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„Wenn Kurzarbeit das Traumhaus gefährdet“
Auch in Zeiten von Corona bleiben Immobilien gefragt– oder gerade deswegen. Viele Deutsche sehnen sich nach der Geborgenheit und Freiheit der eigenen vier Wände. Doch zugleich zerplatzt mancher Traum so plötzlich wie eine schillernde Seifenblase, selbst wenn die Wunschimmobilie nach langer Suche endlich gefunden scheint. Denn die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen Folgen belasten oft auch persönliche Finanzen stark. Und unter Umständen tun sie das so sehr, dass Kreditinstitute das Hypothekendarlehen für das Traumhaus verwehren.

„Schwierig ist die aktuelle Situation vor allem für diejenigen, die wenig oder kein Eigenkapital besitzen“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Viele Kreditinstitute hätten angesichts der Corona-Krise vor allem für Vollfinanzierungen, also Kreditaufnahmen von 90 bis 100 Prozent des Immobilienkaufpreises, Anforderungen verschärft und Konditionen verschlechtert, um die Risiken zu minimieren. Und die Nachfrage nach Baufinanzierungen sei derzeit so hoch, dass sich viele Banken ohnehin ihre Kunden aussuchen könnten, sagt Herbst. Manche Institute setzten dabei die Bauzinsen fast prohibitiv so hoch an, dass sie verglichen zu anderen Geldhäusern sehr unattraktiv erschienen, um weitere Kunden fernzuhalten wie etwa die PSD Bank Kiel.
Höhere Anforderungen
Angesichts der Corona-Krise stellten einzelne Banken höhere Anforderungen an die Kreditnehmer, sagt Mirjam Mohr, Vorstand des Finanzierungsvermittlers Interhyp und nennt ebenfalls das Beispiel Eigenkapital. Bei einzelnen Instituten seien Finanzierungen mit sehr wenig oder keinem Eigenkapital nicht mehr möglich. Andere hingegen hätten die zunächst eingeführten höheren Anforderungen inzwischen wieder zurückgenommen.
Was noch mehr Kreditnehmer betreffen dürfte: Viele Arbeitnehmer müssen wegen Corona mit geringeren Einkünften auskommen – sei es durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder andere Gründe. Die Finanzierung der Wunschimmobilie sei daher abgelehnt worden, ist von Betroffenen zu hören. „Die Banken sind gesetzlich verpflichtet auf die langfristige Bedienbarkeit der Darlehen zu achten“, sagt Herbst. Kurzarbeit an sich sei nicht unbedingt hinderlich, obwohl einige Banken derartige Anfragen inzwischen rigoros ablehnten. Wenn sie aber ein Zeichen dafür sei, dass es einem Unternehmen schlecht gehe, sehe dies generell anders aus. Andere Institute ließen sich bestätigen, dass keine Arbeitslosigkeit oder weitere längere Kurzarbeit zu befürchten sei. Wenn solcherlei dann doch eintreten sollte, könnte die Bank das Darlehen rückabwickeln.
Es komme aber stets vor allem auf die Situation des Einzelnen an – auf die Bonität, das Haushalteinkommen, das Vermögen und die Sicherheiten, sagt Herbst: „Ist zum Beispiel von der Kurzarbeit nur ein vergleichsweise geringer Teil des Haushaltsnettoeinkommens betroffen und zudem der Anteil der monatlichen Ausgaben für das Darlehen und die Wohnnebenkosten überschaubar, dann steht einer Kreditvergabe eigentlich kaum etwas im Weg.“ Der Anteil dieser Kosten sollte üblicherweise 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens im Monat möglichst nicht übersteigen, sagt Herbst. Doch solche Entscheidung trifft jedes Geldhaus für sich.
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