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Von seinem Büro aus hat der Architekt Malte Just einen guten Blick auf die Kaiserstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel. Auf der anderen Straßenseite sind sanierte Fassaden aus der Gründerzeit zu sehen, doch auf der Fußgängerebene sieht es weniger schön aus. Die Kreuzung von Kaiser- und Moselstraße ist derzeit kaum passierbar. Dort wird eine Fernwärmeleitung verlegt, die Baustelle nimmt einen großen Teil des öffentlichen Raums in Anspruch. Am Ende der Kaiserstraße vor dem Hauptbahnhof steht ein trauriger Gastronomiecontainer mit der Aufschrift „Kaisertor“, der den einstigen Kaisersack genannten Platz ein wenig freundlicher machen sollte. An diesem Tag ist er geschlossen. „Das ist doch das Tor zu Stadt“, sagt Just und macht deutlich, dass er mit dem Zustand nicht zufrieden ist.
Der Straßenabschnitt vor Justs Büro soll zur Fußgängerzone werden, so ist es längst beschlossen. Da der Umbau aber wegen zahlreicher anderer Baustellen auf sich warten lässt, haben sich der Architekt und sein Team Gedanken gemacht, wie sich die Situation in der Zwischenzeit freundlicher gestalten lässt. Mit Unterstützung aus dem Viertel, unter anderem der Eigentümerinitiative, haben sie einen optischen Blickfang für das Kaisertor entwickelt. Wer vom Hauptbahnhof kommt, soll künftig von einer markanten gestrichenen Sitztreppe empfangen werden.
Diese Stadtmöblierung in leuchtendem Frankfurt-Rot soll nicht nur zum Verweilen einladen, sondern auch als Aussichtsplattform dienen. In etwa drei Meter Höhe habe man einen hervorragenden Blick auf den Hauptbahnhof und auf die Skyline. Außerdem sollen große Bildschirme angebracht werden, auf denen touristische Informationen angezeigt werden. Werbeeinnahmen könnten dazu beitragen, die Unterhaltskosten zu decken.

Die Treppe soll vergleichsweise einfach aus robusten, vandalismusresistenten Gitterrosten montiert werden, für die Sitzflächen ist Holz vorgesehen. Just rechnet mit Kosten in Höhe von etwa 350.000 Euro. Er hofft auf finanzielle Unterstützung durch die Stadt, den Betrieb könnte ein bereits im Bahnhofsviertel aktiver Verein übernehmen. Dieser würde zum Beispiel dafür sorgen, dass der Informationsraum mit den Bildschirmen nachts abgeschlossen wird, um keine ungebetenen Übernachtungsgäste anzulocken. Es seien auch Veranstaltungen denkbar, etwa der Auftritt eines Chors. Im nächsten Frühjahr, so sein Plan, könnte die Treppe aufgestellt werden. Eine Sondernutzungserlaubnis sei bereits beantragt.
Außengastronomie auf der Kaiserstraße soll schöner werden
Der Gestaltungsansatz ließe sich nach Ansicht Justs auf die gesamte Kaiserstraße ausweiten. Denkbar seien weitere Sitzgelegenheiten und Verschattungselemente in einem ähnlichen Design, die zum Beispiel an den Markttagen genutzt werden könnten. Just kann sich vorstellen, dass sich damit auch der aktuelle Konflikt mit den Betreibern der Außengastronomie gelöst werden könnte. Das Amt für Straßenbau und Erschließung hat kürzlich angeordnet, dass die Wirte ihre Sommerterrassen auf die genehmigte Fläche beschränken und Abgrenzungselemente wie Blumenkübel entfernen müssen.
Gunnar Berendson, Sprecher der Eigentümerinitiative Bahnhofsviertel, zeigt für das Vorgehen der Behörde Verständnis. Die Gastronomie habe sich „immer mehr ausgebreitet“, für Fußgänger sei oft nicht mehr genügend Platz. Das Problem sei durch die Entfernung der Blumenkübel nicht gelöst. „Wir wollen der Kaiserstraße ihre Würde zurückgeben.“
Mit einer durchdachten Gestaltung könne man sowohl den Wirten als auch den Passanten gerecht werden, meint Just. Er zeigt erste Skizzen, in denen die Sommergärten mit Schirmen im Rot der Sitztreppe ausgestattet sind. Auch eine Abgrenzung der Freisitze, die sich Gastronomen zum Schutz ihrer Gäste wünschen, könnte einheitlich gestaltet werden. Zu den Hauswänden solle immer mindestens sechs Meter Abstand gehalten werden. Denkbar sei, dass die Stadt entsprechende Gestaltungsleitlinien erstellt.
Die Sitztreppe soll nach der Vorstellung Justs so lange bleiben, bis die Umgestaltung der Straße in eine Fußgängerzone beginnt. Dann könnte sie demontiert und an anderer Stelle eingesetzt werden, zum Beispiel am Mainufer. Je nach Bedarf könne statt des Informationsraums unter der Plattform auch ein kleiner Getränkeausschank eingerichtet werden. Und wenn sie das Konzept bewähre, so der Architekt, könnte es in Frankfurt künftig mehrere solcher mobiler Sitztreppen geben.
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