auch keine Angst haben. Ein Asteroid vom Kaliber zehn Kilometer, wie er damals die Dinosaurier ausrottete und heute mindestens den Untergang der menschlichen Zivilisation zur Folge hätte, trifft die Erde nur alle hundert Millionen Jahre. Und so ein Trumm auf Erdkurs ist zu groß, um den Forschern zu entgehen. Innerhalb der nächsten hundert Jahren ist so eine Katastrophe daher ausgeschlossen – weiter in die Zukunft kann man Asteroidenbahnen allerdings nicht mit Sicherheit vorhersagen. Bei Brocken mit Durchmessern von einem Kilometer – so einer würde immer noch einen ganzen Kontinent verheeren – ist man sich zu 98 Prozent sicher, dass uns in den nächsten hundert Jahren keiner trifft.

Das Problem aber sind Asteroiden zwischen hundertvierzig und tausend Metern – also genau solchen wie Dimorphos. Davon gibt es wahrscheinlich noch etliche, die auf einem sicheren Kollisionskurs zur Erde sind, ohne dass wir davon wissen. Ihr Einschlag hätte immer noch die Wirkung einer sehr großen Atombombe. Er könnte also, wenn es dumm kommt, eine Großstadt auslöschen.

Was tun, wenn wir so einen plötzlich entdecken? Wenn wir nicht sehr viel Pech haben, sind es dann noch mehrere Jahre bis Jahrzehnte bis zum Einschlag, und man könnte versuchen, die Katastrophe zu verhindern. Denn es reicht ein kleiner Schubs, um seine Bahn so zu ändern, dass er die Erde verfehlt. Dazu könnte man den Asteroiden etwa mit einen Laser beschießen oder mit gebündeltem Sonnenlicht aus einem im All platzierten Brennspiegel. Oder man zündet nahe seiner Oberfläche eine Atombombe. Das Einfachste wäre allerdings ein gezielter Crash, wie man ihn jetzt an Dimorphos ausprobiert.

Der ist übrigens nur Testobjekt und selbst keine Gefahr. Es ist auch ausgeschlossen, dass „Dart“ ihn am Dienstag aus Versehen Richtung Erde kickt. Dimorphos ist nämlich ein kleiner Mond. Alle zwölf Stunden umkreist er einen etwas größeren Asteroiden, und der Crash wird diese Umlaufbahn um gerade mal 4,2 Minuten verkürzen – wenn das Experiment klappt und „Dart“ seine Bewegungsenergie in ausreichendem Umfang auf den Brocken übertragen kann.

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