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Gianpiere Lambiase, der Renningenieur von Max Verstappen, hat schon viel gesehen in der Formel 1. Aber eine Runde wie diese auch noch nicht: „Das ist einfach Wahnsinn!“ Ganz zum Schluss der Qualifikation zum Großen Preis von Japan fuhr der Weltmeister einen Rundenrekord auf dem neuen Asphalt auf dem Suzuka Circuit und gab nach dem Gewinn der Pole-Position über Boxenfunk eine Kostprobe davon, dass auch Niederländer jodeln können, ehe er außer Atem seine Erleichterung ins Helmmikrofon schrie: „Let’s go!“
Die favorisierten McLaren-Piloten Lando Norris und Oscar Piastri hatten um Sekundenbruchteile das Nachsehen, bei beiden war die entscheidende letzte Runde nicht fehlerfrei. „Hut ab vor Max“, sagte Norris. Die ersten drei Rennfahrer der Qualifikation lagen auf der fahrerisch anspruchsvollsten Strecke der Saison innerhalb der Winzigkeit von 44 Tausendstel Sekunden. Das verspricht Spannung für das Rennen am Sonntag (7.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky).
Verstappen: „Unsere Probleme sind nicht gelöst“
Den technisch unterlegenen Red-Bull-Honda auf die Pole-Position zu stellen, sprach für das Ausnahmetalent des Niederländers, der sich unbeirrt von allen öffentlichen Zweifeln von Training zu Training in eine detaillierte Abstimmungsarbeit gestürzt hat, um sich dann von Qualifikationsabschnitt zu Qualifikationsabschnitt ans Limit heranzutasten. Echte Champion-Qualitäten, die auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner mit einem öffentlichen Gefühlsausbruch würdigte: „Was für eine unglaubliche Runde. Er hat das letzte bisschen an Leistung aus sich und dem Auto geholt. Das gibt dem ganzen Team Auftrieb.“
Verstappen, der zum vierten Mal nacheinander in Suzuka die Pole-Position holte, versteht es wie kein anderer, die Nachteile eines Autos zu seinem Vorteil zu nutzen. Der Siebenundzwanzigjährige sah seine Ausnahmeleistung, nach einem Dreivierteljahr Abwesenheit wieder auf die Pole-Position zurückzukehren, bescheidener: „Wir haben einfach nur versucht, das Beste herauszuholen, was wir konnten. Aber nur weil ich hier vorn stehe, sind unsere generellen Probleme mit der Fahrzeugbalance und Fahrbarkeit der Leistung nicht gelöst.“
Die McLaren-Piloten blieben für ihn zwar die Favoriten fürs Rennen, aber bei allen technischen Sorgen mit seinem Auto erkannte er, dass seine Ausgangsposition für eine Titelverteidigung doch nicht so aussichtslos ist, wie zunächst befürchtet. Momentan liegt er in der Gesamtwertung acht Punkte hinter WM-Spitzenreiter Lando Norris.
Charles Leclerc im Ferrari und George Russell im Mercedes auf den Plätzen vier und fünf waren ebenfalls für die erste Startreihe gehandelt worden, kamen aber nicht zum Zug. Während das Mercedes-Team seine Lauerstellung durch den sechsten Platz des Rookies Andrea Kimi Antonelli untermauern konnte, musste sich Rekordweltmeister Lewis Hamilton mit Rang acht begnügen. Ferrari bleibt damit im bekannten, aber schwer erklärlichen Achterbahnmodus.
Die große Überraschung beim Qualifying in Suzuka neben der Rekordfahrt von Max Verstappen war der Franzose Isack Hadjar. Der Neuling bei den Racing Bulls klagte im ersten Abschnitt über Schmerzen im Unterleib, offensichtlich waren die Sicherheitsgurte zu fest angezogen. Danach kam der Zwanzigjhrige aber immer besser in Fahrt und wurde – noch vor Hamilton – Siebter. Überhaupt die Formel-1-Anfänger: Mit Oliver Bearman im Haas-Ferrari schaffte es noch ein dritter Novize in die Top Ten.
Der Rhythmus aller Fahrer wurde in Suzuka durch immer wieder aufflammende Flächenbrände auf den Randstreifen durcheinandergewirbelt. Es reichte der Funkenschlag aufsetzender Rennwagen, um das trockene Gras zu entzünden. Trotz zusätzlicher Bewässerung musste auch die Qualifikation für Löscharbeiten um acht Minuten unterbrochen werden. Der Emmericher Nico Hülkenberg erlebte das bereits von außen, er scheiterte mit dem Sauber-Ferrari bereits an der ersten Hürde. Nur Rang 16 mit einem Auto, das bei sich drehenden Winden zickig verhalten habe: „Es war schwierig, die Harmonie zu finden.“
Zur größten Enttäuschung des Tages wurde Red-Bull-Neuzugang Yuki Tsunoda. Der frisch beförderte Japaner schied auf Platz 15 schon im zweiten Abschnitt aus. Besonders bitter für ihn: Der zu seinen Gunsten bei Red Bull degradierte Neuseeländer Liam Lawson landete einen Platz vor ihm – um die Winzigkeit von 0,094 Sekunden. „Es ist wirklich schwierig, dieses Auto ordentlich zu bewegen. Ich habe die Flügel verstellen lassen, aber es hat einfach nicht gereicht am Ende.“ Generell, behauptete der Vierundzwanzigjährige, komme er mit dem großen Druck aber „ganz gut klar“. Auch Verstappen hatte freitags noch behauptet, dass sein Dienstwagen in einigen Kurven „unfahrbar“ sei. Daraus eine Runde zu zaubern, die in die Geschichte eingehen dürfte, zeigt den noch großen Unterschied in Erfahrung und Talent.
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