Wer ist verantwortlich für die Folgen der Flut?

Sechs Tage nach einer der verheerendsten Sturzfluten in der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten suchen Einsatzkräfte am Fluss Guadalupe im Süden von ­Texas weiter nach Vermissten. Wie Gouverneur Greg Abbott mitteilte, galten am Dienstag im Bezirk Kerr weiterhin 161 Personen als verschollen. Der Gouverneur bestätigte zudem den Tod von mindestens 110 Bewohnern und Besuchern, die am frühen Freitagmorgen, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, von der Flut überrascht wurden.

Nach starken ­Regenfällen war der Pegel des Guadalupe innerhalb von 45 Minuten fast acht Meter gestiegen. Camper und Bewohner der Region berichteten von dramatischen Szenen, als das Wasser in Häuser eindrang, Wohnmobile und Autos fortriss sowie die an dem Flussbett, auch bekannt als „flash flood ­alley“, seit Jahrzehnten beliebten ­Ferienlager für Kinder flutete.

Suche nach Vermissten fortgesetzt

Allein im Camp Mystic, einem religiösen Camp für Mädchen bei Hunt, kamen mindestens 27 Kinder und ­Betreuer ums Leben. Bis Mittwoch blieben weitere fünf Mädchen und eine Betreuerin vermisst. „Es gibt in unseren Herzen und Köpfen nichts Wichtigeres als die Menschen hier. Wir werden die Region nicht ver­lassen, bis unsere Aufgabe erfüllt ist“, sagte Gouverneur Abbott am Dienstag bei einem Besuch des Flutgebiets.

Während der Pegel des Guadalupe weiter sank, setzten Einsatzkräfte der einzelnen Gemeinden, des Bundesstaats und der Regierung in Washington die Suche nach Vermissten zwischen Trümmern, Wracks und entwurzelten Bäumen am Ufer fort. Auch Nationalgardisten aus Arkansas und mexikanische Rettungskräfte unterstützen die Helfer. Wie der Feuerwehrmann Jesus Gomez der Nachrichtenagentur AP sagte, stellt die Bergung von Toten auch für erfahrene Einsatzkräfte eine Belastung dar. „Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass wir Leichen sehen, müssen auch wir uns mental wappnen“, fasste er den Einsatz in Texas zusammen.

21 Bezirke sind Katastrophengebiet

Gouverneur Abbott erklärte derweil 21 Bezirke des Lone Star State zum Katastrophengebiet. Präsident Donald Trump hatte schon am Sonntag für den ­Bezirk Kerr, wo mindestens 87 Personen ums Leben kamen, den Katastrophenfall ausgerufen, um die Federal Emergency Management Agency (FEMA) des Ministeriums für Innere Sicherheit mit der Koordi­nation des Einsatzes im Flutgebiet zu beauftragen.

Am Dienstag hatte eine Sturzflut in einem weiteren Bundesstaat im Süden der Vereinigten Staaten mehrere Personen in den Tod gerissen. Ein Mann im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, ein vierjähriges Mädchen und ein siebenjähriger Junge seien von den Wassermassen erfasst worden und dabei ums Leben gekommen, teilten die ­Behörden des Bergorts Ruidoso in New Mexico mit. Auf Videos in den sozialen Netzwerken war zu sehen, wie die Wassermassen des Rio Rui­doso durch den Ort rauschten und ein ganzes Haus mitrissen.

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Warum es nicht gelang, Bewohner und Urlauber in der Nacht von Donnerstag zu Freitag rechtzeitig vor den Wassermassen in Texas zu warnen, blieb derweil offen. Der Nationale Wetterdienst (NWS) hatte gegen ein Uhr, mehr als drei Stunden bevor der Guadalupe Gemeinden, Campingplätze und Ferienlager erreichte, vor einer möglichen Sturzflut in der ­Region gewarnt. Viele Bewohner und Besucher berichteten aber, kein Warnsignal des NWS auf ihren Mobiltelefonen empfangen zu haben.

Zudem sollen Verwaltung und ­Polizei des am schwersten getroffenen Bezirks Kerr erst gegen fünf Uhr bei Facebook vor „lebensgefährlichen Überschwemmungen“ gewarnt haben. Zu der Zeit führte der Fluss schon mehr Wasser als je zuvor. Sheriff ­Larry Leitha ließ auch offen, ob der oberste Katastrophenschützer von Kerr County, W. B. „Dub“ Thomas, am frühen Freitagmorgen im Einsatz war. Zuvor waren Gerüchte laut geworden, Thomas habe während der Sturzflut geschlafen.

Beobachter verwiesen derweil auf das Warnsystem des benachbarten Comfort. Die Kleinstadt im Bezirk Kendall, etwa 30 Kilometer entfernt von Kerrville, dem Verwaltungssitz des Bezirks Kerr, hatte am Morgen des 4. Juli mit Sirenen vor der Sturzflut gewarnt. Zuvor hatten die Be­hörden den mehr als 2300 Bewohnern schon Warnnachrichten auf ihre ­Mobiltelefone gesendet und Feuerwehrleute von Tür zu Tür geschickt, um sie zum Verlassen der Häuser aufzufordern. In Comfort, teilte der Feuerwehrchef Danny Morales jetzt mit, überlebten alle Bewohner die Sturzflut.

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