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Mehr Akteure gibt es vermutlich nur bei der Krankenhausreform: Um die Eisbachwelle in München wieder in Gang zu setzen, sind inzwischen zahlreiche städtische Experten, Professoren aus dem In- und Ausland sowie Vertreter der Surfercommunity im ständigen Austausch. Mit dabei sind: das Baureferat, das Referat für Klima- und Umweltschutz, das Wasserwirtschaftsamt, Wissenschaftler der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, der Universität Innsbruck und der Hochschule München, außerdem Surfer der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) und des Surf Clubs München e.V.
Denn mit der verschwundenen Eisbachwelle an der Prinzregentenstraße, die nach der Bachauskehr nur noch eine weiß schäumende Walze ist, haben die Münchner Surfer nicht nur ihren Seelenort verloren, sondern die Stadt, so scheint es, auch einen wesentlichen Teil ihrer Identität.
Symbol des „Lebensgefühls“
Grobkörniger Kies soll jetzt das wiederherstellen, was Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als Symbol des „Lebensgefühls“ der Stadt München bezeichnet. Die Geduld aller sei bislang auf eine „harte Probe gestellt“, teilte Reiter mit. Doch „mit Hochdruck“ arbeite man an einer Lösung – für die Surfer und für die „Gäste aus aller Welt“.
Bei der routinemäßigen Bachauskehr vor knapp zwei Wochen war das Wasser im Eisbach abgesenkt worden, um das Bachbett von Sediment, sprich Kies und Algen, zu reinigen. Offenbar wurde dabei jedoch zu viel Kies entfernt und somit zu stark in das Abhängigkeitsverhältnis von Untergrund und Strömungsverhältnissen eingegriffen. Als das Wasser nach der Reinigung zurückkam, schäumte es nur als weiße Walze. Auch nach einer erhöhten Wasserzufuhr baute sich keine surfbare Welle auf.
Stadt will mit „Sediment-Ablagerungen“ arbeiten
Mit neuen „Sediment-Ablagerungen“ will die Stadt nun Bedingungen wie vor der Bachauskehr wiederherstellen. Geleitet wird dieser zweite Versuch zur Wellen-Rettung von Robert Meier-Staude von der Hochschule München, der sich privat (Eisbachsurfer) und beruflich (Strömungsmechanik) mit Wellen auskennt. Man hofft, auf diese Weise einen „Kick-off“ für die Welle zu erzeugen. Doch das geht nicht schnell, schnell, nach dem Motto: Kipplaster kommt heute noch vorbei und kippt Kies in den Bach. Immerhin bedarf jeder bauliche Eingriff ins Gewässersystem einer wasserrechtlichen Genehmigung. Das ist auch der Grund, warum die Stadt abermals darauf hinweist, dass eigenmächtige bauliche Veränderungen wie zum Beispiel das Anbringen einer Rampe – Surfer hatten vor Kurzem ein Holzbrett im Eisbach versenkt und so eine halbwegs surfbare Welle erzeugt – unterbleiben müssten. Unterstützung für den geplanten „Kick-off“ mit Kies ist laut Stadt jedoch schon vom Baureferat, vom Wasserwirtschaftsamt und von einem Fachmann für Wasserbau, Markus Aufleger von der Universität Innsbruck, zugesichert worden.
Die Eisbachwelle, wichtiger Touristenmagnet und, wie manche dieser Tage spotten, der einzige „Coolnessfaktor“ Münchens, liegt der Stadt nicht erst seit den Folgen der Bachauskehr am Herzen. So hat das Baureferat nach eigenen Angaben schon im Juni Mario Oertel von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg damit beauftragt, in einem Modellversuch und mittels „numerischer 3D-CFD-Simulationen“ wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die Strömungssituation zu erlangen. Man will herausfinden, was notwendig ist, um dauerhaft eine sicher surfbare Welle zu erhalten. Anhand des Versuchsaufbaus im Maßstab 1:5 sollen nun „kurzfristige Maßnahmen“ zur Wiederbelebung der Welle „realitätsnah“ geprüft werden. Nächste Woche soll damit begonnen werden.
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