Wie Geografie die Geschichte beeinflusst

Wie Geografie die Geschichte beeinflusst

Wie Geografie die Geschichte beeinflusst

„Die Geschichte der Welt hat eine Geografie. Und die Geografie hat eine Geschichte“, schreibt Christian Grataloup.

Der französische Geograf hat diese Zusammenhänge bereits in zwei umfangreichen Kartenwerken dargestellt. Auch sein neues Buch zum Thema wird von einem Kartenteil ergänzt, mit dem man Tage verbringen könnte. Doch der Schwerpunkt liegt hier klar auf dem Text. Grataloup zeigt, dass die historische Entwicklung von Gesellschaften stets im Zusammenspiel mit ihrem geografischen Umfeld zu betrachten ist. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Erzählung der Menschheitsgeschichte.

Die Fähigkeit des Menschen, sich an unterschiedliche Ökosysteme anzupassen, ermöglichte schon früh die Ausbreitung über große Teile der Erde. Bereits vor über 10.000 Jahren existierten auf allen Kontinenten voneinander unabhängige Gesellschaften, die zunächst kaum Kontakt untereinander hatten. Ab dem 13. Jahrhundert entstand mit der „Achse der Alten Welt“, einem Netz von Handels- und Verkehrswegen von China bis zum Mittelmeerraum, ein Vorläufer unserer heutigen globalisierten Welt. Mit der „Entdeckung“ Amerikas rückte die Menschheit noch enger zusammen, allerdings zum Leidwesen der indigenen Bevölkerungen.

Seit dem 19. Jahrhundert beschleunigte der rasante technische Fortschritt die Entwicklung erneut. Große räumliche Entfernungen ließen sich leichter überwinden, zugleich wuchs die ökonomische Kluft zwischen reichen und armen Gesellschaften. Außerdem machten sich der rücksichtslose Umgang mit den natürlichen Ressourcen und die Auswirkungen des fossilen Zeitalters immer stärker bemerkbar. Klimawandel und andere Krisen zwingen heute viele Menschen dazu, ihre angestammte Umgebung zu verlassen, was wiederum die Gesellschaften verändert, die Ziel dieser Bewegungen sind. Grataloup macht klar: Die „Geogeschichte“ ist noch lange nicht an ihrem Endpunkt angekommen.

Ein lohnendes Buch für alle, die gern in großen Zusammenhängen denken. Stellenweise hätte sich der Autor bei seinen kenntnisreichen Ausführungen aber gern etwas kürzer fassen dürfen. Christoph Walter

Christian Grataloup
Geogeschichte – Die Macht der Geografie in der Weltgeschichte
C. H. Beck Verlag, 390 S., € 38,–
ISBN 978-3-406-83726-5

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Wissenschaft kategorie besuchen.

Quelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert