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#Was eine Mutter auf den Rücken ihres Kindes schrieb

„Was eine Mutter auf den Rücken ihres Kindes schrieb“

Die zweijährige Vira steht in ihrem Kinderzimmer in Kiew, sie trägt nur eine Windel. Auf ihrem Rücken stehen ihr Name, ihr Geburtsdatum und die Kontaktdaten ihrer Eltern. Ihre Mutter hatte diese Daten mit Kugelschreiber auf den Rücken des Kindes geschrieben. „Ich dachte kurz darüber nach, sie tätowieren zu lassen. Das wäre noch sicherer gewesen“, berichtet Aleksandra Makoviy über den ersten Tag des Krieges. Die Informationen sollten es Helfern leichter fallen, Vira zu identifizieren und lebende Verwandte zu finden, sollten Aleksandra und Vitaliy Makoviy auf der Flucht vor dem Krieg getötet werden.

Ihre Hände zitterten so stark, dass sie kaum gerade schreiben konnte. Trotzdem wollte Makoviy es nicht bei dem Zettel belassen, den sie Vira in die Tasche gesteckt hatte. Sollte das Mädchen ihn verlieren, wüsste niemand, wer es ist. Die Schrift auf dem Rücken war eine Absicherung.

Die Stärke, zu fliehen

Gedanklich war Makoviy bereits auf den Krieg vorbereitet, sagt sie. Sie wurde militärkritisch erzogen und hatte die Lage lange intensiv verfolgt. Während andere vor Schock wie gelähmt waren, wusste sie, dass sie augenblicklich handeln musste. „Ich war stark genug um zu entscheiden, dass wir gehen“, sagt Makoviy heute. Überall hörte sie Sirenen, entfernte Bombeneinschläge und das Dröhnen von Flugzeugen – und mittendrin war ihre Tochter. „Es war die schlimmste Angst meines Lebens“, sagt sie.

Aleksandra Makoviy schrieb eine Karte mit Informationen für ihre Tochter. Doch die hätte sie verlieren können.


Aleksandra Makoviy schrieb eine Karte mit Informationen für ihre Tochter. Doch die hätte sie verlieren können.
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Bild: Aleksandra Makoviy

Viele ukrainische Eltern haben Ähnliches unternommen, um ihre Kinder in irgendeiner Form zu schützen, erzählt Makoviy. Manche haben die Informationen in die Kleidung eingenäht, manche haben sie ebenfalls direkt auf der Haut ihrer Kinder festgehalten. „Please take care of me“ habe eine Bekannte neben den Daten auf den Rücken ihres Babys geschrieben.

Aleksandra Makoviy teilte das Bild vom Rücken ihrer Tochter auf Instagram, um über die Notlage der ukrainischen Bevölkerung aufzuklären. Sie erhielt dort allerdings nicht nur Mitgefühl. Manche Nutzer warfen ihr vor das Bild gefälscht zu haben, weil sie die Informationen nicht auf Ukrainisch, sondern auf Englisch geschrieben hatte. Der Grund dafür macht die verzweifelten Gefühle der jungen Mutter deutlich: Sie hoffte, Vira könnte so eines Tages die Beiträge ihrer Mutter im Netz finden. „Ich habe online so viel darüber geschrieben, wie unser Leben vor dem Krieg war. Ich dachte, Vira könnte dann sehen, woher sie kommt, wer ihre Eltern waren und wie sehr wir sie geliebt haben. Wir haben sie so lang erwartet und sie war das wertvollste für uns – das sollte sie unbedingt wissen“, erzählt Makoviy.

Spuren des Krieges

In Kiew hatte die Familie ein glückliches und friedliches Leben. Aleksandra Makoviy arbeitete als Lehrerin und Künstlerin, ihr Mann war Designer. Ein Leben, das jetzt in weite Ferne gerückt ist. „Sogar Spielplätze sind dort momentan vermint“, erzählt Makoviy. „Selbst wenn der Krieg jetzt vorbei wäre, würde es wahrscheinlich Jahre dauern, bis man sich dort wieder sicher bewegen könnte.

Mutter Aleksandra Makoviy mit Tochter Vira bei einem Urlaub am Kiewer Meer


Mutter Aleksandra Makoviy mit Tochter Vira bei einem Urlaub am Kiewer Meer
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Bild: Aleksandra Makoviy

Inzwischen ist Familie Makoviy nach einer langen und beschwerlichen Flucht in Südfrankreich angekommen, wo sie herzlich aufgenommen wurden. Freiwillige haben ihnen diese Hilfe angeboten. Neben dem Krieg ist auch die große Wärme und Hilfsbereitschaft etwas, was sie kaum begreifen können. „Es ist so verrückt. Wie können so grausame und so liebenswerte Menschen gleichzeitig in der selben Welt existieren? Ich bin wahnsinnig dankbar für all die Hilfen, die wir Ukrainer momentan erfahren“, so Makoviy.

Trotz neu gewonnener Sicherheit hat der Krieg seine Spuren bei Aleksandra Makoviy und ihrer Familie hinterlassen. Sie spricht von einem kollektiven Trauma der ukrainischen Bevölkerung, das jeden Tag wachse. Sie selbst leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und berichtet von großen Ängsten, die auch in Frankreich anhalten. Kein Spaziergang vergeht für sie ohne Panik vor versteckten Minen. Ihrer Tochter gehe es aber gut, dank ihrem Alter. „Sie merkt zwar manchmal, dass Mama und Papa traurig sind, aber mehr nicht. Sie ist ja erst zwei und hat das alles zum Glück nicht so mitbekommen wie wir“, erzählt Makoviy.

Von Frankreich aus will sie sich weiter für Aufklärung über den Krieg und seine Folgen einsetzen. Für Aleksandra Makoviy ist das die einzige Möglichkeit, die Kämpfe ein für alle Mal zu beenden. „Die Deutschen haben sich so oft entschuldigt und ihre Taten im Krieg reflektiert, damit sich sowas nie wiederholt“, sagt sie. „Diese Einsicht fehlt in Russland. Wenn sie nicht begreifen, was geschieht – wenn die Propaganda nicht durchbrochen wird – wird sich nichts verändern.“

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