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„Weihnachtseinkäufe schon im Oktober“
Es gab in den bald zwei Jahren Corona-Pandemie selten Pressekonferenzen, in den sich Wirtschaftsverbände zufrieden mit der finanziellen Lage ihrer Branche zeigten. So gesehen war es schon bemerkenswert, welchen Ausblick der Handelsverband HDE am Montag auf den Jahresendspurt gab. Trotz vierter Welle, trotz Lieferengpässen und hoher Inflation erwarten Deutschlands Einzelhändler einen Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft. Die Einnahmen dürften im November und Dezember um 2 Prozent auf 111,7 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren es nur 109,5 Milliarden Euro, bis 2018 kamen in den beiden letzten Monaten des Jahres noch weniger als 100 Milliarden Euro in die Kassen der Händler.
Als maßgeblichen Grund sieht Hautgeschäftsführer Stefan Genth die hohen Sparguthaben, die die Menschen während der monatelangen Lockdowns aufgebaut haben – und für die so manche Bank jetzt Strafzinsen verlangt. „Die Leute haben sich ja nicht verweigert einzukaufen, sie konnten es einfach nicht“, sagte Genth.
Jetzt allerdings haben die Verbraucher ein anderes Problem: Wegen der weltweiten Lieferengpässe – vom Chipmangel bis zu fehlenden Transportkapazitäten – sind manche Regale im sogenannten Non-Food-Segment leer. Viele Verbraucher hätten schon angefangen, sich mit Weihnachtsgeschenken einzudecken. „Wir sehen bei bestimmten Produkten wie Spielwaren und Unterhaltungselektronik, dass der Oktober genutzt wurde.“ Es werde aber immer noch ein gutes Angebot im Weihnachtsgeschäft geben, versuchte Genth all jene zu beruhigen, die bislang noch keine Sony Playstation oder Nintendo Switch ergattern konnten.
Handel besorgt über schärfere Corona-Maßnahmen
Mit Sorge sieht der Handel die Diskussion über die Einführung von schärferen Corona-Maßnahmen in Bereichen wie der Gastronomie, Kinos und Kultur. In Sachsen gilt seit heute 2G, Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene. Andernorts ist für 3G jetzt der teurere PCR- statt des Schnelltests nötig.
Im vergangenen November seien während des „Lockdown light“ die Kundenfrequenzen in den Innenstädten um etwa 30 Prozent gesunken. „Wenn jetzt Maßnahmen für die Gastronomie erlassen werden, hat das natürlich auch für uns Folgen“, so Genth. Die 3G-Regeln auf den Handel auszuweiten, hält er wegen der Maskenpflicht, Abstandsregeln und Hygienekonzepte für nicht erforderlich. „Wenn 3G kommen würde, wäre das ein faktischer Lockdown.“ Ein erneuter genereller Lockdown in Deutschland wäre aus Sicht des HDE mit Blick auf die zu mehr als zwei Dritteln geimpfte Bevölkerung unverhältnismäßig und verfassungswidrig.
„Die letzten beiden Monate sind nach den Corona-Lockdowns im ersten Halbjahr für viele Händler wichtiger als je zuvor“, sagte Genth. Nach den Zahlen des Verbands machen typische Geschenke-Branchen wie der Spielwarenhandel und Juweliere mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes im November und Dezember.“
Laut einer HDE-Umfrage unter 450 Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Standorte erwarten 45 Prozent der Händler Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr. Ein Drittel kalkuliert mit stabilen Umsätzen. Die Kunden wollen demnach im Schnitt 273 Euro ausgeben, etwas mehr als im Vorjahr. Beliebtestes Geschenk sind weiter Gutscheine.
Kritisch sieht der Verband die Coronahilfen der Bundesregierung. Dass es die Überbrückungshilfe III erst ab einem Umsatzrückgang von 30 Prozent gibt, sei für viele Einzelhändler eine zu hohe Hürde. „Diese Grenze müsste runtergesetzt werden.“ Genth sprach sich zudem dafür aus, die aktuell bis Ende Dezember befristeten Hilfen zu verlängern. „Bis Ende März wäre sicher maßvoll und gut.“
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