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Mobiler Solarstrom: Autos, Lieferwagen und Lkw könnten einen großen Teil ihres Strombedarfs über Solarzellen auf dem Dach oder der Motorhaube decken – selbst bei uns in Mitteleuropa, wie Analysen zeigen. Demnach kann ein Elektroauto durch solche Solarmodule bis zu 50 Prozent seines Stroms selbst erzeugen. Selbst Elektro-Lkw können durch Photovoltaik ihre Reichweite um bis zu 15 Prozent erhöhen. Für Stromnetz und Klima wären solche PV-Fahrzeuge zudem eine echte Entlastung: Sie könnten europaweit bis zu 15 Terawattstunden Strom und 2,7 Millionen CO2 einsparen, wie die Forschenden berichten.
Solarstrom ist auch bei uns etabliert: Trotz mitteleuropäischer Wetterverhältnisse hat sich die Photovoltaik als lohnend erwiesen. Doch auf Fahrzeugen galten Solarmodule bislang eher als experimentelle Spielerei. Zwar haben Forschende bereits Solarmodule entwickelt, die in die Karosserie integriert sind und ihren Strom direkt in das elektrische Netz des Fahrzeugs einspeisen. Ob sich dies lohnt, war jedoch strittig.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Elektrofahrzeuge und führt zu neuen Herausforderungen: „Der Wandel zu einem emissionsfreien Verkehr in Europa steht vor einem kritischen Engpass: dem Stromnetz. Wenn Millionen von Fahrzeugen von fossilen Brennstoffen auf Elektrobatterien umsteigen, steigt die Nachfrage nach Strom und Ladeinfrastruktur enorm“, heißt es im Bericht des europäischen Pilotprojekts „SolarMoves“.

Praxistests über 1,3 Millionen Kilometer
Ob die ins Fahrzeug integrierte Photovoltaik (VIPV) dafür eine Lösung sein könnte und ob sich diese Solartechnik auch in Mitteleuropa lohnt, hat das Projekt jetzt untersucht. „Die Studie analysierte Daten von 23 unterschiedlichen Fahrzeugtypen – von kompakten Stadtautos bis hin zu schweren Lastkraftwagen – und kombinierte detaillierte Fahrzeug- und Fahrprofile mit Wettersatellitendaten“, erklärt Projektmitarbeiter Christian Braun vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE.
Zusätzlich führten die Forschenden umfangreiche Praxistests in Madrid und Amsterdam durch. „Dafür wurden die Fahrzeuge mit Sensoren ausgestattet und Messdaten von 1,3 Millionen gefahrenen Kilometern ausgewertet“, so Braun.

Weniger Ladestopps und erhöhte Reichweite
Die Analysen ergaben: In Mitteleuropa kann ein Elektroauto durch solche Solarmodule bis zu 35 Prozent seines jährlichen Strombedarfs decken, in Südeuropa sind es sogar bis zu 50 Prozent. Dies erhöht ihre Reichweite erheblich. „Für Pkw verringert sich die Zahl der benötigten Ladestopps in Mitteleuropa um bis zu 56 Prozent, in Südeuropa um bis zu 76 Prozent“, wie die Forschenden berichten. „Im Stadtverkehr kann ein E-Auto im Sommer dadurch wochenlang ohne Laden auskommen.“
Auch Lieferwagen und Lkw können von fahrzeugintegrierter Photovoltaik profitieren. Zwar ist ihr Energiebedarf insgesamt deutlich höher als beim Pkw, dafür verfügen sie aber auch über mehr Dachfläche für die Solarzellen. In den Tests zeigte sich, dass solche Dach-Solarmodule im Sommer bis zu 55 Kilowattstunden Strom pro Tag erzeugen. Werden auch die Seitenwände der Lkw mit Solarmodulen ausgerüstet, sind es sogar 90 bis 110 Kilowattstunden. Das reicht aus, um die Kühl- oder Hydrauliksysteme eines Diesel-Lkw vollständig emissionsfrei zu betreiben.
Elektrische Lieferwagen können durch die integrierte Photovoltaik 25 bis 30 Prozent des für ihren Antrieb benötigten Stroms selbst produzieren – und so ihre Reichweite um immerhin 15 Prozent erhöhen. Schwere Elektro-Lkw könnten pro Tag rund 50 Kilometer weiter fahren als ohne die Solarmodule.
Einsparungen im Stromnetz und beim CO2
Für das europäische Stromnetz und die Verkehrswende hätte eine Einführung dieser Technologie große Vorteile: „Wenn die fahrzeugintegrierte Photovoltaik und andere effizienzsteigernde Maßnahmen breit angenommen werden, könnte die EU ihren Strombedarf bis 2030 um bis zu 27 Terawattstunden pro Jahr verringern“, heißt es im Projektbericht. „Dies entspricht dem Stromverbrauch eines kleineren europäischen Landes.“
Diese Einsparungen kämen auch dem Klima zugute: „Unsere Studie prognostiziert dafür eine Reduktion der CO2-Emissionen um jährlich 2,7 Millionen Tonnen bis 2030“, berichten die Forschenden. Würde man zusätzlich auch die schon zugelassenen Diesel-Lkw mit den Solarmodulen ausrüsten, könnte dies zusätzlich bis zu 15 bis 17 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
Anreize und bürokratische Anpassungen sinnvoll
Nach Ansicht des Forschungsteams bietet die fahrzeugintegrierte Photovoltaik damit klare Vorteile und könnte die Verkehrswende erheblich voranbringen. „Elektrifizierung allein reicht nicht aus. Wir brauchen Innovationen, die den Energiebedarf strukturell senken. VIPV leistet genau hier einen Beitrag“, sagt Lenneke Slooff-Hoek, Projektmanagerin von SolarMoves bei TNO.
Damit sich die Technologie jedoch durchsetzt, müssten auf EU-Ebene dafür mehr Anreize geschaffen werden. Helfen könnten zum einen temporäre Subventionen oder Steuererleichterungen für mit Solarmodulen ausgerüstete PKW und Lastwagen. Auch bürokratische Erleichterungen und Anreize wie die Anerkennung von VIPV-Strom als erneuerbare Energie und die Aufnahme der VIPV in das weltweit harmonisierte Leichtfahrzeug-Testverfahren (WLTP) könnten hilfreich sein. Denn dann könnten Unternehmen und Flottenbetreiber sich dies auf ihr CO2-Budget anrechnen lassen.
Quelle: Projekt “SolarMoves”, Final Report 2026 (PDF)
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